Die Wiener Fusion-Bar "Kikko Bā" präsentiert sich nach einer Renovierung mit neuem Look und einer spektakulären Karte, die von "Mochi"-Mastermind Edi Dimant kreiert wurde. Die Rezension lobt die exzellente Qualität der Gerichte, wie das Tuna-Sashimi und das Pork Katsu, kritisiert jedoch die hohen Preise und das eher legere, unbequeme Ambiente.
Die Wien er Fusion-Institution " Mochi" ist in den letzten Jahren ordentlich gewachsen: Was im Jahre 2012 mit offener Küche und nur wenigen Sitzplätzen von Tobias Müller und Edi Dimant in der Praterstraße eröffnet wurde, hat sich mittlerweile zu einem regelrechten Imperium ausgewachsen.
Kikko Bā nach Renovierung mit neuer Karte
Die Mochis bieten von der schnellen Takeaway-Dosis im "O.M. K." über heiße Nudelsuppe in der "Mochi Ramen Bar", lässige Burger mit Hühnchen im "Chicken Karate" bis hin zum japanisch-italienischen Hybridmodell "Cucina Itameshi" im Dogenhof eigentlich so gut wie alles, was einem so rund ums Stäbchenessen einfällt. Nächste Station: "Mochi" Bozen. Nun hat die im Jahre 2019 eröffnete Tapas-Bar "Kikko Bā" eine Frischzellenkur verpasst bekommen und präsentiert sich seit Anfang September renoviert und mit neuer Karte.
Ursprünglich war die "Kikko Bā" ein Pop-up-Projekt - und auch noch ein bisschen günstiger. Auffälligste Änderung: Die vormals runden Tische sind jetzt eckig und weiß. Bei der Reservierung ist schon die erste Entscheidung gefragt: Willst du draußen sitzen? Besser nicht.
Ich hab's lieber warm. Drinnen angekommen, wird rasch klar, dass das ein Fehler war: Kühlungstechnisch geht man in der "Kikko Bā" - wohl ganz im Sinne der internationalen Fusion - eher amerikanische Wege. Hinter dem neuen Küchenkonzept steht "Mochi"-Mastermind Edi Dimant. Die eigentliche Arbeit vor Ort erledigt aber Küchenchef Simeon Zoric, und was dieser alles rausschickt, ist einigermaßen spektakulär: Da wäre zum Beispiel das wirklich abartig gute Tuna-Sashimi (24 Euro, Bild ganz oben).
Sashimi und Yuzu-Klassiker aus der Mochi-Küche
Der Thunfisch kommt vom Familienunternehmen Balfegó aus dem spanischen L'Ametlla de Mar und mit einer Jalapeño-Calamansi-Sauce (einer Zitrusfrucht) - das ist dezent scharf, leicht säuerlich, und man will danach niemals mehr einfach nur ein Tuna-Sashimi mit Sojasauce verzehren. Auch die rohe Brasse (18,50 Euro, Bild oben) türmt sich mitsamt Melone und scharf-säuerlichem Yuzukoshō zu einer wahren Geschmacksknospen-Massage auf. Dass man sich in einem "Mochi"-Lokal befindet, merkt man übrigens spätestens dann, wenn eine Yuzu-Zubereitung auf dem Teller erscheint.
Und es wird auch diesmal nicht das letzte Mal sein. Die geniale Zitrusfrucht ist aus Dimants Küche nicht wegzudenken. Der Butterkrebs (14,90 Euro, Bild oben), ein alter "Mochi"-Klassiker, wird, nachdem er seinen Panzer abgeworfen hat, gefangen und ist deshalb als Ganzes essbar. In der "Kikko Bā" wird er frittiert und kommt dann mit Yuzukoshō-Mayo daher.
Im Ergebnis schmeckt das ein wenig wie gebackener Fisch mit Sauce tartare - nur halt auf Sternenküchenniveau. Das Sandwich mit Pork Katsu (18,50 Euro) stellt dann jede Schnitzelsemmel in den Schatten: Da wird ein panierter, im Kern rosa gebliebener Schweinsrücken mitsamt Barbecue-Sauce, Senf und Krautsalat zwischen zwei buttrige Milchbrötchen geklemmt, und so was Geiles gibt es wirklich selten. Wobei: Die vegetarische Abwandlung mit gebackenem Portobello-Pilz knallt genau gleich.
Hochwertige Küche trifft auf gemischte Kritik
Für die Proteinzufuhr auf höchstem Niveau sorgt das gegrillte Lemon Chicken (21,50 Euro, Bild oben), das in einer mit Shiitake-Pilzen aufgepeppten scharfen Sauce schwimmt. Nach dem Sandwich geht sich das locker ohne Beilagen aus (für die man ohnehin extra bezahlen müsste). Reichlich Winterzwiebel sorgt für gar nicht mal so dezente Schärfe.
Das Fazit bleibt trotz der unglaublichen Qualität auf den Tellern leicht zwiegespalten: Klar, Qualität kostet, aber um hier satt zu werden, muss man schon einige Gerichte bestellen - und das läppert sich dann halt sehr. Und für das, was am Ende auf der Rechnung steht, ist mir das vom Lokalkonzept her dann doch ein wenig zu leger.
Man sitzt mehr oder weniger auf Hockern und ein bisschen eng; es ist kalt, und der Service war trotz aller Freundlichkeit auch nicht immer komplett am Punkt. Trotzdem: Wer sehr gut bis teilweise überirdisch gut speisen will, der kommt an der "Kikko Bā" aktuell nicht vorbei. Und Yuzu-Anbeter sowieso nicht.
Kikko Bā Mochi Fusion-Küche Yuzu Wien Restaurant-Review
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