Nirvanna the Band the Show the Movie läuft ab 3. Oktober im Wiener Gartenbaukino. Matt Johnson und Jay McCarrol bringen ihre Kultserie ins Kino, mit Zeitreise.
Während die USA mit der Übernahme Kanadas kokettieren, machen Kanadier die Traumfabrik unsicher: Wie Matt Johnson, Nathan Fielder & Co Comedy neu erfinden. Matt Johnson und Jay McCarrol in „Nirvanna The Band The Show“: 2016 nur eine Serie, jetzt auch im Kino.ist Kanada: Dieser Witz kursiert seit einer Weile im Netz. Er fußt auf der Tatsache, dass der Komiker und Podcasterin seinem weltbekannten Interviewformat die Werbetrommel für den US-Präsidenten rührte – und ihn 2024 sogar als Gast in seiner Show hatte. Rogans treue Fan-Base ging daraufhin wählen. Rogan ist US-Amerikaner.
Doch bevor er im Web reüssierte, trat er 2007 in der Online-Talkshow von Tom Green auf – und war hellauf begeistert vom innovativen Gesprächskonzept des kanadischen Pioniers jener Spielart von Peinlichkeitsunterhaltung, die landläufig als „Cringe Comedy“ bekannt ist. Rogan nannte Green, dessen öffentliche Schock-Stunts in den 1990er-Jahren Entertainment-Hits wie „Jackass“ inspirierten, dezidiert als Ideengeber für seinen eigenen Podcast. Der Rest ist berühmt-berüchtigte Geschichte. Eigentlich müsste Trump den Kanadiern also dankbar sein.
Stattdessen droht er dem Nachbarn im Norden mit Unterjochung. Unnötigerweise: Amerikas sprichwörtlicher „Hut“ ist zwar souverän, aber in gewisser Hinsicht längst Teil der USA. Seit jeher unterwandern Kanadier über den Umweg der Vereinigten Staaten die globale Popkultur:. Die Liste ließe sich ewig weiterführen.
Wirtschaftlich und militärisch kann sich Kanada vielleicht nicht gegen die US-Supermacht behaupten – kulturell schlägt sich das dünn besiedelte Land nicht schlecht. Auch kulturelle Nischen infiltrieren die „Canucks“, wie man Kanadier im US-Volksmund nennt. Dort, an den Rändern, ist ihr Zugang dem von Trump nicht unähnlich: „Fake it till you make it“ lautet die Devise. Das gilt vor allem für Nathan Fielder: Längst hat sich der 43-Jährige aus Vancouver als führender Konzeptkomiker seiner Generation etabliert.
In Fielders hintersinniger Reality-Show „Nathan for You“ schmiedete er als selbst ernannter Business-Coach die haarsträubendsten Pläne, um strauchelnde Kleinunternehmen zu retten. Einer davon ging sogar um die Welt: Ein Clip, in dem ein Schwein eine Ziege vor dem Ertrinken rettet, entzückte Millionen. Das Ziel dieses Fakes war, einem Streichelzoo mehr Bekanntheit zu verschaffen.
Im Nachfolger „The Rehearsal“ trieb Fielder seine Planungswut auf die Spitze, baute in Kleinstarbeit ganze Alltagsverläufe nach, um Hilfesuchende als Life-Coach durch missliche Lebenslagen zu manövrieren: Simulationswahnsinn mit Kontrollsucht-Charakter, der auf seine absurde Weise dennoch Sinn ergibt. In seinem jüngsten Hype-Projekt „You Can See Everything“, das Vollblut-Faker Fielder gemeinsam mit dem US-Regisseur Lance Oppenheim realisiert hat, schließt sich nun der Kreis.
Die Doku, die demnächst in US-Kinos anläuft, durchleuchtet das reale Leben von Elizabeth Holmes: Die Gründerin der Gesundheitsfirma Theranos gilt als eine der größten Betrügerinnen des Silicon Valley. Zu Weltruhm haben es Matt Johnson und Jay McCarrol noch nicht gebracht. Aber auch Fielders Landsmänner, die aus Ontario stammen, genießen über ihre Heimat hinaus Kultstatus. Zum ersten Mal in Erscheinung traten sie 2016, mit ihrer halb improvisierten Serie „Nirvanna The Band The Show“.
Besonders Johnson drängte sich darin als Schauspieler und Regisseur durch lustvolle Täuschmanöver, Draufgängertum und Chuzpe ins Rampenlicht. In seiner Mockumentary Operation Avalanche geben CIA-Agenten vor, anno 1967 eine Doku über das Apollo-Programm der NASA zu drehen, um einen KGB-Maulwurf zu entlarven. Schockiert kommen sie drauf, dass die Mondlandung eigentlich unmöglich ist – und stellen prompt eine täuschend echte nach.
Zugang zu den Räumlichkeiten der Weltraumorganisation verschaffte sich Johnson für den Dreh unter ebenso falscher Prämisse, getarnt als Filmstudent. 2023 präsentierte er das Biopic „BlackBerry“ – über die Firma hinter dem kanadischen Smartphone-Vorläufer – im Wettbewerb der Berliner Filmfestspiele. Heuer legte er „Tony“ nach, einen Spielfilm über die Lehrjahre des 2018 durch Suizid aus dem Leben geschiedenen Starkochs Anthony Bourdain. Dazwischen hat der heute 40-jährige die Serie, mit der für ihn alles anfing, auf die große Leinwand gebracht.
In „Nirvanna The Band The Show The Movie“ spielen er und McCarrol dieselben sympathischen Tölpel, die nach all den Jahren noch immer versuchen, ihr Musikprojekt mit fragwürdigen Strategien – Fallschirmsprung vom Riesenturm, Reise durch die Zeit! – zu bewerben. Hype durch Selbstüberhöhung: Die genannten Kanadier haben das Prinzip zwar nicht erfunden, aber sie treiben es humorvoll auf die Spitze – und stellen so die Aufmerksamkeitsökonomie der Gegenwart bloß. Vielleicht fühlte sich Trump damals einfach von dieser Masche ertappt?
Österreich Neuesten Nachrichten, Österreich Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Trump drängt EU zur Freigabe von Diesel-ReservenDas Weiße Haus baut Insidern zufolge Druck auf die Europäische Union auf, ihre Diesel-Notvorräte abzubauen.
Weiterlesen »
Trump setzt auf Selbstkontrolle von KI-FirmenAuch wenn selbst Branchengrößen vor den Gefahren ihrer eigenen Werkzeuge warnen, will US-Präsident Donald Trump Künstliche Intelligenz nicht unter ...
Weiterlesen »
Trump darf Migranten in Drittländer abschiebenDie US-Regierung von Präsident Donald Trump darf nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten vorerst weiterhin ...
Weiterlesen »
Höchstgericht: Trump darf Migranten wieder abschiebenDer Supreme Court der USA hat der Regierung von Donald Trump vorerst erlaubt, Migranten wieder in Länder abzuschieben, aus denen sie nicht stammen.
Weiterlesen »
