Robert Menasse: Vierfacher Dank an Gerhard Zeiler

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Robert Menasse: Vierfacher Dank an Gerhard Zeiler
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Wir kennen Millionäre, die gründen Parteien. Wir kennen Millionäre, die kaufen Parteien. Aber das ist neu.

Wir kennen Millionäre, die gründen Parteien. Wir kennen Millionäre, die kaufen Parteien. Aber das ist neu. Robert Menasse meint: „Wenn Zeiler wirklich ein denkender und empathischer Sozialdemokrat wäre, hätte er sich gefragt, wie er mit seiner Expertise helfen könnte.

““ zu versuchen, Bundesparteiobmann der SPÖ zu werden. Es wird ihm nicht gelingen, und dahinter steht eine geniale Idee: Dadurch wird sich endlich herausstellen, dass die „Kronen Zeitung“ nicht so mächtig ist, wie sie selbst glaubt und wie die meisten Politiker glauben.

Dies ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die österreichische Öffentlichkeit und für die österreichischen Politiker, die dann begreifen werden, dass es absolut nicht notwendig ist, der „Kronen Zeitung“ und überhaupt dem Boulevard in Zukunft noch Schutzgeld zu bezahlen. Zweitens: Ich danke Gerhard Zeiler für die unterhaltsame Bereicherung der österreichischen Innenpolitik. Suche nach Kompromissen ist langweilig, Pragmatismus ist fad, das Krakeelen vom rechten Rand repetitiv – da präsentiert Zeiler eine Innovation: politischen Surrealismus.

Das ist noch nie dagewesen in der Welt der Demokratien, die auf einem Parteiensystem beruhen, dass einer auf die surreale Idee kommt, sich auf dem Marktplatz hinzustellen und zu verkünden: Ich will eine Regierungspartei übernehmen. Und ich will, dass man mich will! Wir kennen Millionäre, die gründen Parteien. Wir kennen Millionäre, die kaufen Parteien.

Aber das ist neu, das ist blanker Surrealismus, dass einer ausruft: Ich will eine staatstragende Partei übernehmen. Glaubt Zeiler, er ist Godot? Und da ist er endlich? Der Surrealismus wird auf die Spitze getrieben, indem die Medien und das Parteipersonal so tun, als wäre das völlig normal, und man müsse nun Pro und Contra diskutieren.

Und es springen pensionierte Politiker auf die Bühne, nein, natürlich auf den Boulevard und rufen, ihre Rollatoren energisch vor sich herschiebend: Mit ihm geht die neue Zeit! Das hat kein Breton geschrieben, keinDrittens: Ich danke Gerhard Zeiler dafür, dass er ein lebendiges, lehrreiches Beispiel dafür abgibt, wie übersteigerte Eitelkeit einen Menschen so realitätsblind macht, dass er nicht erkennt, dass er nichts anderes mehr bewirkt als eine peinliche Selbstbeschädigung.

Er glaubt, dass er eine Initiative setzte, er glaubt, dass er es ist, der handelt, und merkt nicht, dass er sich bloß zur Marionette der „Kronen Zeitung“ machen ließ, die ihn als neue Waffe gegen Babler und dessen medienpolitische Absichten gut brauchen kann. Dieses Beispiel wird noch viele Jahre im Staatskundeunterricht an österreichischen Schulen besprochen werden und somit positive Auswirkung auf die politische Bildung der nächsten Generationen haben.

Viertens: Ich danke Gerhard Zeiler dafür, dass er klargemacht hat, was sozialdemokratisches Interesse ist. Wenn Zeiler wirklich ein denkender und empathischer Sozialdemokrat wäre, hätte er sich gefragt, wie er mit seiner Expertise helfen könnte. Natürlich nicht mit einer weiteren Obmannschlachtungsdebatte, sondern: Er, der erfolgreiche Medienmanager, hätte ohne großes Aufheben dem Medienminister Babler angeboten, ihn in seiner Medienpolitik beratend zu unterstützen.

Aber er hat es vorgezogen, in dieser für die Republik und die Öffentlichkeit und die Zukunft so wichtigen Frage Babler in den Rücken zu fallen und sich zur Marionette der „Kronen Zeitung“ zu machen, die zerstören will, was jeder Sozialdemokrat verteidigen muss. Das ist lehrreich. Danke, Gerhard Zeiler. Wir verstehen die Lehre.

Alles Gute für Ihren Ruhestand! ist Schriftsteller und Essayist. Er ist seit 2023 Parteimitglied der SPÖ. Dieser Beitrag erschien zuerst auf seinem

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