Vor drei Monaten präsentierte die Gesundheitsstaatssekretärin den Bund-Länder-ÖGK-Plan für die Versorgung von ME/CFS, Long Covid und postaktutem Infektionssyndrom.
Vor drei Monaten präsentierte die Gesundheitsstaatssekretärin den Bund-Länder-ÖGK-Plan für die Versorgung von ME/CFS, Long Covid und postaktutem Infektionssyndrom. Spät, aber doch wurde Ende Juni ein Versorgungsplan für Menschen mit postakutem Infektionssyndrom , Long Covid oder ME/CFS beschlossen.
Doch Papier ist das eine, die Realität oft etwas ganz anderes, wie viele der Betroffenen nur zu gut wissen. Auf Bundesebene ist die Erstellung der klinischen S2k-Leitlinie inzwischen angelaufen. Beauftragt wurde das vom Gesundheitsressort finanzierte nationale Referenzzentrum für postakute Infektionssyndrome an der MedUni Wien. Die mit den zuständigen Fachgesellschaften gemeinsam erarbeitete Richtlinie soll die wissenschaftliche Basis für die Patientenversorgung liefern.
Wann die Richtlinie fertig sein wird, könne man seriös noch nicht sagen, heißt es aus dem Gesundheitsstaatssekretariat. Eine Art Leitlinie erstellt indes auch die Gesundheitskasse. Sie entwickelt derzeit ein „Basisdiagnostik-Tool“. Dieses, so heißt es, „soll eine strukturierte und zeitgerechte Abklärung ermöglichen und sicherstellen, dass notwendige diagnostische Schritte sowie – sofern angezeigt – die Einleitung potenziell geeigneter therapeutischer Maßnahmen in einem angemessenen Zeitrahmen erfolgen können.
“ Zudem würden im Austausch mit dem schon erwähnten Referenzzentrum Möglichkeiten zur ärztlichen Weiterbildung geschaffen. Was die Versorgung in den Ländern betrifft, so hat man sich im Juni auf drei Versorgungsoptionen geeinigt: Entweder man errichtet eigene spezialisierte Zentren – im Spital, in Ambulatorien oder auch außerhalb. Oder aber man setzt stattdessen auf ein Netzwerk von Haus- und Fachärzten, Therapeuten, in dem es jedoch eine klare Zuweisungslogik geben muss.
Die dritte Variante ist eine Kombination: eigene Ambulanzen für komplexe Fälle und ein interdisziplinäres Netzwerk für die wohnortnahe Betreuung. Da und dort haben sich die im Juni präsentierten Im Burgenland etwa starten noch im Oktober eigene ME/CFS-Ambulanz in der Klinik Oberwart und parallel dazu ein sechswöchiges, stationäres Therapieprogramm im Gesundheitsresort Bad Tatzmannsdorf. Auch in der Steiermark eröffnet noch heuer – spätestens im November oder Dezember - eine Ambulanz für die PAIS-Versorgung an der Universitätsklinik für Innere Medizin in Graz.
In Oberösterreich soll es 2027 soweit sein. Als Standort wurde der Welser Standort des Klinikums Wels-Grieskirchen fixiert. Finanziert wird die Ambulanz Hälfte-Hälfte von Land und Sozialversicherung.
Noch immer vage sind die Wiener Pläne für eine eigene Anlaufstelle, die Anfang 2027 starten und jährlich 5000 Behandlungen durchführen soll. Immerhin gibt es erste Standortdetails: der dritte Bezirk. Die Einrichtung soll nicht direkt angeschlossen an ein Spital sein. Noch vager bleibt Niederösterreich.
Es gibt nach wie vor keine Details zum angekündigten mehrstufige Versorgungskonzept. Derzeit würden die „finalen Abstimmungen“ laufen.
„Wir hoffen, dass wir bald in die Umsetzungsphase gehen können“, heißt es aus der Landesregierung. Ein Spezialfall ist Tirol: Tirol wurde ja im Juni von Bundesseite lobend erwähnt, unter anderem weil es eine „bereits eine integrierte Versorgungsstruktur mit Koordinationsstelle und telemedizinischen Angeboten“ gebe. Bei der „Presse“ meldete sich daraufhin eine Vertreterin einer regionalen Selbsthilfegruppe mit dem Hinweis, dass vieles so gar nicht stimme: Es gebe keinerlei telemedizinisches Angebot für PAIS-Patienten.
Zudem sei die Arztposition der Koordinationsstelle für PAIS am Landesinstitut für integrierte Versorgung unbesetzt. Eine Nachfrage beim Land Tirol zeigte: Sie hat Recht. Inzwischen gibt es aber zumindest eine Videosprechstunde im PAIS-Versorgungsnetzwerk. Sie wird über das LIV Tirol von Sozialarbeit und Case Management sowie von Ergo- und Physiotherapeuten genutzt und punktuell von Ärzten.
Ein Ausbau ist geplant. Die Stelle eines Allgemeinmediziners für die PAIS-Koordinationsstelle ist jedoch immer noch vakant. Laut Land Tirol handelt es sich dabei „jedoch nicht um eine allgemeine leitende medizinische Funktion des LIV, sondern um eine Position, die wichtige Aufgaben als medizinische Erstanlaufstelle im Versorgungsnetzwerk übernehmen soll.
“ Warum im Juni die Gesundheitsstaatssekretärin einen nicht der Realität entsprechenden Versorgungsstand für Tirol präsentierte, erklärt man von Landesseite damit, dass es sich „möglicherweise um einen Übertragungsfehler bei der Zusammenführung aller Informationen“ gehandelt hat.
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