Nach Vorwürfen gegen einen Religionslehrer an einer Salzburger Volksschule haben sich 15 Personen bei einer Ombudsstelle gemeldet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Nach Belästigungsvorwürfen gegen einen Religionslehrer in einer Volksschule in der Stadt Salzburg haben sich mittlerweile 15 Personen bei einer Ende Mai 2026 vom Land Salzburg dafür eingerichteten unabhängigen Ombudsstelle gemeldet.
Das berichtete am Dienstag die Salzburger Landeskorrespondenz. Die Staatsanwaltschaft Salzburg ermittelt wegen sexueller Belästigung. Die Vorwürfe wurden im Mai 2026 in der Öffentlichkeit bekannt. Der Religionslehrer soll Schulkinder unangemessen berührt haben.
Dem Mann wird angelastet, er habe sie am Oberschenkel gestreichelt. Zudem sollen Kinder auf seinem Schoß gesessen sein, während das Klassenzimmer für das Ansehen eines Films abgedunkelt war. Der Lehrer wurde suspendiert und bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Ermittlungen wegen sexueller Belästigung sind noch nicht abgeschlossen.
„Es sind noch gerichtliche, kontradiktorische Einvernahmen ausständig“, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Salzburg, Ricarda Eder, am Dienstag auf APA-Anfrage. Um den Betroffenen eine niederschwellige Anlaufstelle zu ermöglichen, startete am 27. Mai auf Initiative von Landesrätin Daniela Gutschi die unabhängige Ombudsstelle, die von Hans Rathgeb, dem ehemaligen Präsidenten des Landesgerichts Salzburg, geleitet wird. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe haben Schulpsychologinnen und Schulpsychologen die Kinder betreut und ihnen Hilfe und Unterstützung angeboten, wie Gutschi informierte.
Als ausgewiesener Fachmann der Justiz habe Rathgeb die Schilderungen der Betroffenen aufgenommen und an die zuständigen Stellen weitergeleitet.
„Somit hatten die Betroffenen nur einen Ansprechpartner und mussten ihre Erlebnisse nicht mehrfach vortragen. Als unmittelbare Konsequenz des Falls hat die Bildungsdirektion das Kinderschutzkonzept überarbeitet – es ist im Schuljahr 2026/27 umzusetzen“, erklärte die Landesrätin.
„Es ist für das Wohl der Betroffenen sehr wichtig, dass ihren Schilderungen nachgegangen wird. Belästigungen sind immer eine Zäsur im Leben“, sagte Rathgeb.
„Im konkreten Fall haben die Betroffenen ein Verhalten geschildert, das über den üblichen Kontakt einer Lehrkraft hinausgeht. Kontaktiert wurde ich von mittlerweile bereits im Berufsleben stehenden Frauen, die in ihrer Volksschulzeit ähnliche Erfahrungen mit diesem Lehrer gemacht haben wie jetzt in dieser Schule befindliche Kinder, deren Mütter ebenfalls über solche Vorkommnisse berichtet haben.
“Ohne die Stelle des Landes hätten die Betroffenen ihre Schilderungen, die teilweise schon viele Jahre zurückliegen, bei drei unterschiedlichen Stellen darlegen müssen. „Das wären die Staatsanwaltschaft beziehungsweise die Polizei sowie die Disziplinarbehörde und auch die Bildungsdirektion gewesen. Mit der Ombudsstelle konnte das gebündelt werden“, erläuterte Rathgeb. Nach jedem Gespräch mit den Betroffenen habe er eine Niederschrift angefertigt und diese an die zuständigen Stellen weitergeleitet.
Mit betroffenen Minderjährigen habe er nicht selbst gesprochen, sondern diese Gespräche seien, sofern nötig, von speziell dafür geschulten Fachleuten, in der Regel Psychologinnen und Psychologen, geführt worden.
„Die Stelle für den konkreten Fall wird zum 30. September eingestellt“, sagte Rathgeb. In ähnlichen Angelegenheiten wie beim konkreten Fall an der betroffenen Volksschule Abfalter könne sich jede und jeder vertraulich mit Fragen, Beschwerden oder Meldungen an die zuständige Servicestelle in der Bildungsdirektion wenden, hieß es in der Aussendung. Gewalt, Missbrauch und Mobbing sind nie normal – und niemand muss das allein lösen.
Die folgenden Stellen beraten kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym: Betroffene, Eltern und Bezugspersonen, aber auch Menschen, die nur einen Verdacht haben. Beratung bei sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt, Vernachlässigung, Cybermobbing sowie bei Verdachtsfällen. Inklusive Begleitung bei Anzeige und Gerichtsverfahren. Informiert und berät Kinder und Jugendliche vertraulich, anonym und kostenlos – auch bei rechtlichen Fragen, Stress mit den Eltern oder Problemen mit Behörden.
Voranmeldung. Für Mädchen*, junge Frauen*, inter*, nicht-binäre, trans* und agender Jugendliche sowie deren Bezugspersonen in den Bezirken Bregenz, Dornbirn und Bludenz. Anonym, vertraulich, kostenlos. Hilfe und Schutz bei häuslicher Gewalt – körperlich, sexuell oder psychisch – auch für Kinder, die Gewalt in der Familie miterleben.
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