Unsichtbare Akteure der Architektur: Wie ein k.k. Superministerium...

Österreich Nachrichten Nachrichten

Unsichtbare Akteure der Architektur: Wie ein k.k. Superministerium...
Österreich Neuesten Nachrichten, Österreich Schlagzeilen

Welche Rolle spielte das einstige Ministerium für öffentliche Arbeiten bei kleineren Bauprojekten? Darüber und über die unsichtbaren Akteure dort weiß man bisher wenig. Forschende machten in einer...

Welche Rolle spielte das einstige Ministerium für öffentliche Arbeiten bei kleineren Bauprojekten? Darüber und über die unsichtbaren Akteure dort weiß man bisher wenig. Forschende machten in einer ehemaligen Ministerwohnung eine überraschende Entdeckung.

In der Architekturforschung liegt der Fokus nach wie vor oft auf einzelnen Personen und Stilen, die in Verbindung mit diesen großen Namen stehen. Doch es gibt einen Faktor in der Architekturgeschichte, der weitgehend unbeachtet bleibt: die Rolle des Staates als Auftraggeber zahlreicher Gebäude und damit maßgeblicher Gestalter des öffentlichen Raumes. Diesem blinden Fleck widmet sich der Architekturhistoriker Richard Kurdiovsky von der-geförderten Projekt „Invisible Agents.

Ministerien und Architektur “ macht er sich auf die Spurensuche nach den Tätigkeiten des k.k. Ministeriums für öffentliche Arbeiten, das von 1908 bis zum Ende der Monarchie im Jahr 1918 bestand, und seinen Nachfolgeinstitutionen in Wien und Prag.

Während das Amt in Wien aufgelöst und die Agenden in der heimischen Republik im Ministerium für Handel und Verkehr angesiedelt wurden, übernahm die junge Tschechoslowakische Republik Name, Aufgabenbereiche und zum Teil sogar das Personal und die Formulare im Rahmen des neugegründeten Ministerstvo veřejných prací. Heute würde man beim Ministerium für öffentliche Arbeiten wohl von einem Superministerium sprechen: Die Behörde vereinte unter ihrem ersten Minister Albert Geßmann fast alle staatlichen Infrastrukturprojekte.

Zuvor hatten viele Ministerien eigene Bauabteilungen, doch nun waren Hochbau, Straßen-, Wasser- und Brückenbau unter einem Dach vereint. Dazu war das Haus für das Prüf- und Eichwesen ebenso zuständig wie für Patente und Markenschutz, Fremdenverkehr, Wasserkraft, Bergbau und Automobilismus. Ein großer Bereich wurde der neuen Behörde jedoch nicht einverleibt: Das mächtige Eisenbahnministerium behielt seine eigene Bauabteilung.

Doch über die Tätigkeiten und deren Umfang ist wenig bekannt – bisher ignorierte die Forschung die vielen kleinen öffentlichen Bauprojekte im Schatten einiger weniger Prestigebauten. Gemeinsam mit Vendula Hnídková von der tschechischen Akademie der Wissenschaften erforscht Kurdiovsky Praktiken und Projekte des Ministeriums und seiner Nachfolger. Anhand von Lebensläufen der dort tätigen Persönlichkeiten werden Kontinuitäten und Brüche herausgearbeitet. Im nunmehr letzten Forschungsjahr des Projektes wird 2027 eine Publikation in die Begutachtung geschickt.

Das Ministerium für öffentliche Arbeiten hatte seinen Sitz in der Liechtensteinstraße, in einem Gebäude, das ursprünglich als Wohnhaus errichtet, nach der Auflösung des Ministeriums wieder zu einem solchen rückgebaut wurde. Bei einem Besuch des Hauses machten Kurdiovsky und sein Team eine spannende Entdeckung: In einem Wandschrank in der ehemaligen Ministerwohnung befand sich nach mehr als hundert Jahren noch ein detailliertes Organigramm der Behörde.

Die Namen der Mitarbeiter waren dabei je nach Nationalität gekennzeichnet – ein Beleg für die Auflösung der Strukturen nach dem Zerfall des Habsburgerreiches. Kurdiovsky hat sein Forschungsthema quasi direkt am Arbeitsplatz: Die ÖAW hat Büros im ehemaligen Gebäude der österreichischen Postsparkasse. Bei dem Otto-Wagner-Bau handelt es sich um das prominenteste Gebäude, das unter der Ägide des Ministeriums gebaut wurde. Im konservativen Wien war das Haus ein veritabler Skandal: als „hässliche Maschine mitten im Zentrum“ sei es geschmäht worden, so Kurdiovsky.

Dennoch zeigt dies, dass eines der mächtigsten Ministerien des Kaiserreichs nicht davor zurückscheute, radikalste Architekturprojekte umsetzen zu lassen. Aber nicht nur bei dem Auftrag an den Stararchitekten: Bei der Errichtung des Handelsgerichts in der Riemergasse nahmen die beim Ministerium angestellten Architekten Alfred Keller und Moritz Kramsall Anleihe bei den Ornamenten von Otto Wagners Postsparkasse. Stilistisch waren die Beamten wandelbar: Für das Bezirksgericht Margareten wählten sie etwa einen Entwurf der zentraleuropäischen Renaissance.

Beim Bau von Volkswohnungen – mit eigens eingerichteten Fonds – zeigte sich laut Kurdiovsky, dass die Beamten hoch reformorientiert agierten: „Sie haben in einer Gesellschaft, die sich nicht kümmerte, die sozialen Probleme erkannt“. Dies sei faszinierend und überraschend, „fast sozialdemokratisch“.

Wir haben diese Nachrichten zusammengefasst, damit Sie sie schnell lesen können. Wenn Sie sich für die Nachrichten interessieren, können Sie den vollständigen Text hier lesen. Weiterlesen:

DiePressecom /  🏆 5. in AT

 

Österreich Neuesten Nachrichten, Österreich Schlagzeilen

Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.

Koch, Putzmann, Masseur: Diddy lebt wie ein König!Koch, Putzmann, Masseur: Diddy lebt wie ein König!Sean „Diddy“ Combs soll hinter Gittern ein Leben führen, von dem andere Häftlinge nur träumen können. Mit eigenem Koch, Putzdienst, chinesischen ...
Weiterlesen »

Laimer ist fast so viel wert wie die irische LigaLaimer ist fast so viel wert wie die irische LigaNach neun Jahren kehrt Konrad Laimer mit dem österreichischen Nationalteam nach Dublin zurück. Seinen Marktwert konnte der mittlerweile 29-Jährige in ...
Weiterlesen »

'Er hat Steyregg geprägt wie kein anderer': Josef Buchner im Alter von 84 Jahren verstorben'Er hat Steyregg geprägt wie kein anderer': Josef Buchner im Alter von 84 Jahren verstorben1942 wurde Josef Buchner in Hagenberg geboren. Von 1997 bis 2012 war er Bürgermeister von Steyregg. Am 30. September ist er verstorben.
Weiterlesen »

Neue Spritpreisbremse: Wie die Regierung die Tankstellenpreise senkt und die Verbraucher freigibtNeue Spritpreisbremse: Wie die Regierung die Tankstellenpreise senkt und die Verbraucher freigibtDie Bundesregierung hat eine zweimonatige Spritpreisbremse zur Entlastung der Autofahrer eingeführt. Die Preisreduktion schlägt über Steuerersparnisse und Margenbegrenzungen. Experten analysieren, wie sich die neue Regelung auf die Inflation und die Tankstellenbranche auswirkt.
Weiterlesen »