Tenor und Bariton waren erkrankt, aber erstaunlich gut bei Stimme: Da konnte ausgerechnet die Sopranistin nicht ganz mithalten.
Tenor und Bariton waren erkrankt, aber erstaunlich gut bei Stimme: Da konnte ausgerechnet die Sopranistin nicht ganz mithalten.
„Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist“, hat einst die Tante Jolesch ganz zurecht festgestellt. Aber wenn man Pech schon nicht völlig vermeiden kann, dann doch bitte ungefähr so wie bei dieser Staatsopern-„Tosca“ am Mittwoch. Um sieben Uhr früh habe sich der Tenor krankgemeldet, zwei Stunden später dann der Bariton, berichtete Direktor Bogdan Roščić zu Beginn vor dem Vorhang – und nannte eine grassierende neue Corona-Variante als Grund.
Wenn besagter Tenor freilich Jonathan Tetelman heißt und für nicht wenige im Publikum die zentrale Attraktion des Abends bedeutet hat, dann ist das schon etwas unangenehm. Denn im direkten Vergleich lässt sich ein Scarpia selbst vom Range Ambrogio Maestris leichter ersetzen, zumal Roms perfider Polizeichef nicht unbedingt seine persönlich beste Rolle darstellt.
Doch waren die Sorgen schließlich allesamt unbegründet, und zwar in doppelter Hinsicht: Beide erklärten sich dann doch noch bereit zum Auftritt, wie Roščić verkünden durfte, sie bäten nur um Nachsicht. Und wirkten dann – noch ein Glück, dass – keineswegs gravierend angeschlagen. Zumal Giampaolo Bisanti den Abend mit der nötigen Ruhe und stimmenfreundlichen Übersicht leitete. Zugegeben, Maestri musste manchmal leicht husten, aber er ist auch abseits von akuten vokalen Einschränkungen Routinier genug, um sich seine Mittel klug einzuteilen.
Ein in erster Linie brutal auftrumpfender Scarpia war er gottlob ohnehin nie. Was Tetelman betrifft, schien die Entschuldigung vorab wie Balsam auf seine Stimmbänder zu wirken: Schon in der ersten Arie versicherte er sich mit schlackenlos-selbstbewusstem Fortissimo seines Instruments, das tadellos ansprach, setzte mit einem ehernen „La vita mi costasse“ nach – und hatte auch im zweiten Akt wahre Stentortöne für seine „Vittoria“-Rufe zur Verfügung.
Gewiss, auf ein risikoreicheres, subtiles Pianissimo durfte man unter diesen Umständen auch in „E lucevan le stelle“ nicht hoffen, doch durften die Fans auch mit Tetelmans vorwiegend kräftigen Nuancen voll zufrieden sein. Enttäuschend verlief hingegen das Wiener Tosca-Debüt von Malin Byström, die ambitioniert spielte und im Grunde nichts falsch machte, der aber auch nichts sonderlich Memorables gelang: Zu guttural, glanzlos und künstlich dramatisch im Klang, blieb die Figur auch vokal eine bloße Behauptung.
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