Russland rekrutiert weltweit Männer für den Krieg in der Ukraine

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Russland rekrutiert weltweit Männer für den Krieg in der Ukraine
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Russland rekrutiert mit falschen Versprechungen Männer aus Indien, Kuba und Nigeria für den Krieg in der Ukraine. Das Muster ähnelt historischen Praktiken wie dem Schanghaien oder Schweizer Söldnern.

Die russische Armeeführung rekrutiert weltweit Männer für ihren Krieg gegen die Ukraine. Sie kommen aus Indien, Kuba oder Nigeria und werden von international tätigen Agenturen angeworben. Die Kampagnen auf Social Media und in Messenger-Kanälen versprechen Training, Ausrüstung, feste Schuhe, Kost und Logis, ein regelmäßiges Gehalt sowie eine fette Sofortzahlung bei der Einschreibung. Mehrere Tausend Männer sind auf diesem Weg bereits an der russisch-ukrainischen Front gelandet.

Historische Praktiken der Zwangsrekrutierung

Das Muster ist alt: Schon im Dreißigjährigen Krieg war es normal, mit solchen Methoden die fürstlichen Heere zusammenzustellen. Militärkommandanten beauftragten professionelle Marktschreier, die über die Dorfplätze zogen und die Vorteile des Kriegsdiensts anpriesen. Wer sich meldete, wurde gleich mitgenommen. Besonders alleinstehende, landlose Männer ohne festen Wohnsitz waren leichte Beute.

Auch das sogenannte Schanghaien war üblich. In allen großen Hafenstädten der Welt, von Montevideo bis Hamburg, durchstreiften Presskommandos Bordelle und Kneipen, um Männer als Seeleute anzuheuern. Sie sammelten Desperados, Streuner und Betrunkene ein, oft mit Drohungen und Erpressungen. Je mehr Gründe es gab, warum einer gerade nicht zu Hause war – Konflikte im Heimatdorf, Familienzwist, Spielschulden, Flucht vor der Polizei –, desto empfänglicher war er für die Idee, in See zu stechen.

Schweizer Söldner als Wirtschaftsfaktor

Die Schweizer Söldner, auch Reisläufer genannt, brachten es so zu weltweitem Ruhm. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert verdienten viele Schweizer Männer ihr Brot als Krieger im Dienst ausländischer Heere. Zeitweise war der Soldatenexport nach der Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Geschäftstüchtige Familien spezialisierten sich darauf, Bauernbuben aus der Umgebung anzuwerben, auszubilden und an fremde Staaten zu verschachern.

Einige Schweizer Dynastien wurden damit reich, ihre prachtvollen Burgen stehen heute noch. Die Bauernburschen hingegen kamen oft erst nach vielen Jahren traumatisiert und verstümmelt nach Hause zurück. Schweizerkrankheit war damals das Wort für Heimweh.

Moderne Rekrutierung für Russlands Krieg

Heute lesen wir Berichte darüber, wie die russische Armeeführung weltweit Männer für ihren Krieg gegen die Ukraine anwirbt. Auch hier sind Desperados aller Art die lohnendste Zielgruppe: Menschen, die finanziell oder familiär gestrauchelt sind, in ihrem Land keine wirtschaftliche Perspektive mehr sehen, ihr bisheriges Leben hinter sich lassen und woanders ganz neu anfangen wollen. Angeworben werden sie von international tätigen Agenturen.

Die Kampagnen auf Social Media und in Messenger-Kanälen versprechen genau dasselbe wie einst die Marktschreier auf dem Dorfplatz: Training, Ausrüstung, feste Schuhe, Kost und Logis, ein regelmäßiges Gehalt, plus eine fette Sofortzahlung bei der Einschreibung. Dass es sich um Kriegsdienst handelt, kann man ahnen, wenn man genauer hinhört. Allerdings lässt die Werbung genug Raum, um zu hoffen, dass man bloß als Fahrer oder Koch eingesetzt wird. Dass es nicht so schlimm wird.

Mehrere Tausend Männer sind auf diesem Weg bereits an der russisch-ukrainischen Front gelandet. Sie kommen aus Indien, Kuba oder Nigeria. Die Agenturen haben ein feines Gespür für die Gründe, warum sie von zu Hause wegwollen. Für jede Vermittlung kassieren sie fette Provisionen. Den Männern hingegen werden bei Ankunft in Russland häufig die Pässe abgenommen. Sie müssen erst einmal ihre Begrüßungsprämie abdienen.

Die Parallelen zu historischen Praktiken sind unübersehbar. Ob es sich um Betrug, Versklavung, Verführung oder ein normales Geschäftsmodell handelt, bleibt eine offene Frage. Fest steht: Das Muster, Menschen in Not für Kriegsdienste anzuwerben, ist so alt wie die Menschheit.

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