Tennessee-Druck schreibt den Wiederaufleb der Todesverurteilten Christa Pike - ein zweites Gift hat sie nicht tötet - und die Forderung einer unabhängigen Untersuchung nach Fehlfunktion der Vollstreckung.
Eine geplante Hinrichtung in Tennessee, an der die 50-jährige Christa Pike beteiligt war, nahm eine unerwartete Wendung, die die Staatsjustiz ihre Schuld treibt. Zu Beginn der Vollstreckung wurden ihr zwei Giftspritzen verabreicht - genau zwei Spritzen, die laut Gerichtsdokumenten von den Vollstreckern injiziert worden sollten.
Um 20.26 Uhr riefen Zeugen und die Behörden an, dass Pike noch am Leben sei und schnarchte. Eine Augenzeugin, die während der fehlerhaften Hinrichtung anwesend war, bestätigte später, dass sie die beiden Spritzen durchmachen ließ und am Ende noch atmete. Sie erwähnte ein plötzlich auftretendes Brennen, das nicht zu sein schien, und fragte, ob das normal sei, zu dem die Verantwortlichen "nichts" bestätigten.
Richter ordnet medizinische Notfallversorgung an
Ein Richter, Kyle Hixson, meldete eine Telefonkonferenz mit den Anwälten der Beteiligten, bei der der Staat erklärte, dass Pike nicht erloschen sei. Aufgrund dieser Meldung wurde sofort eine medizinische Notfallversorgung befohlen, und Pike wurde in ein Krankenhaus transportiert. Ihre Anwälte bestätigten, dass sie dort behandelt werde, obwohl zunächst keine Details über ihren Zustand veröffentlicht wurden. Kurz darauf kündigte der republikanische Gouverneur Tennessees, Bill Lee, eine umfassende Untersuchung durch eine unabhängige Stelle an, um die Vorgänge zu klären.
Vor der geplanten Hinrichtung gab es längere rechtliche Auseinandersetzungen. Ein Bundesgericht hatte die Vollstreckung zunächst vorübergehend ausgesetzt. Pike hatte Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens vorgebracht, die überprüft werden sollten. Tennessee wandte sich daraufhin an das US-Höchstgericht.
Am Mittwochabend sagte der Supreme Court, er habe dem Eilantrag des Bundesstaates stattgegeben und damit die Hinrichtung freigegeben. Die drei liberalen Richterinnen kritisierten die Mehrheitsentscheidung: Sonia Sotomayor, Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson hatten abweichende Meinungen verfasst und argumentiert, dass die Zweifel am Verfahren noch nicht ausreichend geprüft seien, bevor Pike hingerichtet werden sollte. Pike war 1996 wegen des Mordes an ihrer damals 19-jährigen Klassenkameradin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Im Tatzeitpunkt war Pike erst 18 Jahre alt.
Supreme Court erlaubt Hinrichtung trotz Kritik
Die Tat fand in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville statt, wo Slemmer gefoltert und getötet wurde. Auf der Brust der 19‑jährigen wurde ein Pentagramm, ein seltener satanischer Aufdruck, gefunden. Tennessee begründete die Verurteilung mit Pikes Versuch, die Uhrzeit der Vollstreckung bewusst zu verzögern, und führte sogar an, dass die Ernsthaftigkeit des Mordes sowie die als Kind erlittenen Traumata die Todesstrafe nicht ausschließen würden.
Der Bundesstaat hatte die Chancen für eine Aufhebung ihrer Verurteilung als gering eingeschätzt. Das Berufungsgericht hatte erstmals lediglich einen kurzen Aufschub vorgesehen, um die Anklagepunkte, insbesondere die angeblichen Kindheitstraumata, prüfen zu können. Pike argumentierte, dass Tennessee ihre Schilderungen von Missbrauch zunächst als erfunden dargestellt habe, die Misshandlungen erst später anerkannt habe. Dies könne die Grundlage für das spätere Gerichtsverfahren und damit auch ihr Strafmaß in Frage stellen.
Dennoch blieben sowohl das Gnadengesuch beim Gouverneur als auch der Antrag beim obersten Gericht Tennessees erfolglos. Pike ist die einzige der drei ursprünglich an der Tat beteiligten Personen, die zum Tode verurteilt wurde. Ihr damaliger Freund erhielt eine lebenslange Haftstrafe und eine weitere 18-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Vielfältige Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International, forderten eine Verschiebung der Hinrichtung.
Menschenrechtsorganisationen fordern Verschiebung der Exekution
Sie verweisen auf das ausgedehnte Phänomen von Vergewaltigungen, sexuellen Gewalt, körperlicher Misshandlung und Vernachlässigung, die Pike in ihrer Kindheit erlitten habe. Auch Fachleute der Vereinten Nationen namentlich forderten einen Halt der Vollstreckung. Sie betonen, dass Pikes Hinrichtung das Ergebnis einer langen Abfolge von körperlichen und psychischen Leiden sei, die von Misshandlungen in der Kindheit bis fast drei Jahrzehnten Isolation im Todestrakt reichten.
Pike selbst äußerte ihre Haltung: "Ich finde nicht, dass jemand mich töten sollte, um mir beizubringen, dass es falsch ist, jemanden zu töten. "
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