61 Beteiligungen hat die Invest AG und hat dafür 500 Millionen Euro investiert. Damit ist die zur Raiffeisen Landesbank Oberösterreich zählende Gesellschaft der größte Private Equity Investor Österreichs. In Folge 74 erklärt Vorstandschef Gernot Hofer, wie man Firmen kauf und warum er sich nicht als Heuschrecke sieht.
Gernot Hofer: Indem einem die Investoren vertrauen, weil man längere Zeit mehr richtig als falsch gemacht hat. Wir arbeiten mit Eigenkapital, das ist Hochrisikokapital. Und da muss man auch mit Rückschlägen leben können.
Da braucht es eine Fehlerkultur. Man hat mir über 20 Jahre die Möglichkeit gegeben, bestimmte Skills zu entwickeln. Es gibt wohl wenige Jobs, die unternehmerischer sind. Wir leben mit den Unternehmen, haben 61 Beteiligungen und schon 216 Beteiligungen begleitet.
Es ist eine unglaubliche Bandbreite, mit der wir konfrontiert sind. Manche würden für das, was wir sehen, Geld zahlen. Sie verwalten mehr als eine halbe Milliarde Euro Eigenkapital. Wer entscheidet, welche Firma gekauft wird und woran Sie sich beteiligen?
Es werden fünf Prozent aller Anfragen, die wir bekommen, positiv abgewickelt. Wir sind vier Leute im Vorstand und entscheiden, was gekauft wird. Das braucht hohes Vertrauen und Mut zur Wahrheit. In Österreich haben wir bereits einen Status, dass wir kontaktiert werden.
Wir haben 25 Mitarbeiter und prüfen derzeit Projekte in einer Größenordnung von rund 500 Millionen Euro, damit haben wir aber in Österreich schon ein Alleinstellungsmerkmal. Wir sind aber auch in Deutschland, Norditalien und bald in Tschechien aktiv. Da werden Verkäufe ausgeschrieben. Wir als Invest Ag haben uns auf Situationen spezialisiert, bei denen es nicht um den hundertprozentigen Erwerb eines Unternehmens geht.
Meist geht es um Unternehmer, die einen Investor auf Zeit brauchen, meist für einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren. Wir haben selbst keine strategischen Interessen und trachten danach, dass das Unternehmen in seiner Identität und Substanz gewahrt bleibt. Die Invest AG gibt es seit 32 Jahren. Wie oft hat man beim Einstieg in Unternehmen sozusagen danebengegriffen?
Man muss mit der Berichtigungsquote von vier Prozent des Anlagenvermögens rechnen, das haben wir auch schon im Jahresabschluss publiziert. Aber die Renditen waren natürlich deutlich höher. Vier Prozent ist ein sehr niedriger Wert. Wir haben 32 Jahre ausschließlich Gewinne erwirtschaftet.
Und wertberichtigen kann der, der es sich leisten kann. Auch im Kreditgeschäft sind drei bis vier Prozent Wertberichtigung nicht ungewöhnlich. Kürzlich sind Sie mit Mark Mateschitz und Stefan Pierer bei Rosenbauer eingestiegen. Was war die große Herausforderung dabei?
Es gab etliche große internationale Interessenten. Aber wir waren uns sicher, dass wir da dabei sein wollen. Es gibt wenige Weltmarktführer rund um den Kirchturm. Das war für uns im positiven Sinn emotional.
Außerdem notiert Rosenbauer an der Börse. Da werden andere Pflichten wie Übernahmeangebote schlagend. Man will dabei keine Fehler machen. Das war Champions League.
Der Kapitalmarkt honoriert unsere Vorstandsentscheidung. Wir haben mit Robert Ottel einen absoluten Experten für die Position des Vorstandsvorsitzenden gewinnen können. Sie sind auch bei TTTech eingestiegen. Das Unternehmen ist nicht so bekannt, ein Hidden Champion.
Ich mag diesen Ausdruck nicht, aber in diesem Fall stimmt er. Keine Ariane-Rakete hebt ohne deren Technik ab, auch kein Airbus und keine Boeing. Bei Rosenbauer war es leicht, weil es einen Börsekurs gab. Wenn es keinen geregelten Markt, wird es schwieriger.
Zunächst geht es um ein Bauchgefühl. Wenn Sie einen gebrauchten VW Passat erwerben wollen, wissen Sie auch, dass 200.000 Kaufpreis übertrieben sind. Ich sage aber auch, dass es gute Verhandler am Kaufpreis nicht scheitern lassen. Wichtig ist beim Bewerten, dass man nicht zu weit auseinanderliegt.
Wir schauen uns sehr genau an, welche Pläne die Firma verfolgt und welchen Track-Record sie hat. Man sieht sich an, welchen Substanzwert die Firma hat, das liest man in der Regel aus der Bilanz. Man kann auch das Ergebnis vor Steuern als Maßstab heranziehen und mit sechs oder acht multiplizieren. Aber es gibt dafür keine fixen Regeln.
Als die Invest AG vor 32 Jahren unter dem damaligen Generaldirektor Ludwig Scharinger gegründet wurde, hieß es, die RLB hat bei Firmen ihre faulen Kredite in Eigenkapital umgewandelt und damit übertüncht, dass sie Kreditausfälle hat. Dieser Eindruck hat sich tatsächlich nie belegen lassen. Wir beteiligen uns vielmehr an vielen Unternehmen, die gar nicht Raiffeisen-. Kunden sind.
Die wurden zum Teil erst später Raiffeisen-Kunden. Heuschrecken steigen ein, schütten mehr aus, als das Unternehmen hergibt. Das ist nicht unser Auftrag. Und daher kommen auch Unternehmen auf uns zu, weil sie wissen: Die wollen mich nicht ruinieren.
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