Laut Reuters Institute Digital News Report 2026 bleibt das Vertrauen in Nachrichten in Österreich stabil. ORF, Standard und Presse verzeichnen Zuwächse, während Boulevardmedien weniger Vertrauen genießen. Social Media gewinnt besonders bei Jüngeren an Bedeutung als Nachrichtenquelle.
Das Vertrauen in Nachrichten ist in Österreich gegenüber dem Vorjahr stabil. Laut dem am Dienstag veröffentlichten „Reuters Institute Digital News Report “ 2026 trauen 39,3 Prozent der Erwachsenen ihnen meistens.
Die ORF-Nachrichten werden von 65,9 Prozent als vertrauenswürdig eingestuft – ein Anstieg um 2,7 Prozentpunkte gegenüber 2025. Auch „Der Standard“ und „Die Presse“ verzeichnen ein Plus. Weiter geht auch der Aufstieg von Social Media als Hauptnachrichtenquelle, vor allem bei Jüngeren. Im internationalen Schnitt trauen 37 Prozent den Nachrichten, ein Tiefstand seit 2015.
Mit rund vier von zehn Befragten aus Österreich, die Nachrichten im Allgemeinen vertrauen, liegt zwar ein Rückgang gegenüber 2021 vor, als der Wert noch bei 46 Prozent lag, allerdings auch eine Besserung gegenüber 2024, als mit 35 Prozent ein Tiefpunkt erreicht wurde. 2025 war der Wert geringfügig höher als heuer. Die Ergebnisse deuten laut dem Bericht darauf hin, dass das durch die Pandemie und die darauffolgenden gesellschaftlichen Spannungen belastete Vertrauensverhältnis zwischen Bevölkerung und Medien stabilisiert wurde.
Besonders Personen, die sich politisch als „Mitte-links“ einstufen, haben überdurchschnittlich großes Vertrauen in Nachrichten , gefolgt von „ausgeprägt links“ . Am unteren Ende des Nachrichtenvertrauens sind Menschen, die sich als „ausgeprägt rechts“ einstufen, angesiedelt . Hinter ORF, „Standard“ und „Presse“ rangieren Regional- und Lokalzeitungen, denen 60,6 Prozent der Befragten ihr Vertrauen aussprechen.
Deutlich weniger stufen dagegen die Boulevardmedien „Heute“ , „oe24“ und „Kronen Zeitung“ sowie die Nachrichten bei ATV als vertrauenswürdig ein. Bei den Onlinenachrichtenmarken liegt bei der Frage nach der Häufigkeit der Nutzung ORF.at klar vor den Onlineausgaben von „Krone“ und „Standard“. Praktische alle Angebote konnten gegenüber dem Vorjahr Zuwächse verzeichnen.
ORF.at liegt sowohl bei Männern und Frauen als auch in fast allen Altersgruppen in dieser Auswertung an der Spitze, lediglich bei den 35- bis 44-Jährigen liegt Krone.at hauchdünn vor ORF.at. Bei der politischen Selbstverortung der Befragten liegt ORF.at bei „links“ und „Mitte“ klar voran, bei „rechts“ liegt wiederum die Onlinausgabe der „Krone“ knapp vor ORF.at. Klassische Fernsehnachrichten werden nach wie vor am häufigsten als Hauptnachrichtenquelle angeführt.
Soziale Netzwerke holen allerdings auf und legten gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozentpunkte zu. Bei den 18- bis 24-Jährigen ist Social Media bei fast jedem zweiten Befragten die dominierende Quelle für News – ein starker Anstieg gegenüber 2025 . TV-Nachrichtenprogramme stehen in dieser Altersgruppe deutlich seltener an erster Stelle , Radionachrichten haben hier einen höheren Stellenwert .
Erstmals erhoben wurde eine Einschätzung zur gesellschaftlichen Wirkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. 37,6 Prozent der Befragten meinen, dass Nachrichten von öffentlich-rechtlichen Anbietern – wie hierzulande dem ORF – einen sehr oder eher positiven Effekt auf das Leben im Land haben, und damit deutlich mehr als jene Gruppe, die von einem eher oder sehr negativen Effekt spricht . Knapp über ein Drittel ist neutral eingestellt. Damit liegen die Werte für Österreich sehr nah am globalen Schnitt.
Ein deutliches Minus verzeichnet die Zahlungsbereitschaft für Onlinenews. 16,1 Prozent der Befragten gaben an, im Vorjahr für Onlinenachrichten gezahlt zu haben, ein Rückgang von fast sechs Prozentpunkten. Allerdings liegt der Wert nach wie vor über jenem von 2024, als der „Digital News Report“ für Österreich 13,7 Prozent auswies.
Als Gründe für die Bezahlung von Onlinenachrichten werden am häufigsten die Unterstützung von Journalismus und der Zugriff auf hilfreiche Inhalte, die man anderweitig nicht erhalten würde , angeführt. Der Anteil der Bevölkerung, der KI-Chatbots als Hauptnachrichtenquelle nennt, liegt unter einem Prozent. Rund ein Viertel der unter 35-Jährigen bringt nachrichtlichen Inhalten aus KI-Chatbots Vertrauen entgegen. Gleichzeitig äußern 51 Prozent der 18- bis 34-Jährige Besorgnis darüber, zutreffende und unzutreffende Infos im Internet nicht voneinander unterscheiden zu können.
In der Gesamtbevölkerung sind es 46 Prozent. Jede fünfte Person hat hingegen keine Bedenken, Fakten von Falschmeldungen unterscheiden zu können. Als Gründe zur Nutzung von KI-Chatbots werden etwa die Möglichkeit, Nachfragen zu stellen, wenn man detailliertere Informationen oder Erläuterungen möchte , und die Übersetzung von Sprachen genannt. Als „erste Anlaufstelle, an die ich mich heutzutage bei den meisten Dingen wende“, führen 26,8 Prozent der KI-Chatbot-Nutzer diese Tools an.
Der „Digital News Report“ des Reuters Institute for the Study of Journalism sammelt seit 2012 Daten zum Wandel der Nutzung von analogen hin zu digitalen Nachrichten. Für den Österreich-Teil der Studie zeichnet der Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg verantwortlich. Die von Anfang Jänner bis Anfang Februar durchgeführte Befragung von rund 2.000 Personen alleine in Österreich ist repräsentativ für die online aktive Bevölkerung ab 18 Jahren. Nicht alle Bilder konnten vollständig geladen werden.
Bitte schließen Sie die Druckvorschau bis alle Bilder geladen wurden und versuchen Sie es noch einmal.
Nachrichtenvertrauen ORF Digital News Report Österreich Soziale Medien
Österreich Neuesten Nachrichten, Österreich Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
ORF-Führung: Auswirkungen auf das Vertrauen in die Bundesregierung?Die öffentliche Debatte um die Auswahl einer neuen ORF-Führung ruft Fragen nach der Unabhängigkeit des Rundfunks, dem Vertrauen in die Bundesregierung und potenziellen politischen Konsequenzen auf. Experten und Bürger diskutieren, ob die Wahl ein Normalfallspolitikum oder ein signalträchtiges Problem ist, und welche Folgen für die Regierungsszene und die öffentliche Wahrnehmung zu erwarten sind.
Weiterlesen »
EU-Fluggastverordnung ist fertig: Kritik aus ÖsterreichDie langen und komplexen Verhandlungen zur EU-Fluggastverordnung sind fertig. Aus Österreich hagelt es Kritik, man will dem Paket nicht zustimmen.
Weiterlesen »
Hitzewelle erreicht zur Wochenmitte ÖsterreichWIEN. In der kommenden Woche erreicht Österreich eine Hitzewelle. Ab Mittwoch werden 30 Grad erwartet.
Weiterlesen »
Gruß aus RosoliniSeuchenkolumne. Nachrichten aus der vervirten Welt 1905
Weiterlesen »
