Schlaflos in Istanbul: neue Uferwelten in Tersane, lange Nächte und die besten Perspektiven auf die Stadt zwischen Europa und Asien. Warum sich ein ...
Wassersport am Goldenen Horn hat eine lange Tradition. Im Rixos Tersane kann man sich Stand up Paddels sowie Boote ausleihen oder auf einer geführten Tour den Meeresarm erkunden.
Schlaflos in Istanbul: neue Uferwelten in Tersane, lange Nächte und die besten Perspektiven auf die Stadt zwischen Europa und Asien. Warum sich ein Städtetrip in die geschichtsträchtige Metropole im Herbst mehr als lohnt und was Sie nicht versäumen solltenEin Ruderboot gleitet beinahe lautlos über das Goldene Horn. Dahinter leuchten die ersten Lichter der Stadt, während auf der Galata-Brücke noch immer die Fischer ihre Angeln auswerfen. Istanbul kommt auch am Abend nicht zur Ruhe.
Warum sollte man es selbst tun? Diese Stadt besucht man nicht einfach. Man taucht ein in den Ruf der Möwen, den Duft von Gewürzen, das Hupen der Taxis und das ständige Kommen und Gehen der Fähren. Europa auf der einen Seite, Asien auf der anderen, dazwischen der Bosporus.
Wer Istanbul verstehen möchte, beginnt am besten am Wasser. Mein Orientierungspunkt ist die Galata-Brücke. Von hier breitet Istanbul seine Geschichte beinahe wie ein Panorama aus: Auf der Landzunge liegen der Topkapi-Palast und die großen Moscheen, gegenüber ragt der Galata-Turm aus dem Häusermeer. Unter der Brücke sitzen Gäste in Restaurants und Cafés, darüber stehen die Fischer am Geländer.
Die Galata-Brücke führt über das Goldene Horn, kurz bevor dieses in den Bosporus mündet. Die obere Ebene gehört den Autos, unten findet man Restaurants. Der Bosporus erstreckt sich rund 30 Kilometer zwischen Europa und Asien. Das Goldene Horn, eine lange Bucht am europäischen Ufer, reicht tief in die Stadt hinein.
Fähren kreuzen einander, Ausflugsschiffe legen ab, Möwen begleiten sie. Geschäftigkeit und Gelassenheit liegen hier erstaunlich nahe beieinander. Offiziell leben rund 15,75 Millionen Menschen in Istanbul. Unser Taxifahrer winkt ab.
Es seien bestimmt fast 20 Millionen, meint er. Ob seine Rechnung stimmt? Schwer zu sagen. Glaubwürdig klingt sie in diesem Verkehr jedenfalls sofort.
Ein Stück weiter westlich liegt Tersane. Rund 600 Jahre lang diente das Gelände als osmanische Werft und war für die Öffentlichkeit lange kaum zugänglich. Heute entsteht hier ein neues Viertel mit Hotels, Gastronomie, Geschäften und Kulturangeboten. Historische Bauten stehen neben moderner Architektur, alte Kräne erinnern an die industrielle Vergangenheit.
Das neue Quartier befindet sich am Goldenen Horn im Stadtteil Beyoğlu. Für die Uferpromenade, das Hotelgelände und eine Pause am Wasser sollten Sie mehrere Stunden einplanen. Eine Bosporusfahrt nicht als bloßen Transfer betrachten. Sie ist eine der besten Möglichkeiten, die Geografie und die Dimensionen Istanbuls zu begreifen.
Fettah Tamince, Gründer der Hotelgruppe Rixos, gehört zu den treibenden Kräften hinter der Entwicklung. Das Rixos Tersane befindet sich in einem Gebäude des früheren Trockendocks. Schon in der Lobby bleibt die Geschichte des Ortes sichtbar: Proportionen und Formen erinnern an ein Schiff, über den Köpfen schwebt ein altes Ruderboot. Das ist mehr als Dekoration.
Draußen auf dem Goldenen Horn ziehen vom frühen Morgen an Ruderer vorbei. Wer die Stadt selbst vom Wasser aus erleben möchte, kann über das Hotel eine Ausfahrt buchen. Mein Tipp: möglichst früh starten. Dann liegt die Bucht noch ruhig da, und Istanbul zeigt für kurze Zeit seine leise Seite.
Auch Yoga wird hier ans Wasser verlegt. Bei den „Moonlight Yoga Sessions“ wird bei Sonnenuntergang praktiziert. Während die Sonne hinter der Stadt verschwindet, gehen am gegenüberliegenden Ufer die Lichter an. Ein stimmiger Rahmen, auch für Menschen, die sonst nicht bei jeder Gelegenheit die Yogamatte ausrollen.
Das Rixos Tersane ist mit mehreren Restaurants, Bars und Cafés weit mehr als nur eine Unterkunft. Besonders gefragt sind die Plätze direkt am Wasser. Im Josephine trifft panasiatische Küche auf den Blick über das Goldene Horn. Auf der Terrasse lässt sich gut beobachten, wie das Licht über der Bucht langsam wärmer wird.
Noch näher am Wasser liegt der Bereich Velaa by the Sea. Der Infinity-Pool scheint in die Bucht überzugehen, dahinter erhebt sich ein alter Baukran. Gerade dieser Kontrast macht den Ort interessant: zeitgenössisches Hoteldesign vor einer Kulisse, die ihre Vergangenheit nicht versteckt. Die rund zwei Kilometer lange Uferpromenade lädt dazu ein, Tersane zu Fuß zu entdecken.
Es empfiehlt sich, dafür Zeit einzuplanen und nicht nur zwischen Hotel und Restaurant hin- und herzueilen. Mit jedem Abschnitt verändert sich die Atmosphäre ein wenig: einmal entspannt, dann elegant, später deutlich glamouröser. Am Abend wird im Mondaine de Pariso aus dem Dinner eine Show. Drei Sängerinnen führen durch das Programm, das Publikum wird zunehmend einbezogen.
Spätestens wenn der DJ übernimmt, ist aus dem Restaurant ein Club geworden. Das muss man mögen. Wer einen ruhigen Abend sucht, ist hier nicht richtig. Wer Essen, Musik und eine ausgelassene Inszenierung verbinden möchte, schon.
Noch turbulenter geht es im MykOrini zu, einem griechischen Restaurant im gegenüberliegenden Einkaufszentrum. Weiße Einrichtung, griechische Spezialitäten, Wein und Live-Musik geben zunächst die Richtung vor. Dann kommen die Tänzer, ziehen die Gäste von den Sesseln, und irgendwann fliegen die Teller. Keine Sorge: Sie bestehen aus Gips.
Trotzdem hat das kontrollierte Chaos etwas Befreiendes. Ein Teller nach dem anderen zerbricht, die Scherben werden weggeräumt und der nächste Gang serviert. Für einen Moment wirft Istanbul tatsächlich alle Regeln über Bord. Das Nachtleben ist längst selbst ein Grund für einen Kurztrip an den Bosporus.
Besonders die Dinner-Shows treffen einen Nerv: Sie verbinden Essen, Musik und Tanz und bringen dabei Gäste unterschiedlichen Alters zusammen. Die Nächte werden lang. Aus einem Abend wird hier schnell ein Morgen. – A Paris Society Collection Hotel, 100 Zimmer, Schwimmklub, ausgezeichneter Spa- und Wellnessbereich, Restaurant Little House, Dinner-Club Mondaine de Pariso Istanbul:Tagsüber sollte man dennoch genügend Zeit für die Klassiker reservieren.
Hagia Sophia, Blaue Moschee und Topkapi-Palast erzählen von der großen Geschichte der Stadt. Im Gewürzbasar mischen sich Safran, getrocknete Früchte und Gewürze zu einem Duft, den man nicht so schnell vergisst. Im Großen Basar verliert man dagegen eher die Orientierung als die Erinnerung. Nicht versäumen: eine Fahrt auf dem Bosporus.
Vom Wasser aus wird die Lage Istanbuls erst richtig verständlich. Paläste, Villen und moderne Viertel ziehen vorbei, Schiffe kreuzen den Weg – es ist eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Europa liegt auf der einen, Asien auf der anderen Seite. Istanbul lebt von seinen Gegensätzen: osmanische Paläste und neue Stadtquartiere, Moscheen und Clubs, stille Ruderboote und volle Tanzflächen.
Nicht alles muss jedem gefallen. Gerade das macht die Stadt jedoch spannend. Sie lässt sich nicht auf eine einzige Geschichte reduzieren. Am Ende stehe ich wieder an der Galata-Brücke.
Unter mir fährt ein Boot in die Abenddämmerung, hinter mir beginnt die Stadt erst richtig aufzuwachen. Wer Istanbul kennenlernen möchte, sollte deshalb nicht zu eng planen. Ein wenig Zeit zum Schauen, Hören und Abbiegen gehört unbedingt dazu. Schlafen kann man später.
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