„Suchen Sie einen sicheren Ort auf“: Putin trägt Krieg an Polens...

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Polen wird immer tiefer in den Ukraine-Krieg hineingezogen. Zwei Flughäfen in Grenznähe mussten vorübergehend gesperrt werden.

Polen wird immer tiefer in den Ukraine-Krieg hineingezogen. Zwei Flughäfen in Grenznähe mussten vorübergehend gesperrt werden. Auf die Frage, wie viel noch fehlt, bevor Polen in den Krieg in der Ukraine hineingezogen wird, gibt es ein paar Antworten.

Eine lautet: zwei Kilometer. So weit entfernt vom polnischen Grenzübergang Dorohusk schlug zu Wochenbeginn eine russische Drohne ein. Ein Ausreißer war das nicht. Schon Mitte September war die Gegend um denselben Grenzübergang auf ukrainischer Seite angegriffen worden.

Damals traf es eine Tankstelle. Und am Mittwoch wachten die Polen mit der Nachricht auf, dass auch zwei Flughäfen im Osten des Landes vorübergehend gesperrt werden mussten, in Lublin und in Rzeszów. Eine Sicherheitsmaßnahme. Mehrfach waren auch schon Grenzübergänge evakuiert worden.

Und Warnungen auf die Handys von Grenzbewohnern versandt worden: „Bringen Sie sich in Sicherheit.

“ Russland trägt den Krieg an Polens Grenze. Oder zumindest in Grenznähe. Und zwar, aus Sicht der polnischen Regierung mit System.

„Jede Nacht oder auch tagsüber sind wir gezwungen, wiederholt unsere Flugzeuge aufsteigen zu lassen, da russische Angriffe nahe der polnischen Grenze – insbesondere auf Grenzübergänge und Infrastruktur in Grenznähe – inzwischen zum Alltag gehören“, sagte Polens Ministerpräsident Donald Tusk. In der Vorwoche zum Beispiel drang ein Hubschrauber 42 Sekunden in den polnischen Luftraum ein. Diesfalls via Kaliningrad. Eine 430 Kilometer lange Grenze teilt sich das Land mit Russlands engem Verbündeten Belarus, weitere 535 Kilometer mit der Ukraine.

Im Norden grenzt Polen zudem auf 210 Kilometern direkt an Russland – genauer an die russische Exklave Kaliningrad. Die Sicherheitsexpertin Anna Maria Dyner vom Polnischen Institut für Internationale Angelegenheiten sieht in den Angriffen erstens einen Teil einer größeren Kampagne, um die ukrainische Wirtschaft zu schwächen und die Moral der Bevölkerung zu untergraben. Denn über die Transportrouten wird nicht nur Militärgerät verschoben. Sondern auch Wirtschaftsgüter und humanitäre Hilfe.

Zu dieser These passt, dass Russland zeitgleich Energieanlagen, Rechenzentren und Bahninfrastruktur in anderen Teilen der Ukraine angreift. Zweitens aber soll Polen und andere Unterstützerstaaten unter Druck gesetzt werden, ihre Hilfe für Kiew zu reduzieren. Die Angriffe nahe der Grenze sollen ihnen vor Augen führen, dass der Krieg auch ihre eigene Sicherheit gefährden kann. Polen spielt als Drehscheibe eine Schlüsselrolle.

Die Liste an Verdachtsfällen ist lang. Sie reicht von manipulierten Gleisanlagen auf einer wichtigen Bahnstrecke über Cyberattacken auf die Energieinfrastruktur bis zu Brandsätzen, die durch Europa verschickt wurden. Ende Juli raste ein russischer Marschflugkörper vom Typ Ch-101 in den polnischen Luftraum und schlug auf einem Feld ein. Verletzt wurde niemand.

Polen antwortet auf die neue Gefahr an seiner Ostgrenze auch damit, dass es die Einsatzregeln für den Abschuss von Flugobjekten lockern will. Bisher mussten Piloten die Gefahr immer mit eigenen Augen erfassen, bevor sie weitere Schritte einleiten, auch um Friendly Fire zu vermeiden. Künftig reichen unter bestimmten Voraussetzungen Radardaten. Die Maßnahme zeigt beispielhaft, wie sich die Risikoabwägungen verschieben, wenn der Krieg näher kommt.

Der Flugverkehr entlang der Ostgrenze wurde schon davor eingeschränkt. Nachts ist er für zivile Maschinen weitgehend tabu. Auch, um der Luftverteidigung mehr Bewegungsfreiheit zu geben.

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