Andreas Babler und der frühere ORF-Chef Gerhard Zeiler liefern sich einen Machtkampf um die Führung der SPÖ. Bei einem Treffen der Landesvorsitzenden soll am Sonntag eine Vorentscheidung fallen, um die monatelange Unsicherheit in der Partei zu beenden.
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Wer wird oder bleibt SPÖ-Chef? Gerhard Zeiler , Andreas Babler, im Hintergrund Markus Marterbauer vergangene Woche bei der Premiere des neuen Kreisky-Films im Gartenbaukino in Wien. Der frühere ORF-Chef Gerhard Zeiler fordert Andreas Babler heraus. Gut möglich, dass am Ende eine dritte Person aufsteigt.
Für die SPÖ wäre diese Konstellation nicht neu. Wien – Einige Punkte gibt es, auf die sich die ganze österreichische Sozialdemokratie einigen kann – und damit auch Gerhard Zeiler und Andreas Babler, die Hauptakteure im Trauerspiel um die Führung der SPÖ. Für beide ist Bruno Kreisky ein Vorbild. Und für beide sind die aktuellen Umfragewerte ein Alarmsignal.
Am Sonntag könnte bei einem Treffen der SPÖ-Landesvorsitzenden und einem anschließenden größeren Treffen mit Babler eine Vorentscheidung im roten Machtkampf fallen. Zeiler stand vorerst nicht auf der Liste der teilnehmenden Personen. Er hat aktuell keine Funktion in der SPÖ.
Außerdem flog der Medienmanager nach seinen ersten Ansagen am Mittwoch wieder in die USA. Der Tiroler SPÖ-Vorsitzende Philip Wohlgemuth nahm am Freitag am Rande einer Pressekonferenz nur kurz zu dem anhaltenden Personal-Wirbel an der Spitze der Bundespartei Stellung. Er werde, wie auch die übrigen Landesparteichefs, am Sonntag zu dem für den späten Nachmittag angesetzten Treffen reisen: „Ich begrüße dieses Treffen sehr, es ist längst überfällig.
“ Erneut betonte der Tiroler, dass er für eine rasche Klärung der weiteren Vorgehensweise um den künftigen Vorsitz an der SPÖ-Spitze eintreten werde: „Ich will nicht, dass sich die Partei monatelang mit sich selbst beschäftigt. Es muss wieder Ruhe in die Partei einkehren.
“ Das Wie lässt Wohlgemuth betont offen. Sein burgenländischer Kollege, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, geht nicht davon aus, dass es bei dem Treffen mit Babler eine personelle Lösung für die SPÖ-Spitze geben wird. Beim Treffen der Landesparteichefs davor gehe es darum, sich abzustimmen, dies sei ein normaler Vorgang, sagte er am Rande eines Pressetermins in Oberwart. Wer also sind die Kontrahenten um den Parteivorsitz?
Zwischen beiden liegt fast eine ganze Generation. Babler ist Jahrgang 1973, Zeiler wurde 1955 geboren. Sowohl Zeiler als auch Babler können auf eine Herkunft mit viel sozialdemokratischer Glaubwürdigkeit verweisen. Zeiler stammt aus einer sozialdemokratischen Familie in Wien-Ottakring, in der Verwandtschaft gab es Gewerkschafter und Abgeordnete.
Babler erzählt gern von seiner Jugend als „stolzes Arbeiterkind“ in Traiskirchen, damals Sitz der Semperit-Werke. Die weiteren Wege waren aber grundverschieden: Zeiler führt seit vielen Jahren als Manager bei WarnerMedia ein Leben zwischen Österreich, London und New York. Babler blieb Traiskirchen treu. Als roter Bürgermeister der kleinen Stadt mit dem großen Flüchtlingslager arbeitete er sich in der Migrationskrise an den schwarzen Innenministern ab.
Und Babler arbeitete sich an den jeweiligen Vorsitzenden der SPÖ ab. Auf seinem Forderungskatalog standen die Demokratisierung der Partei und betont linke Themen. Im Streit um den Parteivorsitz zwischen Pamela Rendi-Wagner und Hans Peter Doskozil machte er sich zur Stimme der unzufriedenen Basis und ging als lachender Dritter aus dem Zweikampf hervor. Den „klassischen Sozialdemokraten“ lässt sich auch Zeiler nicht absprechen.
Unübersehbar ist auch sein Drang zurück nach Österreich. 2011 war er als ORF-Chef im Gespräch. Fünf Jahre später wollte er Werner Faymann an der Spitze der SPÖ ablösen. 2019 fasste er sein sozialdemokratisches Glaubensbekenntnis in Buchform zusammen: „Leidenschaftlich rot“. Seine politischen Freunde hätten ihn gefragt, ob das Buch eine Bewerbung sei, schrieb er damals im Vorjahr – und antwortete mit einem „klaren Nein“. Jetzt bewarb er sich doch.
Nach Kritik an der Art der Bekanntgabe seiner Ambitionen auf den SPÖ-Chefsessel wirbt der Medienmanager nun in einem Offenen Brief um die Unterstützung der SPÖ-Mitglieder.
„Die SPÖ ist auf dem Weg, bundespolitisch irrelevant zu werden“, beklagt Zeiler in dem Schreiben, das am Freitag auf seiner neu eingerichtetenveröffentlicht wurde. Es gebe keinen anderen Weg, „als JETZT die Veränderung herbeizuführen“, befand er.
„Die SPÖ muss in die Mitte rücken. “Ob die Bewerbung Erfolg hat oder nicht: Sie hat jedenfalls Bewegung in die rote Führungsdiskussion gebracht. Umfragewerte um die 15 Prozent lassen in der Sozialdemokratie niemanden kalt, ebenso die schlechten Persönlichkeitswerte für den Parteichef und Vizekanzler. Doch auch Zeiler müsste aufholen.
In der Polit-Blase ist er wohlbekannt. Außerhalb derselben und bei jüngeren Wählerinnen und Wählern ist er aber ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Seine Millionen seien jedenfalls kein Hindernis, beteuert der Manager: Die habe er selbst erarbeitet. Das große Erfolgsversprechen verbinden viele Genossinnen und Genossen jedenfalls weder mit dem Amtsinhaber noch mit dem Herausforderer.
Jemand Dritter müsse her. Aber wer? Am öftesten fällt der Name Markus Marterbauer. Dieser hat bisher stets abgewunken.
Er habe seiner Frau versprochen, nur für eine Regierungsperiode in die Politik zu gehen, wiederholte der 61-jährige Volkswirt immer wieder. Er betont auch seine Loyalität zu Babler, dem er sein Regierungsamt verdankt. Dazu kommt eine Krebsdiagnose, die er im Sommer öffentlich machte. Die sozialdemokratische Glaubwürdigkeit hätte aber auch Marterbauer.
Zuerst im Wirtschaftsforschungsinstitut und noch viel mehr später in der Arbeiterkammer profilierte er sich als linker Ökonom. Für Babler und die SPÖ entwickelte er ein Konzept für Vermögenssteuern. Und auch er hält Kreisky hoch.
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