Bei manchen kehren im Schlaf regelmäßig Erinnerungen an eigene Schulerlebnisse zurück. Nicht selten in Form von Albträumen.
Bei manchen kehren im Schlaf regelmäßig Erinnerungen an eigene Schulerlebnisse zurück. Nicht selten in Form von Albträumen. Es ist diese eine Maturafrage, über die man regelmäßig stolpert.
Die Prüfung oder die Schularbeit, die immer wieder danebengeht. Noch Jahre nach der eigenen Schulkarriere kehren derartige Anekdoten in Träumen zurück – und lassen einen verstört aufwachen. Versöhnlicher wirkt dagegen das überraschende Erscheinen der Schulhofromanze von einst in Schlafepisoden. Auch diese Treffen bleiben nur geträumte, surreale Erinnerungen, verschwinden nach dem Aufwachen oder verschwimmen zumindest zu unscharfen Bildern.
Aber warum tauchen derartige Episoden aus der eigenen Vergangenheit immer wieder auf, während man schläft? Eine streng wissenschaftliche Erklärung für Schulträume gibt es noch nicht, sagt Brigitte Holzinger, Leiterin des privaten Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung. Die Wienerin hat in ihrer Heimatstadt und der Stanford University Psychologie studiert, an der Uni Wien promoviert und habilitiert. Holzinger befasst sich mit den Auswirkungen der Psyche auf den Schlaf und die damit eng verbundene Traumwelt.
Durch ihre Forschungsprojekte verdeutlicht sie Zusammenhänge und deckt neue Therapiemöglichkeiten auf. Ihre Analyse von Schultraumerlebnissen erfolgt über die Bande: Sie interpretiert die Träume nicht, sondern versucht über gezieltes Nachfragen ihren Klienten dabei zu helfen, eine Beziehung zum aktuellen Lebensumfeld herzustellen. Dabei geht es um Körperempfindungen, Gefühle und Assoziationen – „beispielsweise als Initiation ins Erwachsenenalter oder wie es einem damals gelungen ist, eine schwierige Aufgabe zu lösen beziehungsweise mit Stress und Druck umzugehen“.
In weiterer Folge werden Brücken in die Gegenwart konstruiert: „Vielleicht steht ein solches Ereignis gerade wieder an?
“Ob die Schlafqualität durch diese Art von Träumen verändert wird, müsste mit einer Schlaflabormessung erhoben werden, so die Expertin: „Wenn man danach weiterschlafen kann und man sich am nächsten Morgen ausgeruht fühlt“, geht sie von keiner bzw. nur einer leichten Beeinträchtigung der Schlafqualität aus. „Dabei kommt es aber darauf an, ob dieser Traum wirklich als Albtraum erlebt wird und wie häufig dieser vorkommt“, sagt Holzinger.
Sie gilt als ausgewiesene Expertin für Albträume und luzide Träume – also jener Form, bei der sich der Träumende während des Schlafes bewusst ist, dass er träumt und den Traum in vielen Fällen sogar aktiv steuern kann. Es lohne sich jedenfalls, sich im Rahmen einer Traumarbeit mit der eigenen Schullaufbahn auseinanderzusetzen.
„Das kann dazu führen, dass die Träume bzw. Albträume selbst oder zumindest die beim Träumen erlebte Belastung verschwinden“, so die Schlafexpertin, die sich wissenschaftlich künftig auch dem Thema „Träumen gegen Gedächtnisabbau“ widmen möchte und ab November an der Med-Uni Wien den Universitätslehrgang „Schlafcoaching“ anbietet. Dabei folgt man Friedrich Hebbels Leitsatz, wonach „Schlaf ein Hineinkriechen des Menschen in sich selbst ist“. Dort drinnen liegt vielleicht auch die Antwort auf die ewig ungelöste Differentialgleichung bei der Matura.
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