Einblick in die Architektur und Geschichte des Gewerkschaftsgebäudes an der Maria‑Theresien‑Straße und in die Hintergründ des beiden monumentalen Nacktskulpturen an der Eingangstür.
Die Presse auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle hinzufügen. Was ganz genau der Fall ist, das ist in vielen Fällen gar nicht leicht auszumachen – besonders dann, wenn da einer oder etwas aus der Zeit gefallen scheint.
Und dass solcher Fall – im Unterschied zum Fallen sonst – schon einmal ganz ohne Bewegung vor sich gehen kann, darüber weiß eine Fassade in der Maria-Theresien-Straße manches zu erzählen. Dort, an der Nummer 11, residiert seit frühen Nachkriegstagen Arbeitnehmervertreterisches: ursprünglich die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, die sich über die Implementierung weiterer Fachgruppen mittlerweile zur „Younion“, der „Daseinsgewerkschaft“, fortentwickelt hat .
Wer sich heute an nämliche Adresse begibt, steht jedenfalls einem Gebäude gegenüber, dem man ohne langes Zögern Zeitgenossenschaft attestieren möchte: eine Symphonie aus Metall, Glas und Sichtbeton, wie er dieser Tage bald einmal wo zu finden ist. Einzig das übermannsgroßes Paar, das Portal flankierend, scheint durchaus nicht von dieser unserer heutigen Welt.
Eher wie ästhetisches Strandgut der Geschichte scheint es aus entlegenen Kunstäonen in die Gegenwart gespült in seiner rabiaten Körperlichkeit – und hat sich doch gängigem Vernehmen nach nie anderswo befunden. Denn nicht die beiden massigen Figuren sind es, die sich verändert haben, vielmehr das Gebäude hinter ihnen: Das nämlich hat ein rigoroser Umbau Mitte der 2010er aus der unmittelbaren Nachkriegszeit in die Gegenwart transferiert.
Spötter könnten fragen, ob denn die „Daseinsgewerkschaft“ ihren Mitgliedern kein hoffnungsvolleres Dasein annoncieren möchte als jenes, das sich den beiden kolossalen Nackten am Eingang ablesen ließe: nämlich das, auch noch das letzte Hemd zu verlieren. Kunsthistorisch Beflissenen wiederum mag es in den Sinn kommen, dem Schöpfer von derlei in Stein gehauener Kraftmeierei nachzuforschen.
Der heißt Josef Franz Riedl, geboren 1884 in Wien, gestorben daselbst 81 Jahre später und mit einer Künstlervita ausgestattet, der man Ortsüblichkeit nicht absprechen kann: in Monarchiezeiten ausgebildet, im Roten Wien der 1920er genauso wohlgelitten wie im Wien des Wiederaufbaus – und dazwischen, ab 1941, Mitglied der NSDAP mit solider Auftragslage. Es geht halt nichts über Kontinuität. Jeden Mittwoch erzählt Wolfgang Freitag, warum Wien so ausschaut, wie es ausschaut, und warum alles genauso bleiben soll – oder auch nicht.
Younion Gewerkschaft Maria‑Theresien‑Straße Architektur Skulptur
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