Geboren am 6. Jänner 1973 in Klagenfurt. Abgeschlossenes Studium der Medizin in Wien. Mitarbeiter der „Kleinen Zeitung“ in Klagenfurt ab 1991. Ab 2001 Journalist in der Wiener Redaktion der „Kleinen Zeitung“. Danach Innenpolitik-Redakteur beim Nachrichtenmagazin „profil“. Seit 2005 Innenpolitik-Redakteur bei der „Presse“.
Der Jurist Lukas Gahleitner-Gertz, Sprecher der Asylkoordination, steht auf der anderen Seite des Grabens in der Migrationspolitik. Er schaut aber auch hin und wieder hinüber.
Er ist – auf den ersten Blick – der Schrecken staatlicher Asylpolitik. Immer wenn von Regierungsseite ein Vorschlag daher kommt – und diese sind seit Jahren ausschließlich restriktiver Natur – ist Lukas Gahleitner-Gertz einmal grundsätzlich dagegen, er kritisiert, kampagnisiert, bringt Beschwerden und Klagen ein. Als Sprecher der NGO Asylkoordination ist er auch medial omnipräsent. Er ist gewissermaßen der Wortführer einer Asylpolitik, die die einen liberal, die anderen weltfremd nennen würden.
Spricht man mit Leuten aus dem Innenministerium, bekommt man allerdings ein durchaus differenziertes, zwischen den Zeilen sogar freundliches Bild. Man sei mit Lukas Gahleitner-Gertz immer wieder einmal im Austausch, trotz unterschiedlicher Ansichten gebe es eine gute Gesprächsbasis. Hart in der Sache, respektvoll im Ton. Lukas Gahleitner-Gertz kann das an sich gute Klima bestätigen.
„Ich habe auch dazu gelernt“, sagt er. Diskursfähigkeit sei essenziell in einer Demokratie. Er habe den Austausch mit dem Innenministerium durchaus schätzen gelernt.
„Das heißt nicht, dass ich mit allem einverstanden bin, was der Innenminister sagt. Ich übe sachliche Kritik. Aber ich bin nie unfair.
“ Auch im Gespräch mit der „Presse“ lässt sich Gahleitner-Gertz am ehesten so beschreiben: umgänglich, aber bestimmt. Zuletzt hat die Asylkoordination Beschwerde bei der EU-Kommission wegen der geplanten Quote in Österreich beim Familiennachzug eingebracht. Sieht man die Probleme nicht, die der Familiennachzug Schulen eingebracht hat, in denen regulärer Unterricht kaum noch möglich ist?
„Wir sehen die Probleme sehr wohl, wir haben auch frühzeitig darauf aufmerksam gemacht“, antwortet Gahleitner-Gertz. „Die Behörden haben auch immer Bescheid gewusst, wie viele kommen. “ Im Jahr 2022 hätte es mehr Asylanträge in Österreich gegeben als 2015. Leider sei die Regierung dann mit dem „Vorschlaghammer“ dahergekommen, hätte eine gesamtstaatliche Notlage konstruiert, die es so nie gegeben habe.
Man hätte zuvor besser steuern, mehr verteilen können. Apropos Verteilung: Österreich habe in zehn Jahren so viele Schutztitel vergeben wie 17 europäische Staaten zusammen.
„Das zeigt die Dysfunktionalität des europäischen Systems“. Und nein, auch er wolle nicht alle Menschen in Österreich und der EU aufnehmen. Aber es gebe nun einmal die Regeln des Asylsystems und diese seien rechtsstaatlich und menschenrechtskonform einzuhalten. Dass viele illegale Migranten – den Begriff illegal lehnt Gahleitner-Gertz erwartungsgemäß ab – die Asylschiene ausgenützt hätten, um nach Österreich zu kommen, relativiert er.
So viele seien es gar nicht, rechnet er vor. Und wer keinen Aufenthaltstitel habe, sei ausreisepflichtig. Abschiebungen nach Syrien seien im Einzelfall zu prüfen. Im Falle von Afghanistan bekrittelt er, dass dafür mit einem islamistischen Regime verhandelt wurde.
Aber importieren wir nicht auch Islamismus? Gahleitner-Gertz gesteht zu, dass es auch in der Asylbetreuung mitunter Probleme mit islamistischen, patriarchalischen Tendenzen gebe. Aber diesen versuche man mit den progressiven Kräften in den Communitys entgegenzuwirken. Lukas Gahleitner-Gertz im Interview mit „Presse“-Innenpolitik-Chef Oliver Pink: „Die Probleme in den Schulen negieren wir nicht.
Wir haben sogar frühzeitig darauf aufmerksam gemacht.
“Und was ist Gahleitner-Gertz‘ Antrieb? „Schon im Studium hat die Menschenrechtskonvention eine große Faszination auf mich ausgeübt. “ Seine Karriere begonnen hat der Jurist in der Kanzlei der auf Medienrecht spezialisierten Anwältintätig, dann in der Asylberatung. Seit 2019 ist er bei der Asylkoordination.
Diese macht keine eigene Einzelfallberatung, sondern ist eine Art Plattform zur Vernetzung der verschiedenen Organisationen und Initiativen im Asylbereich. Eine Lobbying-Organisation, Schnittstelle zu Politik und Medien. Finanziert von den Kooperationspartnern, aus Spenden und über eigene Projekte, für die sie eine Leistungsabgeltung aus dem Europäischen Migrationsfonds erhält.
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