Je länger, desto besser? Die großen Trägerorganisationen sind auf Zivildiener angewiesen, nicht nur in der Dienstzeit, denn viele bleiben. Was die geplante Reform für die Rettungsorganisationen...
Je länger, desto besser? Die großen Trägerorganisationen sind auf Zivildiener angewiesen, nicht nur in der Dienstzeit, denn viele bleiben. Was die geplante Reform für die Rettungsorganisationen bedeutet.
Ohne Zivildiener wäre das Rettungswesen in der heutigen Form nicht aufrecht zu erhalten. Auch, weil viele nach ihrem Dienst als Ehrenamtliche bleiben. Die Politik diskutiert, die Organisationen warten: Noch gibt es keinen Gesetzesentwurf, noch ist nicht entschieden, welches Modell kommen wird.
Neun Monate durchgehend, neun Monate Dienst und zwei Monate Zusatzdienst nach einer Pause oder neun Monate Dienst plus 400 Stunden Freiwilligendienst binnen fünf Jahren – diese drei Modelle sollen zur Auswahl stehen, wenn mit dem Grundwehrdienst auch der Zivildienst verlängert wird. Die Verlängerung des Grundwehrdienstes ist fix, sollte dadurch die Zahl der Grundwehrdiener auf weniger als 13.875 in einem Jahr sinken, kommt die Zivildienstverlängerung. Für eine Reform ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Noch steht die Zustimmung von Grünen und FPÖ aus.
Dass eine Reform kommt, davon geht man bei den großen Trägern jedenfalls aus. Was kommt wann? Wie man sich darauf einstellt?
„Ich bin ehrlich: Wir warten, bis ein Gesetzesentwurf vorliegt", sagt Petra Grell-Kunzinger, die Bundesgeschäftsführerin der Johanniter. Zwar könne man verschiedene Varianten durchdenken.
„Aber wenn es nicht vor 2029 kommt, haben wir ausreichend Zeit für die Umsetzung. “Auch Wolfgang Dihanits, der stellvertretende Bundessekretär des Samariterbundes, drängt vor allem auf Klarheit. Je rascher die Umsetzung komme, desto schwieriger könne sie organisatorisch werden.
„Aber je schneller Klarheit herrscht, desto besser. “ Denn die neuen Modelle haben ganz praktische Konsequenzen. Die einfachste Variante wäre ein durchgehender elfmonatiger Dienst. Dihanits bevorzugt sie klar: „Je länger einer im System ist, desto besser kann er eine Leistung erbringen.
“ Man wisse, dass viele Zivildiener ihren Dienst lieber am Stück erledigten: „Sie sind drin und wollen damit fertig sein. “ Auch bei den Johannitern müsste man geteilte Modelle erst im Detail durchrechnen. Eine Verlängerung betrifft Dienstpläne, Ausbildungsplätze, Fahrzeuge und Ausbildner.
„Der Hund ist oft im Detail begraben", sagt Grell-Kunzinger. „Wir stecken zwei Monate in die Ausbildung. “ Je länger jemand danach eingesetzt wird, desto größer der Nutzen. Peter Kaiser, stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, sieht in den drei Modellen zugleich eine Chance.
Viele Zivildiener blieben danach ohnehin ehrenamtlich, die Kombination Zivildienst und späteres Engagement werde bereits gelebt. Für die Organisationen geht es aber um mehr als zwei Monate. Im Rettungsdienst machen Zivildiener einen bedeutenden Teil der Mitarbeiter aus, sie erbringen rund ein Viertel der Arbeitsstunden im Rettungsdienst. Aber nicht alle Stellen können besetzt werden.
„Bei der aktuellen Finanzlage sind wir auf Zivildiener angewiesen", sagt Grell-Kunzinger. Schon jetzt seien viele Rettungsleistungen nicht kostendeckend. Ohne Zivildiener müssten hauptberufliche Kräfte mehr Arbeiten übernehmen.
„Entweder wir decken es mit Beruflichen ab – oder es gibt die Leistung nicht. “Kaiser sieht darin letztlich eine gesellschaftliche Frage: Fehlen Zivildiener und damit in weiterer Folge Ehrenamtliche, „wer ersetzt uns diesen Personalpool? “ Bei Personalknappheit müsste etwa der Krankentransport reduziert werden, um den Rettungsdienst aufrechterhalten zu können. Denn der Zivildienst ist eine wichtige Quelle für das Ehrenamt.
Bei den Johannitern bleibt laut Grell-Kunzinger zunächst rund die Hälfte der Zivildiener, überwiegend ehrenamtlich. Dihanits spricht von rund einem Drittel, das sich anschließend ehrenamtlich engagiert.
„Je geringer die Grundmenge, desto geringer der Multiplikator. “ Auch beim Roten Kreuz werden aus ehemaligen Zivildienern nicht nur Freiwillige: Manche wechseln hauptberuflich, bilden sich zum Notfallsanitäter weiter oder übernehmen Führungsaufgaben, sagt Kaiser – und erzählt von seiner Laufbahn beim Roten Kreuz, die auch so begonnen hat. Der Zivildienst sei auch für Katastrophen und Großschadensereignisse wichtig, für die „umfassende Landesverteidigung“: Je größer der Pool an ausgebildeten Ehrenamtlichen, desto schneller könne im Krisenfall Personal mobilisiert werden.
„Je langfristiger ich Menschen einplanen kann, umso stärker ist die Resilienz“, sagt Kaiser. Kaiser beobachtet bei vielen jungen Männern während des Zivildienstes eine Entwicklung. Manche kämen „mit vielen, vielen Fragezeichen im Kopf“, würden aus „Hotel Mama“ ins echte Leben gestoßen und sähen erstmals hinter die Kulissen, wie andere Menschen lebten. Gleichzeitig erlebten sie unmittelbar, dass ihre Arbeit für Menschen in Not einen Sinn habe und das etwas „total Schönes“ sei, sagt Kaiser.
Darin liege auch eine Chance für die Berufswahl. Die jungen Männer lernen Tätigkeiten in Rettung, Pflege, Sozial- und Gesundheitsbereich kennen. Wenn einige danach in diesen Bereichen blieben, sagt Kaiser, „haben wir etwas Gutes für die Gesellschaft getan“. Dass ein längerer Zivildienst gegenüber dem kürzeren Wehrdienst an Attraktivität verlieren könnte, befürchten die Träger derzeit nicht.
Schon jetzt entscheiden sich ja viele für den längeren Zivildienst, so Dihanits. Problematischer könnten geteilte Modelle werden. Im Rettungsdienst müssen Qualifikationen aktuell gehalten, Schulungen und Zertifizierungen absolviert werden. Eine Unterbrechung zwischen Dienstblöcken sei deshalb schwierig.
Bleiben Zivildiener elf Monate, überschneiden sich zudem Jahrgänge stärker. Grell-Kunzinger fordert deshalb Gestaltungshoheit für die Einrichtungen. Dihanits regt an, den Rettungsdienst bei der Zuweisung von Zivildienern noch vorrangiger zu behandeln, besonders in Bundesländern, in denen viele Stellen offenbleiben, etwa Kärnten oder Tirol. Die zentrale Forderung der Träger ist aber dieselbe: Die Politik soll rasch entscheiden.
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