Immer mehr Rennrad-Fans arbeiten ab Herbst auf „smarten“ Rollentrainern hart an „Sommerbeinen“. Aber einfach nur strampeln war gestern: Längst buhlt eine Vielzahl unterschiedlich „gamifizierter“...
Immer mehr Rennrad-Fans arbeiten ab Herbst auf „smarten“ Rollentrainern hart an „Sommerbeinen“. Aber einfach nur strampeln war gestern: Längst buhlt eine Vielzahl unterschiedlich „gamifizierter“ Trainingswelten um die Gunst der Biker.
Vermutlich gibt es auch heute noch Menschen, die sich – sobald es draußen zu nass, kalt oder dunkel ist – aufs Zimmerfahrrad setzen und stundenlang strampeln. Einfach so, höchstens mit einem TV-Gerät gegen den Ennui. Darum ist Frank Jeniche vorsichtig: „Wenn ich sage, dass keiner mehr so fährt, ruft sicher jemand: Doch, ich!
“ Aber, ergänzt der Deutschland-Sprecher des Radrollentrainer-Herstellers Wahoo, „das ist heute ein Minderheitenprogramm. “ Auch wenn Jeniche keine Zahlen nennt: Der typische „Heimtrainer“ ist am Aussterben. Spätestens seit Corona wechselt, wer im Sommer draußen radelt, im Winter „auf die Rolle“.
Damit ist nur noch selten der „klassische“ Rahmen mit kleinen Walzen gemeint, auf denen man tretend balanciert: „Rollentrainer“ schnallt man anstelle des Hinterrades unter das Rad – und fährt dann – wie in einem Computer-Spiel – „smarte“ Programme oder durch virtuelle Welten.
„Kickr“, der Smart-Trainer-Zweig von „Wahoo“, liefert sich auf dem Rollen-Markt ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem 2019 von Garmin gekauften Label „Tacx“: Je 700.000 Rollentrainer dürften beide Marken im DACH-Raum schon verkauft haben. Weit abgeschlagen, mit angeblich 100.000 Einheiten, wäre noch „Elite“ zu nennen. Ketten wie Decathlon bieten eigene Geräte an, rollen aber unter dem Radar. Relevanter ist ein anderes Match: Weil einfach nur strampeln sehr rasch sehr fad wird, rollt „praktisch jeder“ heute auf Online-Bike-Plattformen.
Die Frage, auf welcher, will da wohlüberlegt sein. Der zwischen 600 und 1500€ teuren Hardware ist‘s nämlich egal: Jede Rolle kann mit jeder „Welt“. Doch ob man auf „Zwift“ oder „Training Peaks Virtual“ mit tausenden Avataren durch animierte Welten fährt oder bei „Rouvy“ und „Kinomap“ auf real abgefilmten Strecken – vom Mont Ventoux bis zu Ironman-Routen – leidet, ist keine einfache Entscheidung.
Schließlich könnte man ja auch bei „Trainerroad“ oder „IC Trainer“ nur auf Zahlen schauen – und sich dennoch mit „Buddies“ matchen. Freilich ohne Landschaft, Chat, Wunsch-Outfit oder „Rides“ mit bekannten Radprofis. Wer es ganz basic will, kann theoretisch auch selbst oder von Freunden gefahrene Strecken aus dem Radcomputer in den Smarttrainer spielen. Das Grundprinzip ist immer gleich: Bergauf oder bei Intervallen wird der Widerstand der „Rolle“ erhöht.
Beim „Zwiften“ passt eben auch das Bild. Mitunter rumpelt es auf Holzbrücken. Wer Kurven voll fährt, verlässt die Ideallinie – und im Windschatten spart man Kraft. Parallel mehrere Welten zu befahren, geht aber ins Geld: Zwift, der mit 1,2 Millionen Usern unangefochtene Platzhirsch des „gamifizierten“ Strampelns verlangt 19,99€ pro Monat – mit Jahresbindung, Rouvy – 2025 von Zwift gekauft – ebenso.
Rouvy hat Familien-Abos , Zwift nicht. Kinomap kostet nur 11,90€ pro Monat, ist aber weniger verspielt. Und „Trainingpeaks Virtual“ ist für User der hochspezialisierten Trainingssoftware „Trainingpeaks“ gratis. Ohne dieses für „Normalos“ überzüchtete Tool sind es monatlich 19,99 – aber es gibt weniger Strecken als Zwift.
IC Trainer? Jährlich 30€. Trainerroad? 19€ pro Monat – aber auch hier gilt das IC-Trainer-Motto „Just train – no game.
“Falls das nicht unübersichtlich genug ist: Mit „MyWhoosh“ kam 2022 eine an Zwift erinnernde, kostenlose Plattform hinzu. 2024 nahm MyWhoosh Zwift die vom internationalen Radsportverband UCI zertifizierten Online-Rennen ab und spielt jährlich eine Million Euro an Preisgeldern aus. Mitfahren kann jeder, aber an den „Socialride“-Charakter anderer Plattformen kommt MyWhoosh nicht heran.
Freilich: Egal wo man „überwintert“ gilt, was Kickr-Mann Frank Jeniche anmerkt: „Viele sind heute schon im April so stark wie früher im Hochsommer. Vom Kurvenfahren, Bremsen oder dem sicheren Verhalten in der Gruppe haben sie aber oft trotzdem keine Ahnung. “
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