Die maltesische Hauptstadt Victoria wurde von einer unabhängigen Expertenjury für den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2031 vorgeschlagen. Die formelle Ernennung soll noch 2026 erfolgen, nachdem im Dezember die zweite preistragende Stadt aus Spanien bekannt gegeben wurde. Mit ihren 7671 Einwohnern wäre Victoria nach Valletta die zweite maltesische Stadt mit diesem Titel. Zu ihren wichtigsten kulturellen Attraktionen gehören die Cittadella, mehrere Museen, historische Festungsanlagen, die St.-Georgs-Basilika und das historische Zentrum rund um den Pjazza Indipendenza.
Victoria ist vieles – nur keine europäische Großstadt. Die Hauptstadt der Mittelmeerinsel Gozo zählt gerade einmal 7671 Einwohner. Trotzdem soll sie 2031 eine der kulturellen Bühnen Europas werden.
Eine unabhängige Expertenjury hat Victoria für den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2031“ vorgeschlagen. Die Europäische Kommission veröffentlichte die Nominierung am 23. September 2026. Die formelle Ernennung soll noch in diesem Jahr erfolgen.
Victoria wird sich den Titel mit einer spanischen Kommune teilen, die im Dezember bekannt gegeben werden soll. Für Malta wäre es nach Valletta im Jahr 2018 erst das zweite Mal, dass eine Stadt des Landes Europäische Kulturhauptstadt wird. Festung über den Dächern Auf Maltesisch heißt Victoria eigentlich Ir-Rabat. Ihren heutigen Namen erhielt die Stadt 1887 anlässlich des goldenen Thronjubiläums von Königin Victoria.
Über der Stadt thront ihr Wahrzeichen: die Cittadella. Die mächtige Festungsanlage wurde über Jahrtausende erweitert und verändert. Heute befinden sich innerhalb der Mauern unter anderem die Kathedrale, mehrere Museen, ein ehemaliges Gefängnis, Getreidesilos und ein alter Weltkriegsbunker, wie „Reisereporter“ zunächst berichtet. Was heute Besucher anzieht, war einst überlebenswichtig.
Nach Angriffen auf Gozo diente die Cittadella der Bevölkerung als Zufluchtsort. Bis 1637 mussten die Inselbewohner sogar die Nächte innerhalb der Festungsmauern verbringen. Heute bietet sich von den Bastionen ein weiter Blick über Gozos Dörfer und Felder bis zum Mittelmeer. Unterhalb der Festung beginnt das historische Zentrum Victorias.
Rund um den Pjazza Indipendenza – von den Einheimischen It-Tokk genannt – liegen Cafés und Geschäfte. Wenige Schritte entfernt führen schmale Gassen durch die Altstadt rund um die St.-Georgs-Basilika. Die reich ausgestattete Kirche stammt in ihrer heutigen Form aus dem 17. Jahrhundert und ist für Marmor, Gemälde und vergoldete Elemente bekannt.
Bemerkenswert für eine Stadt dieser Größe: An der Republic Street befinden sich mit Astra und Aurora gleich zwei Opernhäuser. Religiöse Feste, traditionelle Band Clubs, Märkte und Veranstaltungen machen Victoria zum kulturellen Zentrum Gozos. Auch außerhalb Victorias liegen einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel nur wenige Kilometer entfernt. Bei Xagħra stehen die rund 5600 Jahre alten Ġgantija-Tempel.
Die Megalithanlagen gehören zum UNESCO-Welterbe und zählen zu den bedeutendsten Zeugnissen der prähistorischen Kultur Maltas. An der Küste wiederum prägen Buchten und Felslandschaften das Bild. Die Ramla Bay ist für ihren rötlich-goldenen Sand bekannt. Rund um Dwejra liegen das Blue Hole und das Inland Sea.
Der berühmte Felsbogen Azure Window stürzte bereits 2017 ins Meer. Bei Qbajjar lässt sich zudem eine jahrhundertealte Tradition beobachten: In historischen Salzpfannen wird bis heute Meerwasser verdunstet und Salz gewonnen. Genau diese Verbindung zwischen Insel, Meer und Bevölkerung soll auch 2031 eine zentrale Rolle spielen. Victorias Bewerbung steht unter dem Motto „An Island of Islands“.
Im Mittelpunkt stehen die Themen Küste, Salz und Wellen. Das Programm soll sich zugleich damit beschäftigen, was das Leben in einer kleinen Inselgemeinschaft ausmacht – von starken lokalen Traditionen bis zu den Perspektiven junger Menschen. Geplant sind Projekte, die Kunst, Wissenschaft und die Bevölkerung zusammenbringen. Beim „Atlas of Liquid Memory“ soll etwa das Meer als ökologischer und kultureller Raum thematisiert werden.
„Ġenerazzjoni 31“ wiederum soll traditionelles Kulturerbe mit neuen Technologien verbinden. Der Anspruch reicht dabei über das Kulturhauptstadtjahr hinaus: Die Projekte sollen langfristige Verbindungen zwischen Gozo und dem übrigen Europa schaffen. Gozo liegt nordwestlich der Hauptinsel Malta. Die reguläre Fähre fährt von Ċirkewwa nach Mġarr und benötigt laut Betreiber Gozo Channel rund 25 Minuten.
Sie transportiert sowohl Fußgänger als auch Fahrzeuge. Victoria selbst liegt nahezu im Zentrum Gozos. Von dort sind sowohl die historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt als auch Strände, Dörfer und Küstenabschnitte der kleinen Mittelmeerinsel gut erreichbar. 2031 dürfte es dort allerdings deutlich weniger ruhig werden: Dann blickt Europas Kulturszene auf eine Inselhauptstadt, die kleiner ist als so manche Vorarlberger Gemeinde.
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