Die FIFA verkauft Tickets für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko zu teils exorbitanten Preisen. Dynamic Pricing sorgt für Unmut und wirft Fragen zur Transparenz auf.
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko rückt immer näher. Die Spiele sind intensiv getaktet, drei Viertel der Partien finden in US-Stadien statt - ein großes Spektakel bahnt sich an.
Dass der Internationale Fußballverband (FIFA), wie am Freitag bekannt wurde, einige Tickets kostenlos abgab, war natürlich ein Versehen. Denn tatsächlich sorgt vor der WM kaum etwas so sehr für Aufregung wie die Wucherpreise, zu denen der Weltverband die Tickets verkauft. Für Experten ist klar: Es ist ein Ausloten von Grenzen. In den vergangenen Wochen sorgte die WM vor allem wegen teils exorbitant teurer Tickets für Schlagzeilen.
Wer sich eine oder gar mehrere WM-Partien live im Stadion anschauen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Die Preisgestaltung ist eine Blackbox, denn erstmals setzte die FIFA das sogenannte Dynamic Pricing im Verkaufsprozess ein. Diese dynamische Preisgestaltung richtet sich nach der Nachfrage: Ist das Interesse an einer Partie groß, steigt der Preis, da - so die Marktlogik - mehr Menschen bereit sind, mehr für ein Ticket zu bezahlen.
Die FIFA übernahm dieses Modell, das beispielsweise bei Fluglinien, Hotels und Fahrdiensten sowie in den großen US-Profiligen üblich ist. Wie hoch die Preise inzwischen sind, zeigt ein Blick auf den herausragenden Gruppengegner des ÖFB-Teams, den amtierenden Weltmeister Argentinien. Anfang Mai kostete das günstigste verfügbare Ticket für das Gruppenspiel Österreich gegen Argentinien 835 US-Dollar (über 710 Euro), für die weiteren Vorrundenpartien Argentiniens wurden ähnlich hohe Beträge verlangt. Vor dem Start der WM gibt es weiterhin Debatten über die USA als Austragungsort.
ÖFB-Chef Josef Pröll erklärte, dass die Entscheidung für Nordamerika zu einer ganz anderen Zeit - vor dem teilweise brutalen Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE und dem Iran-Krieg - getroffen wurde. Für das Finale lagen die günstigsten verfügbaren Karten bereits bei knapp 6.000 Dollar (über 5.100 Euro).
Gerade Argentinien, das durchweg stark nachgefragte Spiele bestreitet, zeigt die Dimension: Das US-Wirtschaftsmagazin Business Insider errechnete, dass ein argentinischer Fan, der sein Team bis ins Finale begleitet, inklusive Reisen und Unterkünften mehr als 31.000 Dollar (über 26.000 Euro) ausgeben müsste. In der Theorie lassen sich für ein stark nachgefragtes Spiel höhere Preise realisieren als für ein weniger nachgefragtes Spiel, sagt Dominik Schreyer gegenüber ORF.at. Schreyer ist Sportökonom an der deutschen Otto Beisheim School of Management (WHU).
Er sagt: Eine dynamische Bepreisung ist an sich weder neu noch illegitim. Im Idealfall richten sich Preise nach der tatsächlichen Nachfrage nach Tickets. Doch bleibe ein zentraler Punkt unklar - nämlich die Transparenz bei der Preisfindung. Es stelle sich die Frage, ob Fans nachvollziehen können, wie Preise entstehen, wie knapp Tickets tatsächlich sind und welche Sitzplatzqualität sie am Ende kaufen, so Schreyer.
Am Ende drohe ein Vertrauensproblem, wenn Tickets teuer gekauft werden und sich dann Kategorien nachträglich ändern. So erst kürzlich geschehen: In einer früheren Phase hatte die FIFA WM-Tickets verkauft, in deren Kategorie später noch ein Premiumsegment angeboten wurde - zur bösen Überraschung jener, die sich davor bereits die vermeintlich besten Tickets gesichert hatten. Unter anderem deshalb leiteten die Bundesstaaten New York und New Jersey Ermittlungen ein. Für US-Präsident Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino sind beim WM-Finale bereits Plätze reserviert.
Der Sport wird stärker als Premium- und Entertainmentprodukt vermarktet, und die Zahlungsbereitschaft verschiedener Zielgruppen wird systematischer abgeschöpft, sagt Sportökonom Schreyer. Die Chancen für die Veranstalter seien damit klar: Variable Preise können Nachfrage genauer abbilden, Erlöse erhöhen und verhindern, dass Tickets systematisch zu billig verkauft werden. Denn die Steuerung der Auslastung soll alle Szenarien abfedern: So hilft das System dem Veranstalter dabei, bei schwächer nachgefragten Spielen freie Plätze im Stadion zu füllen.
Wie sich das Bild in den Stadien zeigen wird, ist noch nicht absehbar, sagt der Experte: Ob diese Logik bei der WM am Ende durchgehend gut ausgelastete Stadien hervorbringt, werden wir sehen. Die FIFA jedenfalls verkündete zuletzt eine starke Buchungslage: Wie ein Sprecher des WM-Veranstalters in der Vorwoche mitteilte, seien bereits 90 Prozent der Tickets verkauft worden. Diese Tickets sollen zusammen mit Hospitality-Angeboten laut FIFA-Finanzberichten Einnahmen von über drei Milliarden US-Dollar (2,6 Milliarden Euro) generieren.
Das wäre mehr als das Dreifache der Einnahmen der WM in Katar 2022. Gigantische Erlöse auf der einen Seite, auf der anderen zunehmend mehr Fans, die von Spielen im Stadion ausgeschlossen werden könnten
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