Zwergplanet oder doch Planet? Pluto bleibt umstritten

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Zwergplanet oder doch Planet? Pluto bleibt umstritten
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Zwei Jahrzehnte nach seiner Degradierung zum Zwergplaneten wird erneut über den Status von Pluto gestritten

Der NASA-Chef will Pluto zurück in den Kreis der Planeten holen und facht damit einen alten Kulturkampf in der Astronomie neu an. Dahinter steckt nicht nur Wissenschaft, sondern auch Politik und Nostalgie.

Pluto erfüllt nicht alleKriterien für einen Planeten, da er seine Umlaufbahn nicht freigeräumt hat. Seit 2006 gilt Pluto offiziell als Zwergplanet, nicht mehr als Planet. NASA-Chef will Pluto wieder als Planeten anerkennen und stößt damit eine neue Debatte an. FAKTENSeit 2006 gilt Pluto offiziell als Zwergplanet, nicht mehr als Planet.

Mehr dazu in den Infos & Quellen Pluto ist der Zwergplanet mit den meisten Fans. Der Name erweckt Sympathien wie der zutrauliche orange Hund von Walt Disney, obwohl der Namensgeber für den Himmelskörper nicht er, sondern der römischen Gott der Unterwelt war. Doch was bedeutet schon ein Name oder, genauer gesagt, eine astrophysikalische Kategorie? Ziemlich viel, findet Jared Isaacman, der Chef der US-Weltraumbehörde NASA.

Er hat kürzlich vor einem Ausschuss des US-Senats mitgeteilt, dass er „ganz klar im Lager derjenigen“ stehe, „die Pluto wieder zum Planeten machen wollen“. Die Weltraumbehörde wolle diese Frage erneut zur Diskussion stellen und arbeite an den nötigen Dokumenten. Isaacman fachte damit eine lebhafte Kontroverse neu an. Pluto ist in etwa zwei Drittel so groß ist wie unser Mond und kreist in ständiger Dunkelheit um die Sonne.

Er wurde am 18. Februar 1930 von dem autodidaktischen US-Astronomen Clyde Tombaugh entdeckt, der mit einem Teleskop auf einem Feld im US-Staat Kansas in den Himmel blickte. Ganze 76 Jahre lang galt der entfernte Ball aus Gestein und Eis als neunter, kleinster und am weitesten von der Sonne entfernte Planet in unserem Sonnensystem.

Bis im Jahr 2006, neun Jahre nach Tombaughs Tod, die Mitglieder der Internationalen Astronomischen Union über die Kriterien, die ein Himmelskörpern erfüllen müsse, um als Planet zu gelten, abstimmten. Hintergrund war die Entdeckung von anderen, ähnlich großen Objekten im Kuipergürtel. Es zeigte sich, dass in dieser entfernten kosmischen Region, die Pluto umgibt, hunderte wenn nicht tausende Zwergplaneten existieren. Einer ist Eris, der sogar massereicher ist als Pluto, und bezeichnenderweise nach der griechischen Göttin der Zwietracht benannt wurde.

Denn wenn Pluto schon als Planet gelte, hieß es, müsste auch Eris in den Planetenreigen aufgenommen werden, und mit ihr möglicherweise eine Vielzahl weiterer Himmelskörper. Die IAU legte drei Kriterien für die Einstufung fest: Ein Planet muss seine Sonne umkreisen, durch seine eigene Schwerkraft eine Kugelform gebildet haben, und den Bereich um seine Umlaufbahn von anderen Trümmern, wie Asteroiden oder Staub, geräumt haben.

Pluto erfüllte die ersten beiden Kriterien, scheitert jedoch am dritten, da er sich seine Umlaufbahn mit anderen Objekten teilen muss, weil er sie mit seiner zu geringen Masse nicht vertreiben kann. Er wurde daher in die neue Kategorie der Zwergplaneten eingeordnet. Seitdem kreisen nicht neun, sondern nur noch acht offiziell anerkannte Planeten um die Sonne. Gegner:innen der Entscheidung sind der Ansicht, dass sich ein Planet durch seine Eigenschaften und nicht seine bahnreife Umgebung definiert.

Dazu zitiert Spektrum der Wissenschaft den US-Planetenforscher David Grinspoon: „Wenn die Erde plötzlich von einem Schwarm kleiner Objekte umgeben wäre – wie es in den ersten paar hundert Millionen Jahren ihres Bestehens der Fall war –, wäre sie dann kein Planet mehr? Das erscheint mir lächerlich.

“ Hinzu kommt, dass Pluto ähnlich wie die Erde eine geologisch aktive Welt mit Eisbergen zu bieten hat. Die NASA-Mission New Horizons flog im Jahr 2015 als erste Raumsonde an dem 5,9 Milliarden Kilometer von der Erde entfernten Zwergplaneten vorbei. Ihre Bilder und Messungen zeigten, dass er etwas größer ist als gedacht, und im Inneren warm ist, weswegen das Eis auf seiner Oberfläche schmilzt und sich wie Gletscher bewegt.

Der US-Planetenforscher Alan Stern, leitender Wissenschaftler von New Horizons, begrüßt daher den Vorstoß des NASA-Chefs.

„In der Wissenschaft geht es nicht um Abstimmungen“, zitiert die britische Zeitung Observer Stern: „Wir stimmen nicht über die Relativitätstheorie ab. Wir stimmen nicht über die Evolution ab.

“ Eine neue Entdeckung macht den Plutonisten einen Strich durch die Rechnung. Denn ein japanisches Team der National Astronomical Observatory of Japan hat auf einem noch viel kleineren Objekt, genannt 2002 XV93, Hinweise auf eine Atmosphäre gefunden. Bisher galt Pluto als einziger Himmelskörper jenseits des Neptun mit dieser Eigenschaft. Die in „Nature Astronomy“ publizierte Studie kratzt also an Plutos Einzigartigkeit und untermauert die Sicht, dass er ein Teil einer größeren Zwergkörper-Familie sei.

In der astronomischen Community stößt der Zeitpunkt, an dem Isaacman die Kontroverse wiederbelebt, auf Missfallen. Bei der Anhörung im US-Senat ging es nämlich in erster Linie ums Geld. Trumps Regierung will der NASA das Budget ausgerechnet jetzt, nach der erfolgreichen Artemis-II-Mission zum Mond, kürzen. Der von US-Präsident Donald Trump berufene Isaacman verteidigte die Einschnitte und lenkte, so die Kritik, mit der Pluto-Debatte davon ab.

Pluto wieder zum Planeten machen zu wollen, während man die Stellen jener Forscher:innen streiche, die ihn erforschen, sei - gelinde gesagt - unaufrichtig, schreibt etwa die Planetenforscherin Adeene Denton auf, das Isaacman zitiert. In Anspielung auf „Make America Great Again“ steht der Slogan für eine Nostalgie-Reise in eine Vergangenheit voller Gewissheiten, als am Himmel noch alles an seinem Platz war.

Eigentlich sind es aber die Plutonisten, die für einen radikalen Wandel eintreten, denn dann würde unser Sonnensystem nicht aus acht, sondern aus vielleicht 1000 Planeten bestehen – und das wäre eine echte Veränderung, was die Bedeutung von Planeten betrifft. Oder man lässt die öffentliche Sympathie regieren und erklärt Pluto zur wissenschaftlich schwer zu begründenden planetaren Ausnahme. Immerhin ist ja auch der Hund das einzige nicht-vermenschlichte Tier in Entenhausen.

Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unterPluto ist der größte und zweitmassivste bekannte Zwergplanet des Sonnensystems. Er bewegt sich auf einer exzentrischen Bahn um die Sonne, ist zwischen 30- und 49-mal so weit von seinem Gestirn entfernt wie die Erde und benötigt für eine Sinnenumrundung 247,97 Jahre. Sein Durchmesser beträgt ungefähr zwei Drittel des Erdmondes. Spektrum der Wissenschaft

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