Schon bald gibt es südkoreanische Waffen – „Made in Germany“

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Schon bald gibt es südkoreanische Waffen – „Made in Germany“
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Seit Jahren boomen die Rüstungsexporte aus Südkorea. In Europa fragt man die Produkte verstärkt nach. In Deutschland soll bald ein gänzlich neuer Schritt gemacht werden: Eine Fabrik des...

Seit Jahren boomen die Rüstungsexporte aus Südkorea. In Europa fragt man die Produkte verstärkt nach. In Deutschland soll bald ein gänzlich neuer Schritt gemacht werden: Eine Fabrik des Rüstungskonzerns Hanwha.

Han Seong-sook schien etwas klarstellen zu wollen, als sie im September zu ihrem internationalen Publikum sprach: All die Rüstungsgüter, die zuletzt in diverse Länder exportiert werden, dienten nicht etwa dem Krieg, sondern dem Frieden. Ihr Heimatland Südkorea sei zwar ein großer Waffenproduzent, wolle diese Industrie aber vor allem dafür nutzen, weltweit für Wohlstand zu sorgen. Zerstörung, schien die Premierministerin zu betonen, spiele hier gar keine Rolle.

Die Beteuerungen von Han, derem Amt vor allem eine repräsentative Rolle zukommt, waren wohlkalkuliert: Han traf sie im Zuge des Seoul Defense Dialogue, einem seit 2012 jährlich ausgetragenen Event, das Südkorea dazu nutzt, sich auf dem Markt der Rüstungsexporte zu platzieren. Auch diesmal wurden wieder mehrere Deals eingetütet oder konkretisiert: In Kroatien will man die Raketenwerfer Chunmoo von Hanwha Aerospace kaufen. Die Philippinen wollen ihr Militär südkoreanisch modernisieren.

Seit einigen Jahren verfolgt Südkorea ein ambitioniertes Vorhaben: Zu den vier größten Rüstungsexporteuren der Welt zu zählen. 2023 rief der rechtspopulistische Präsident Yoon Suk-yeol dieses Ziel aus, ehe er nach einer gescheiterten Kriegsrechtserklärung Ende 2024 seines Amtes enthoben wurde. Aber dessen liberaler Nachfolger Lee Jae-myung hat wenig dagegen: Unter seiner Führung promoten Staatsvertreter nationale Produzenten unter dem Banner „K-Defense“, quasi in einer Reihe mit K-Pop oder K-Beauty. Und das Ganze hat Erfolg.

Über die vergangenen Jahre hat Polen, das sich seit dem neuerlichen Angriff Russlands auf die Ukraine ab 2022 akut bedroht sieht, mit Panzerhaubitzen aus Südkorea versorgt. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate fragen Gerät aus dem ostasiatischen Land nach. Und beim Seoul Defense Dialogue im September bahnte sich auch eine vertiefte Handelskooperation mit Tschechien an.

Die jüngsten Zahlen des Stockholm International Peace Research Institute sehen Südkorea für den Zeitraum 2021 bis 2025 auf Platz neun im Ranking der größten Exportnationen im Rüstungsgeschäft. Mitte des Jahres kam aber eine Zählung des Seoul Economic Daily bereits zum Ergebnis, dass Südkorea mit Waffenexporten von rund 15,4 Milliarden US-Dollar auf Platz vier der Welt landete. Demnach läge Südkorea hinter den USA, Frankreich und Israel, und knapp vor Deutschland.

Der noch immer nur durch einen Waffenstillstand beendete Krieg mit Nordkorea sorgt dafür, dass Südkorea eine große Rüstungsindustrie hat. Deutschland gehört wiederum zu jenen Staaten, die sich selbst um mehr Austausch mit Südkorea bemühen. Dass Südkorea seit 2023 als NATO-gleichgestellter Staat gilt, erleichtert den Handel mit Rüstungsgütern. Einige Kooperationsprojekte rund um die gemeinsame Entwicklung von Lenkflugkörpern und weiterer Güter sind beschlossen.

Aktuell bahnt sich auch eine Großinvestition einer neuen Dimension an: Die Hanwha Group, Südkoreas größter Rüstungskonzern, plant ein Munitionswerk in Deutschland. Hanwha – das 2024 laut Sipri-Zahlen mit Exporten von 7,79 Mrd. US-Dollar auf Platz 21 der größten Rüstungsexporteure landete – will ausdrücklich langfristig in Deutschland investieren.

„Wir müssen uns natürlich der Tatsache stellen, dass in Europa der Ruf nach resilienten Lieferketten immer größer wird“, so Thorsten Kutz, Chef der neu gegründeten Tochterfirma Hanwha Defence Deutschland GmbH, zur „Presse am Sonntag“. „Das heißt, dass es bevorzugt wird, wenn in Deutschland oder Europa produziert wird. “ Aktuell sucht der Konzern nach einem passenden Standort in Deutschland, der nach Polen und Rumänien – wo derzeit gebaut wird – der dritte in Europa wäre, was das Rüstungsgeschäft angeht.

Gespräche finden laut Kutz mit mehreren Bundesländern statt. Zu den Kriterien gehören „Sicherheitsabstände“ und Fördergelder, aber auch die „Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen, der Zugang zu Ausbildung vielleicht auch die Nähe zu Produktionsstätten, die wir in Osteuropa aufbauen, um Synergien zu schaffen.

“ Diese Kriterien lassen einige Vermutungen zu, die Hanwha aber weder bestätigen noch dementieren will: Die Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen und Infrastruktur scheint künftig dort hoch, wo Konzerne wie VW seine Fabriken schließen dürften, etwa in Sachsen oder Niedersachsen. Die geografische Nähe zu Osteuropa spräche für ein ostdeutsches Bundesland. Auch Faktoren wie die „politische Stabilität“ würden bedacht, so Kutz.

Hanwha erwartet, dass mit dem Werk, in das ein „hoher dreistelliger Millionenbetrag“ in Euro investiert würde, wohl um die 200 bis 300 Arbeitsplätze entstünden. Die Produktion solle etwa 18 Monaten nach Vertragsabschluss starten. Das Werk in Deutschland wird als eine Art Drehkreuz für die Lieferkette in Europa vorgesehen, wo die Nachfrage nach Rüstungsgütern auch jenseits der deutschen Grenzen steigt. Was aber konkret hergestellt würde, ist noch unklar: Dies hänge auch von Aufträgen anderswo in Europa ab.

Zum Portfolio des Konzerns gehört Diverses, von Munitionstransportern über Schützenpanzer bis Panzerhaubitzen. Thorsten Kutz sagt: „Bei der Munitions- und Raketenfertigung wäre es wahrscheinlich schon angebracht, im Sinne von Resilienz und Absicherung über Redundanzen nachzudenken, was Fähigkeiten angeht, aber die Kapazitäten flexibel zu halten.

“ Man behalte sich vor, hier und da „auch Redundanzen zu schaffen, um eben im Ernstfall auch die Produktion absichern zu können. “Das soll heißen: Wenn in anderen europäischen Staaten, die indirekt oder direkt in einen Krieg verwickelt sind, die Bestände schrumpfen, könnte Hanwha womöglich dorthin liefern.

Ein Verkaufsargument südkoreanischer Hersteller wie Hanwha ist, dass sich ihr Land seit dem Koreakrieg ab 1950 – der 1953 nur mit einem Waffenstillstand endete – formal im Kriegszustand befindet und insofern an schnelle Produktionsvorgänge gewöhnt ist. Durch hohe Skalierung schafft dies auch günstigere Preise. Dabei hat Südkoreas Rüstungsexportboom bis auf Weiteres auch Grenzen. Denn die Rüstungsindustrie füllt nach aktuellem Stand nur europäische Lager auf, liefert aber nicht an die Ukraine.

Alles andere wäre „ein großer Fehler“, hatte Russlands Präsident Wladimir Putin gewarnt. Südkoreas Präsident Lee Jae-myung, der Kontakt zu Russland halten will, um womöglich auch wieder zu Austausch mit dem verfeindeten Nordkorea zu finden, will dies nicht riskieren. Bei Rüstungsexporten soll es ja um Frieden gehen.

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