Der Iran droht in eine Energiekrise zu schlittern. Das Regime ruft die Menschen dazu auf, Gas zu sparen. US-Präsident Trump fühlt sich in hartem Kurs bestärkt.
Der Iran droht in eine Energiekrise zu schlittern. Das Regime ruft die Menschen dazu auf, Gas zu sparen. US-Präsident Trump fühlt sich in hartem Kurs bestärkt.
Irans Regime zeigt sich unbeugsam: Teheran werde die strategisch wichtige Meeresstraße von Hormuz nur dann wieder öffnen, wenn die USA alle Bedingungen erfüllen, die der Iran bereits im Juni gestellt hat, sagte Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf am Sonntag. Die Zeit des Diktierens von Forderungen durch die USA sei vorbei – die Position des Iran sei „klar und endgültig“, warnte er. Das sind harte Worte nach außen.
Doch zugleich könnte das Regime schon bald von innen her massiv unter Druck geraten. Denn auf die 17 Millionen Bewohner der iranischen Hauptstadtregion Teheran kommt ein harter Winter zu. Die Islamische Republik, eines der öl- und gasreichsten Länder der Welt, kann nicht genug Energie erzeugen, um die Menschen in Teheran und anderen Gegenden im Norden des Landes bei Minustemperaturen warm zu halten. Und das könnte für das Regime Folgen haben.
Die Führung in Teheran ruft die Iraner schon jetzt zum Energiesparen auf. Die Probleme dürften die US-Regierung in ihrem harten Kurs im Konflikt mit dem Iran bestärken. Präsident Donald Trump verlegt zusätzliche Truppen in den Nahen Osten. Schon im vorigen Winter – noch vor Beginn des amerikanisch-israelischen Krieges im Februar – waren in iranischen Privatwohnungen, Behörden und Betrieben zeitweise Strom und Heizungen ausgefallen.
Marode Infrastruktur, westliche Sanktionen, Misswirtschaft und ein Boom bei der stromfressenden Produktion von Kryptowährungen waren die wichtigsten Gründe dafür. Die Kriegsschäden verschärfen die Krise in dem Land mit 90 Millionen Einwohnern. Iranische Privathaushalte und Unternehmen verbrauchen laut Staatsmedien im Winter rund 700 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag, dreimal so viel wie der nördliche Nachbar Türkei, der etwa genauso viele Einwohner hat.
Das liegt an mangelnder Effizienz iranischer Anlagen und daran, dass in der Türkei der Anteil von Gas am Energiemix zugunsten erneuerbarer Energiequellen sinkt, während der Iran rund 70 Prozent seines Bedarfs mit Gas deckt. Im Norden des Iran, wo auch Teheran liegt, dürfte es im kommenden Winter wieder Probleme mit der Energieversorgung geben, sagte Regierungssprecherin Fatemeh Mohadscherani jetzt laut Staatsmedien. Die Gasproduktion sei wegen des Krieges um etwa 230 Millionen Kubikmeter pro Tag zurückgegangen.
Reparaturen können die Lücke nach ihren Worten nur zum Teil schließen. Laut der iranischen Handelskammer beträgt der landesweite Produktionsausfall sogar bis zu 400 Millionen Kubikmeter pro Tag. Dadurch mangelt es dem Iran auch an Strom. Nach westlichen Schätzungen würde die vollständige Reparatur der iranischen Energieinfrastruktur bis zu 19 Milliarden Dollar kosten.
Gholam Abbas Hosseini, ein hochrangiger Manager der staatlichen Gasgesellschaft, rief die Iraner dazu auf, ihren Gasverbrauch zu senken.
„Unsere lieben Landsleute sollten besonders in den kalten Monaten des Jahres auf einen geregelten Verbrauch und aufs Sparen achten“, sagte er laut Staatsmedien. Einige Bäckereien im Norden Irans üben laut Medienberichten schon, ob und wie sie bei einem Ausfall der Gas- und Stromversorgung weiter Brot liefern können. Industriebetriebe lagern Diesel und Benzin ein, um sich auf Störungen von Energielieferungen aus Gaskraftwerken vorzubereiten.
Die Beseitigung von Schäden an der Gasinfrastruktur ist für den Iran ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Temperaturen werden in den kommenden Wochen fallen. Dem iranischen Staat könnte zudem das Geld für Reparaturen ausgehen. Einnahmen für den Iran aus Ölexporten kommen derzeit nur noch aus dem Verkauf von Tankerladungen, die vor Beginn der US-Seeblockade im April schon auf See waren.
Nach US-Schätzungen ist ein Großteil dieses Öls schon verkauft, und der Rest im Wert rund 1,5 Milliarden Dollar wird von den Käufern in Ostasien bis Dezember bezahlt worden sein. Im neuen Jahr werde Teheran nicht mehr viel Geld mit Ölausfuhren verdienen können, wenn US-Präsident Donald Trump die Blockade nicht aufhebe, schrieb Patrick Clawson vom Washington-Institut für Nahost-Studien in einer Analyse des Instituts. Das stärke die amerikanische Position in der Auseinandersetzung.
„Washington kann es sich leisten, geduldig zu sein“, meint Clawson: „Ein strenger Winter im Iran wird die Energieengpässe noch viel schlimmer machen. “ Die wirtschaftliche Misere ist ein Grund dafür, dass die iranische Führung mit neuen Angriffen auf Stützpunkte und Kriegsschiffe der USA noch vor den amerikanischen Kongresswahlen in einem Monat droht. Teheran bietet gleichzeitig an, die Straße von Hormuz zu öffnen und neue Atomverhandlungen zu beginnen, wenn Trump nachgibt.
Bisher zeigt sich der US-Präsident jedoch entschlossen, den Druck auf Teheran weiter zu erhöhen. So wie die Führung im Iran offenbar darauf setzt, dass Trump vor den Kongresswahlen im November wegen steigender Ölpreise einknickt, zeigt sich der US-Präsident davon überzeugt, dass das Regime in Teheran sehr bald aufgeben wird. Trump wiederholt fast täglich seine Drohung, dass er schon bald einen neuen Großangriff auf den Iran anordnen werde.
Bis Ende Oktober soll ein dritter amerikanischer Flugzeugträger mit Begleitschiffen und insgesamt 9000 Seeleuten und Soldaten an Bord im Nahen Osten eintreffen.
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