Seit 30. April 2026 gelten in der Steiermark neue Regeln für Schulassistenz. Ex-Fußballprofi Jakob Jantscher kritisiert, dass sein Sohn keine Stunden mehr erhält.
Seit dem 30. April 2026 gelten in der Steiermark durch eine von der Landesregierung verabschiedete Gesetzesnovelle neue Regeln für Schulassistenzen. Ziel der Novelle war eine Präzisierung der Anwendungsbereiche. Mit dem neuen Schuljahr bekommen nun die ersten Steirerinnen und Steirer die Auswirkungen zu spüren, darunter auch der ehemalige Fußballprofi und Grazer Jakob Jantscher. Auf Instagram machte der Sportler seinem Ärger Luft.
Mein Sohn Finn lebt mit einem sehr seltenen Gendefekt, der seinen Alltag vor besondere Herausforderungen stellt. Im vergangenen Schuljahr wurde er unterstützt, in diesem Jahr wurde ihm keine einzige Stunde Schulassistenz zugesprochen, teilt Jantscher mit. An die Öffentlichkeit zu gehen, habe er sich lange überlegt, so der 37-Jährige auf Anfrage der Kleinen Zeitung. Er möge es normalerweise nicht, solche Dinge nach außen zu tragen, aber seitens der Regierung werde ständig kommuniziert, wie gut alles laufe. Das stimme so einfach nicht.
Fall fällt laut Land nicht ins Schulassistenzgesetz
Auf Nachfrage im Büro des Landesrates heißt es, dass es sich im konkreten Fall um pädagogischen Unterstützungsbedarf handle, wodurch das Schulassistenzgesetz nicht zur Anwendung komme. Dies sei im Rahmen der Novelle konkretisiert worden. Dafür müsse laut Landesratsbüro seitens der Eltern sonderpädagogischer Förderbedarf, kurz SPF, beantragt werden. Eine zugesprochene Assistenz in einem Schuljahr bedeute nicht, dass diese wieder gewährt wird. Bei jedem neuen Antrag werde also neu geprüft.
Landesrat Stefan Hermann sagt ergänzend, dass für diese pädagogischen Aufgaben personelle Ressourcen im Schulbereich notwendig seien, für die der Bund zuständig sei. Genau deshalb habe man mehrfach, erst gestern erneut im Rahmen der Bildungsreferentenkonferenz, eine ausreichende Ausstattung der Schulen eingefordert. Dem betreffenden Schulstandort seien zudem bereits zusätzliche Ressourcen für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf zugeteilt worden. Insgesamt schüttet das Land dafür rund 1,5 Millionen Euro aus.
Jantscher kritisiert fehlende Alternativen
Durch den Gendefekt habe sein Sohn eine sprachliche Spätentwicklung, mit der Schulassistenz habe die Teilhabe am Unterricht aber sehr gut funktioniert. Er hat super Fortschritte gemacht, so Jantscher. Dass die Assistenzstunden nun gestrichen wurden, ärgert ihn zwar, vielmehr macht sich Jantscher allerdings Sorgen um die Zukunft der betroffenen Kinder steiermarkweit. Jeder sollte die Berechtigung haben, Unterstützung zu bekommen, vor allem, wenn man sieht, wie sehr die Kleinen profitieren. So funktioniere richtige Inklusion.
Jantscher kritisiert, dass es in weiterer Folge an Lösungsvorschlägen fehlt. Stunden werden abgelehnt, aber man bekommt dann keine Alternativen angeboten, viele Familien geben dann auf. Er befürchtet, dass in Zukunft Kinder mit Behinderungen noch stärker mit Ausschluss oder Differenzierung konfrontiert werden. Wenn wir so anfangen, wäre das ein massiver Rückschritt. Es ist schade, dass man darüber öffentlich diskutieren muss, dass es für Kinder mit Hilfsbedarf Möglichkeiten der Teilhabe geben muss.
Hintergrund und laufende Debatte
Die Gesetzesnovelle war von der Landesregierung verabschiedet worden und trat am 30. April 2026 in Kraft. Sie zielt darauf ab, die Anwendungsbereiche der Schulassistenz klarer zu definieren. Eltern und Betroffene sehen darin jedoch eine Verschlechterung für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Der Fall von Jakob Jantschers Sohn Finn ist ein Beispiel dafür, wie die neuen Regeln in der Praxis wirken.
Das Land Steiermark betont, dass für pädagogische Aufgaben der Bund zuständig sei und man mehr Ressourcen eingefordert habe. Die zusätzlichen Mittel von rund 1,5 Millionen Euro sollen Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf zugutekommen. Kritiker wie Jantscher fordern hingegen klare Alternativen und eine verlässliche Unterstützung, damit Inklusion nicht von der finanziellen Ausstattung einzelner Schuljahre abhängt.
Die Debatte über Schulassistenz in der Steiermark ist damit nicht abgeschlossen. Während die Landesregierung auf die Zuständigkeit des Bundes verweist, warnen Betroffene vor einem Rückschritt bei der Teilhabe von Kindern mit Behinderungen. Jantscher will mit seinem öffentlichen Appell erreichen, dass Familien nicht alleingelassen werden und dass Unterstützung auch künftig gewährt wird.
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