Die Grazer Philharmoniker lockten mit Buchbinder, Strauss und einer Novität.
Die Presse auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle hinzufügen. Wenn der Musikverein Graz zum Saisonauftakt eine Uraufführung von Friedrich Cerha ansetzt, dann ist das jedenfalls eine Reise wert.
Sein „Vorspiel zu einer Komödie“ schrieb der 2023 verstorbene Komponist 2014 in Nachfolge seiner Arbeit an „Piccola commedia in cinque atti“, nun aber nicht für Virtuosen-Quintett, sondern volles Orchester. Dass das eine Premiere war, ist umso erstaunlicher, als sich Cerha hier von der absolut handzahmen Seite zeigt, oder „hemdsärmelig“, wie er es selber beschrieb. Das Vorspiel fällt mit dem Blech ins Haus, wandert munter durch die verschiedenen Instrumentengruppen und wird von vielen vorlauten, tutenden Bläsern begleitet.
Ein bisschen klingt es so, wie sich ein konservativer Hörer „moderne“ Musik vorstellen würde , die eigentlich doch erträglich ist. Zudem lässt Cerha die Musiker – besonders Vibrafon und Schlagwerk – genug Zirkus- und gewitzte Schmunzelarbeit verrichten und beendet das Werk so frech-abrupt, dass nach knappen zehn Minuten ein Lächeln auf die Lippen der bestenfalls minimal irritierten Zuhörer gezaubert ist.
Spielt Rudolf Buchbinder nicht Beethoven-Sonaten oder Mozart-Konzerte, dann setzen Kenner ihre Ersparnisse bei Polymarket auf das Grieg-Konzert – und gewannen auch diesmal. Buchbinder spielte gerade im ersten Satz sehr détaché, mit ganz leicht getupften Noten: eine typische Entsentimentalisierung. Uncharakteristisch hingegen waren die hörbaren Schwierigkeiten in so manchem schnelleren Lauf – oder die erschreckend hektisch wirkende Bach-Gigue der Zugabe. Das Orchester unter Anna Rakitina zog in allem brav mit.
Im zweiten Satz machten die Hörner auf sich aufmerksam und der dritte wurde schön stürmisch und schließlich auch etwas schwelgerisch musiziert. Und in Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“, seiner herausforderndsten Tondichtung, hielt Rakitina die Zügel straff in der Hand, umschiffte die Untiefen des „Grablieds“, schröpfte das Werk nie, spielte die Zusammenstöße und Dissonanzen nicht herunter. Dadurch entstand ein Zug, der ein paar wackelige Einsätze locker wettmachte – auch den zittrigen Schlussakkord.
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