Der Tod der Medien- und Performancekünstlerin Valie Export hat tiefe Betroffenheit in der Kulturwelt und der heimischen Politik ausgelöst. Sie galt als unvergessliche Bahnbrecherin der feministischen Kunstbewegung und veränderte die Stellung der Künstlerin durch ihre Medienkunst.
Der Tod der Medien- und Performancekünstlerin, Filmemacherin und feministische Theoretikerin Valie Export hat in der Kulturwelt und der heimischen Politik tiefe Betroffenheit ausgelöst. Sie sei eine „unvergessliche Bahnbrecherin“ der feministischen Kunstbewegung gewesen, so Albertina-Direktor Ralph Gleis, und habe als „Pionierin der Medienkunst “ die Stellung der Künstlerin stark verändert, sagte Belvedere-Direktorin Stella Rollig.
Sie sei sehr betroffen vom unerwarteten Tod Exports, einer langjährigen Wegbegleiterin, von der sie viel gelernt habe, so Rollig am Freitag gegenüber Ö1. Dazu zählten Mut, Klarheit und Kunst im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Verhältnissen zu sehen. Export habe sich vollinhaltlich mit ihrem Körper und Intellekt in vielen Medien eingebracht und so die Stellung von Künstlerinnen stark verändert. Bis zuletzt sei sie in Kontakt mit jungen Künstlerinnen gestanden, darunter bei der Ausarbeitung einer kommenden Ausstellung.
Nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Lehrende werde Export in Erinnerung bleiben, so Gleis in einer Aussendung. Sie habe sich an Diskursen und Medientheorien beteiligt und ihr Wissen an verschiedenen Kunsthochschulen und Universitäten weitergegeben. Mit ihrer beharrlichen Herausforderung gesellschaftlicher Normen habe sie erheblichen Einfluss insbesondere auf die feministische Kunstbewegung ausgeübt, ihr Werk sei ein wichtiger Beitrag zur Erforschung von Identität, Geschlecht und Macht in der Kunst.
Als „kritische Ausnahmekünstlerin“ würdigte sie die Kunstuniversität Linz, die ihr 2009 das Ehrendoktorat und 2022 die Ehrenmitgliedschaft verliehen hatte. Man trauere in „inniger Verbundenheit“, so Rektorin Brigitte Hütter in einer Aussendung, um den Menschen, die Künstlerin und das „hochgeschätzte Ehrenmitglied“. Valie Export habe wesentlich dazu beigetragen, „Österreich ein Stück weltoffener zu machen“. Aus der Politik kamen ebenfalls zahlreiche Würdigungen.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen teilte mit, Österreich verliere „eine unbeugsame Vordenkerin und eine Ikone der Freiheit“. Sie sei eine Künstlerin gewesen, „die sich selbst schuf“, schrieb das Staatsoberhaupt auf dem Kurznachrichtendienst Bluesky.
„Ihr Werk hat provoziert, bewegt, Generationen in Österreich begeistert“ und Künstlerinnen und Künstler „weltweit geprägt“, schrieb Kulturminister Andreas Babler auf Bluesky. Die österreichische Medien- und Performancekünstlerin Valie Export ist kurz vor ihrem 86. Geburtstag in Wien verstorben.
„Mit Valie Export verliert Oberösterreich eine außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit von internationalem Rang“, sagte der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer . Österreich verliere „eine radikale Pionierin der österreichischen Kunst und eine Künstlerin von internationaler Bedeutung“, so Wiens Bürgermeister Michael Ludwig . Ihr erstes Objekt war 1966 eine Zigarettenpackung mit ihrem Porträt und dem an die Zigarettenmarke „Smart Export“ angelehnten Künstlernamen. Der eigentlich in Versalien geschriebene Name sollte Rufzeichen und Statement sein.
Es folgten Aktionen wie das „Tapp- und Tastkino“ , bei dem sie ihre nackten Brüste betasten ließ, die im Schritt offene „Aktionshose Genitalpanik“ und „Aus der Mappe der Hundigkeit“, bei der sie Peter Weibel an einer Hundeleine durch die Wiener Innenstadt spazieren führte, Ikonen feministischer Kunst und Inspiration mehrerer Generationen von Künstlerinnen. In memoriam Valie Export ändert der ORF sein Programm.
Am Freitag bringt Ö1 ab 22.08 Uhr eine Wiederholung der Sendung „Im Gespräch“ von 2005, am Sonntag ab 14.05 Uhr die „Menschenbilder“-Ausgabe „Eine vielstimmige Frau – Valie Export“ von 1996. ORF2 zeigt am Sonntag um 23.05 Uhr das Filmporträt „Valie Export – Ikone und Rebellin“, um 23.50 Uhr folgt Valie Exports Film „Die Praxis der Liebe“. 1970 präsentierte sie in London ihre erste Videoarbeit „Split Reality“, in der dreiteiligen Fernseharbeit „Das Bewaffnete Auge“ setzte sie sich in den Dialog mit der Filmavantgarde, ihre Filme „Unsichtbare Gegner“, „Menschenfrauen“ und „Die Praxis der Liebe“ wurden bei den Filmfestspielen in Berlin gezeigt.
An ihren grundsätzlichen künstlerischen Anliegen – „Körper, Konzept, Medien“ – hat sich seither ebenso wenig geändert wie an ihrem Kampf für Emanzipation, die sich heute gegen einen gesellschaftlichen Backlash behaupten müsse, so die Künstlerin: „Es kommt wieder dazu, dass die Frauen kämpfen müssen. Das macht mich traurig und wütend, denn wir haben wirklich vieles gemacht.
“Geboren wurde die Künstlerin am 17. Mai 1940 in Linz, und wuchs in einem „Frauenhaushalt“ auf, wie sie selbst sagte.
„Meine Mutter war Kriegswitwe. Wir waren drei Schwestern, und unsere Mutter musste das Leben mit ihren drei Mädchen gestalten. Ihr Ziel war, dass jede ihrer Töchter studieren kann, um einen besseren Start zu haben und ihr eigenes Geld zu verdienen. Mit diesem Gedanken bin ich aufgewachsen und erzogen worden – und diesen Gedanken wollte ich weitergeben.
“Als die junge Frau, die nach der Klosterschule die Kunstgewerbeschule in Linz besuchte, mit 18 ein Kind bekam , heiratete sie. Schon bald brach sie mit ihrer bürgerlichen Existenz. 1960 zog sie nach Wien, studierte an der Höheren Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie Textildesign und fand Anschluss an die Künstlerkreise rund um die Wiener Gruppe, Art Club und „Strohkoffer“. Aufgrund ihres „Lebenswandels“ wurde ihr das Sorgerecht für ihre Tochter entzogen.
Im Umfeld des Wiener Aktionismus – sie war mit Weibel, Hermann Nitsch und Kurt Kren Mitglied des von Otto Muehl und Günter Brus gegründeten „Wiener Instituts für direkte Kunst“ –, dessen Frauenbild sie jedoch ablehnte, sorgte sie mit Körperaktionen und Expanded-Cinema-Arbeiten auch auf den Chronikseiten der Zeitungen für Schlagzeilen. Valie Export nahm an unzähligen internationalen Ausstellungen u. a. im Pariser Centre Pompidou, bei der documenta und im New Yorker Museum of Modern Art ebenso teil wie an internationalen Filmfestivals. 1980 war sie mit Maria Lassnig offizielle Vertreterin Österreichs auf der Biennale in Venedig, 2009 Kommissärin.1991 bis 1995 war sie Professorin für Gestalten mit technischen Bildmedien, 1994/95 auch Vizepräsidentin der Hochschule der Künste Berlin.
Von 1995 bis 2005 lehrte sie als Professorin für Multimedia-Performance in Köln. 1995 wurde ihr der EA-Generali-Skulpturenpreis zuerkannt, im Jahr 2000 wurde sie mit Oskar-Kokoschka-Preis sowie dem Alfred-Kubin-Preis ausgezeichnet. 2003 erhielt die Künstlerin das Goldene Ehrenzeichen Wiens, 2005 das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. 2014 wurde sie in New York mit dem von Yoko Ono gestifteten Courage Award for the Arts ausgezeichnet, der mutiges Kunstschaffen würdigt, das gesellschaftlichen und politischen Hürden trotzt. Die höchste Kunstauszeichnung Österreichs, den Großen Österreichische Staatspreis, „hat man mir bis jetzt verweigert“, sagte sie.
Ein „sehr lebendiges Center“ und eine Stiftung In der Linzer Tabakfabrik wurde 2017 das mit einem angekauften Teil des Vorlasses der Künstlerin bestückte „Valie Export Center, Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst“ eröffnet.
„Das wird sehr gut benützt und sehr gut aufgenommen. Wir haben auch Gastprofessuren und junge Künstlerinnen, die ihre Master- oder Diplomarbeiten schreiben“, sagte die Künstlerin.
„Es ist ein sehr lebendiges Center. “ Seit 2024 gibt es die Valie Export Stiftung, mit der das Werk der Künstlerin erhalten und erforscht werden soll. Nicht alle Bilder konnten vollständig geladen werden. Bitte schließen Sie die Druckvorschau bis alle Bilder geladen wurden und versuchen Sie es noch einmal.
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