Waffen im All, Krieg in Europa, Inflation, Klimakrise, Vernichtung der Menschheit, eine unpopuläre Regierung in Österreich: Woher soll Zukunftsglaube kommen?
Waffen im All, Krieg in Europa, Inflation, Klimakrise, Vernichtung der Menschheit, eine unpopuläre Regierung in Österreich: Woher soll Zukunftsglaube kommen?
„Wenn man nur die Ereignisse und Ankündigungen der letzten Wochen hernimmt, lässt sich beim besten Willen kein Silberstreif ausmachen“, schreibt Anneliese Rohrer. Angeblich, so betont es zumindest Bundeskanzler Christian Stocker, möchte die ÖVP Österreich mit Zuversicht in eine bessere Zukunft führen. Nun, woher sollen die Menschen diese gegenwärtig nehmen?
Wenn man nur die Ereignisse und Ankündigungen der letzten Wochen hernimmt, lässt sich beim besten Willen kein Silberstreif ausmachen. Die KI könnte die Menschheit bereits in den nächsten Jahren auslöschen, wird da prognostiziert. Die USA haben Waffen im Weltraum stationiert, wird unter Vermeidung jeglicher Transparenz verkündet. Man weiß nicht welche und zu welchem Zweck.
Auch das fördert positive Erwartungen nicht. Abgesehen davon wird in ganz Europa eine Generation von Semi-Analphabeten am Werk sein, glauben die Verteidiger der Pisa-Studie. In ein paar Jahrzehnten wird es vorwiegend Bürger mit erkennbarer Demenz geben, sofern die Menschheit eben die Auslöschung durch die KI 2028/2029 doch überlebt hat.
Zurzeit, also in jener Phase, in der Politiker wie Stocker von Zuversicht faseln, häufen sich die Meldungen gegenwärtiger und künftiger Schrecken: In den USA regiert ein offensichtlich unberechenbarer, wenn nicht überhaupt verwirrter, Präsident. Er möchte einmal ein Land in die Steinzeit zurückbomben und eine Zivilisation zerstören , dann wieder Staaten wie Kanada, Grönland, Nicaragua per Besatzung oder mit einem wirtschaftspolitischen Knüppel in eine lichte Zukunft drängen. Allerorts wird aufgerüstet. Das Gerede und Geschreibe vom Dritten Weltkrieg will nicht verstummen.
Welche Ziele Russland mit dem Krieg in der Ukraine und in anderen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion wirklich verfolgt, lässt sich auch nicht genau vorhersehen – schon gar nicht mit Zuversicht. Das alles ist nur eine kleine konkrete Auswahl von Horrorszenarien.
Da ist nicht einmal noch von der Klimakrise, der Geldentwertung durch überschießende Inflation, vom momentanen Verlust starker Führungspersönlichkeiten in Europa die Rede und davon, dass sich in keiner Staatskanzlei eine politische Führung ausmachen lässt, die Zuversicht für die Bruchfestigkeit der EU und Entschlossenheit bei der Verteidigung der liberalen Demokratie ausstrahlt. Einschub zum Positiven: Vor 50 Jahren gab es in Europa auch wenig Grund für Zuversicht. Terror überzog den Kontinent, die Rivalität zwischen der Sowjetunion und den USA war keinesfalls abgeschwächt.
Raketen wurden in Deutschland stationiert. Und dennoch kam mit dem Fall der Berliner Mauer alles anders. Der Rückfall in die Zeiten der Konfrontation jetzt ist zum Teil der Migration geschuldet. Was wurde versäumt, was übersehen, dass ganz Europa in die Defensive geraten ist und fürchtet, der Islam könnte zum vorherrschenden Faktor werden?
»Stocker und Vertreter anderer Parteien meinen mit Zuversicht hauptsächlich das Vertrauen in die Wohltaten der eigenen Parteien.
« Und Österreich? Wenn Zuversicht ein festes Vertrauen auf eine positive Entwicklung in der Zukunft sowie auf die Erfüllung von Wünschen und Hoffnungen bedeutet, dann steht es auch hier nicht zum Besten. Stocker und Vertreter anderer Parteien meinen mit Zuversicht hauptsächlich das Vertrauen in die Wohltaten der eigenen Parteien. So nach dem heimlichen österreichischen Motivationssong von Helmut Qualtinger: „Der Papa wird’s schon richten, das g’hört zu seinen Pflichten …“ Nach wie vor könnte man Papa mit „Staat“ ersetzen.
Wirklich zuversichtlich sind aber nur die, welche auf eine positive allgemeine Entwicklung hoffen, um selbst ihre künftigen Probleme lösen zu können. Dieses Land hat sich mit einem positiven Zukunftsglauben und dem Vertrauen in die eigene Stärke immer schon schwergetan. Da kann Stocker noch so oft Zuversicht und Zukunft sagen. Aber er und andere in der Politik sollten es zumindest probieren.
Auf Verzweiflung ist ohnehin die FPÖ abonniert. Der Rest kann es ja mit dem britischen Ökonomen John Maynard Keynes halten: „In the long run we are all dead.
“ Aber bis dahin verspricht Zuversicht bei allen Widrigkeiten eine lebenswerte Zukunft – wenn wir der Vernichtung durch die KI in zwei Jahren entkommen sein werden.
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