Wie betrieb man Journalismus vor 200 Jahren und ist es heute so viel anders? Über Verführbarkeit durch Macht, unabhängiges Denken, Passion und Geld.
Vor ein paar Jahren las ich auf Anregung von Franz Schuh, dem klugen und unbestechlichen Schriftstellerphilosophen,"" von Honoré de Balzac. Ich war hingerissen und gleichzeitig beunruhigt. Das Sittenbild des Journalismus, wie es sich vor 200 Jahren zeigte, kam mir bekannt vor.
Das sind frivole Worte, vor allem, wenn man bedenkt, dass eine Generation zuvor mithilfe demagogischer Massenblätter die Französische Revolution so angeheizt wurde, dass sie in blutigen Terror mündete. Der Jakobiner Jean Paul Marat etwa hatte in seiner Zeitung"Freund des Volkes" dazu aufgerufen, Verräter der Revolution"niederzumachen", und dafür lange Listen von Namen abgedruckt.
Die Abhängigkeit vom Hof machte die Journalisten der"Wiener Zeitung" unfrei. Und doch existierte ein Kern von journalistischem Denken. Was man als wichtig genug erkannte, wurde auch gegen die Interessen des Hofes berichtet. So wurde in den Tagen der Französischen Revolution die Deklaration der Menschenrechte ins Blatt des Kaisers geschmuggelt.
Die Inseratenkorruption, von der heute wieder verstärkt die Rede ist-günstige Berichterstattung gegen Inserate-,betrifft den öffentlichen Sektor. Doch schon um die Jahrhundertwende gab es eine Debatte über den ungeheuren Einfluss von wirtschaftlich potenten Inserenten auf die Blattlinie. Der deutsche Sozialdemokrat Ferdinand Lassalle wollte den Zeitungen generell verbieten, Anzeigen abzudrucken und sich dafür bezahlen zu lassen.
Auch ein Begriff wie"Unabhängigkeit" wird oft im Munde geführt, doch er schillert. Franz Schuh sagte einmal zu diesem Stichwort:"Für Medienmenschen ist Unabhängigkeit nicht zuletzt ein subjektiver Begriff. Wer wirklich eine unabhängige Meinung hatte, wissen wir immer erst hinterher." Kisch war nicht"Lügenpresse", Relotius hat nicht Schule gemacht. Viel entscheidender ist vielmehr die Frage: Was lernt ein Journalist, eine Journalistin - was fördert die Karriere? Wird man heute anders sozialisiert als Lucien in""In der journalistischen Hierarchie spielen die Verbindungen zu Machtzentren eine große Rolle.
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