Nach dem überraschenden Austritt von Markus Hinterhäuser und dem gescheiterten Versuch einer Doppelspitze aus Kosky und de Lint übernehmen nun Peter de Caluwe und Thomas Trummer die Leitung der Salzburger Festspiele. Die Entscheidung wirft Fragen über die kulturelle Ausrichtung und die Kompetenz des Kuratoriums auf.
Nach Hinterhäusers Sturz und dem geplatzten Kosky-de-Lint-Deal soll nun der kaum bekannte Peter de Caluwe die Salzburger Festspiele leiten. Thomas Kramar und Wilhelm Sinkovicz über das Salzburger Drama, verfehlte Kultur politik und einen neuen Intendanten, den man erst einmal googeln muss.
In dieser Podcastfolge diskutieren zwei langjährige „Presse“-Kritiker über das Führungsdrama der Salzburger Festspiele: Thomas Kramar, Theaterkritiker und langjähriger Feuilleton-Chef, nennt die Bestellungsgeschichte ein „Königsdrama“. Klassikkritiker und Podcaster Wilhelm Sinkovicz sieht darin eher eine bittere Farce, die nahtlos an anderthalb Jahrzehnte hilfloser Kulturpolitik in Österreich anschließt.
Kramar rekonstruiert, wie aus dem Streit um die Bestellung einer neuen Schauspielchefin die überraschende Beurlaubung von Markus Hinterhäuser im vergangenen März wurde – und wie die Vorwürfe des Kuratoriums bis heute nie konkretisiert wurden. Bei der Neubestellung, die daraufhin folgte, fragt Sinkovicz offen: „Cui bono?
“ – wem nützt diese Lösung eigentlich? Kramar erklärt, warum die zunächst angedachte Doppelspitze aus den beiden Opernregisseuren Barrie Kosky und Sophie de Lint aus seiner Sicht ohnehin zum Scheitern verurteilt war. Grundsätzlicher wird Sinkovicz beim Kuratorium selbst, das er scharf kritisiert: Dort sitze „kein Mensch, der irgendeine Ahnung von Musik oder Oper hat“.
Daraus leitet er seine Kernthese ab: „Kein Mensch redet seit Jahrzehnten mehr von der Musik“, während bei den Festspielen eigentlich Sänger und Dirigenten zählen sollten, nicht Regisseure. Kramar wiederum ordnet den neuen Intendanten Peter de Caluwe historisch ein: Als Schüler des früheren Festspiel-Intendanten Gerard Mortier und dessen Nachfolger an der Brüsseler Oper sei seine Bestellung „eine kleine Zeitmaschine“. Sinkcoviz sagt, auch er musste nachschauen, „wer das überhaupt ist“ und ergänzt trocken: „Er ist ein typischer Intendant unserer Zeit“.
Scharf rechnet Sinkovicz schließlich mit der Salzburger Landeshauptfrau, Caroline Edtstadler ab: Ihr „beleidigtes Leberwurstverhalten“ zeige nur ihre „eklatante Führungsschwäche“. Zum Schluss warnt er, dass die Festspiele ihre Einzigartigkeit „asymptotisch“, also schleichend, verlieren könnten – und zieht ein bitteres Fazit: „Das Kulturland Österreich hat sich wieder einmal kräftig blamiert.
“Sie hören hier „Was wichtig ist“, den Nachrichtenpodcast der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ für neugierige Ohren, die mehr wissen wollen als die Schlagzeile.als Interimschefin eingesetzt. Hinterhäuser wollte Bergmann zuvor alsSchauspieldirektorium zu den Festspielen holen; genau an dieser Personalie hatte sich der Streit zwischen dem Präsidium, allen voran der Salzburger LandeshauptfrauBei der Besetzung der Intendanz ist offenbar einiges schief gelaufen. Es stand schon so gut wie fest, dass die beiden Opernregisseureals Duo die künstlerische Leitung übernehmen sollen, aber die Lösung scheiterte.
Nun wurde der nachgereihte belgische Regisseur und Leiter der Brüsseler Oper,Die Festspiele müssen in den kommenden Jahren dringend nötige Sanierungsarbeiten durchführen, die um die 400 Millionen Euro kosten werden. Nun gibt es innerhalb des Präsidiums auch Streit ums Geld. Gerüchte mehren sich, dass der kaufmännische Direktor Lukas Crepaz die Festspiele vorzeitig, nämlich schon im Mörz 2027 verlassen könnte.
Zu Gast in dieser Folge von „Was wichtig ist“ sind Thomas Kramar, Theaterkritiker der „Presse“ und Wilhelm Sinkovicz, Klassikkritiker und einer der Hosts des Presse-Podcasts „Klassik für Taktlose“.
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