Rangnick ist immer noch der Richtige: Die Zweifel nach der WM...

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Der spielerische Abwärtstrend und die mangelnde WM-Fitness brachten selbst Ralf Rangnicks über Jahre gepriesene Fußballidee ins Wanken. Ist der Turnaround zur Halbzeit der Nations League schon...

Der spielerische Abwärtstrend und die mangelnde WM-Fitness brachten selbst Ralf Rangnicks über Jahre gepriesene Fußballidee ins Wanken. Ist der Turnaround zur Halbzeit der Nations League schon gelungen?

Los Angeles am 2. Juli, kurz vor 14 Uhr. Als der schwedische Schiedsrichter Glenn Nyber dreimal pfeift, ist das Abenteuer Weltmeisterschaft für Österreich zu Ende. Dass Spanien im Sechzehntelfinale eine kaum zu überwindende Hürde darstellen würde, war schon vor dem Anpfiff im Los Angeles Stadium sämtlichen Beobachtern bewusst gewesen.

Die eklatente Chancenlosigkeit beim 0:3 gegen die Ballliebhaber von der Iberischen Halbinsel hatte aber doch Fragen aufgeworfen. Wo war der Zauber von Ralf Rangnick bei dieser WM hin verschwunden? Entwickelte sich Österreich fußballerisch trotz des historischen WM-Aufstiegs gerade in die falsche Richtung? Und war die Vertragsverlängerung mit Rangnick noch vor dem ersten Gruppenspiel gar ein Eigentor?

Um das große Ganze zu sehen und Antworten auf diese Fragen zu finden, bedarf es einer Rückkehr ins Frühjahr 2022. Ralf Rangnick, eben erst zum neuen ÖFB-Teamchef und Nachfolger von Franco Foda ernannt, hatte unmissverständlich klargemacht, was er von seiner Mannschaft erwartet. Und was Fans in Zukunft von der Mannschaft erwarten dürfen. Brav zu spielen war ab sofort zu wenig.

Seine Spieler sollten begeistern. Also ließ Rangnick sie sprichwörtlich von der Leine. Das frühere Red-Bull-Mastermind implementierte ein konsequentes Pressing im Nationalteam, mit dem Defensivapostel Foda jahrelang nichts anzufangen wusste, obwohl das nötige Spielermaterial schon vorhanden gewesen wäre.

Rangnicks Ideen folgten Taten. Österreich war unter dem Schwaben nicht mehr wiederzuerkennen. Das Team besiegte weitaus höher eingestufte Nationen wie Deutschland, Italien und die Niederlande. Seinen Höhepunkt erreichte der Rangnick-Hype während der Europameisterschaft 2024.

Die ÖFB-Auswahl musste zwar auf David Alaba, Xaver und Alexander Schlager sowie Sasa Kalajdzic verzichten, stand aber voll im Saft und schloss seine Gruppe vor Frankreich, den Niederlanden und Polen sensationell auf Platz eins ab. Was danach folgte, war ein schleichender Qualitätsverlust. In der Nations League verspielte die Rangnick-Elf gegen Slowenien und Serbien den nun abermals angepeilten Aufstieg in die Elitegruppe. In der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2025 setzte sich der spielerische Abwärtstrend fort.

Vom Pressing wie bei der EM 2024 war immer weniger zu sehen, insofern waren die Auftritte in Nordamerika die logische Konsequenz dieser Entwicklung. »Es ist ein physisch starker Gegner, der hart arbeitet. Wir haben gewusst, dass sie jedem Pass von uns mit hohem Pressing nachjagen.

«Als Rangnick während der WM den Eindruck erweckte, die Leistungen seiner Mannschaft teils schönzureden – er war bis dahin dafür geschätzt, den Finger bedingungslos in die Wunde zu legen – schrillten mancherorts im Hintergrund die Alarmglocken. Wohl wissend, dass es keinen Weg zurück gab, nachdem der Vertrag mit dem 68-Jährigen nach monatelangem Tauziehen wenige Tage vor dem ersten WM-Gruppenspiel bis Ende 2027 für viel Geld verlängert wurde. Das Gehalt des Teamchefs hatte sich verdoppelt.

Rangnick verdient laut neuem Arbeitspapier zwei Millionen Euro brutto pro Jahr. Finanziell getragen wird die Gehaltserhöhung von den ÖFB-Sponsoren Uniqa, Raiffeisen, Sportea und Immounited. Umso aufmerksamer verfolgten Rangnicks Kritiker die ersten Auftritte nach der WM in der Nations League. Nach einem holprigen Beginn gegen Israel und zwei späten Toren zeigte sich Österreich drei Tage später in Wien gegen Kosovo regelrecht entfesselt.

Das 3:1 gegen die von Foda trainierte Auswahl war das beste ÖFB-Spiel seit dem 5:1 im März gegen Ghana. Das 2:2 am Donnerstag in Irland offenbarte zwar Defensivprobleme und zuweilen den altbekannten Mangel an offensiver Kreativität, das Zwischenfazit zur Halbzeit der Nations League aber fällt positiv aus. Ein Aspekt, der heraussticht: Österreich hat seine bei der WM schmerzlich vermisste Aggressivität und Intensität im Spiel wiedergefunden. In allen drei Begegnungen war das ÖFB-Team die physisch stärkere Mannschaft.

Als Beleg dienten die frischeren Beine in der Schlussviertelstunde und das über weite Strecken erfolgreich praktizierte Pressing. Als Rangnick in seiner WM-Analyse vor dem Nations-League-Lehrgang doch noch Selbstkritik übte , wischte er alle Theorien vom Tisch, wonach sich Pressing als richtige Spielform für Österreich überholt hätte. Der Teamchef sah es als alternativlos an, den vor mehr als vier Jahren eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

„Wenn wir gegen Topnationen bestehen wollen, müssen wir in irgendeinem Bereich besser sein, dann müssen wir mit unseren Waffen spielen. Die Intensität muss wieder unser zwölfter Mann sein.

“ Am Freitag veröffentlichte die Fifa ihre groß angelegte Taktik-Analyse zur Weltmeisterschaft. Rangnick wird sich dadurch in seinem Tun bestätigt fühlen. Pressing erwies sich für viele Spitzenteams als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren, allen voran für Weltmeister Spanien. Österreich hat trotz aller personeller und taktischer Zweifel zur Halbzeit der Nations League und vor dem Auswärtsspiel gegen Kosovo am Sonntagabend wieder in die Spur gefunden.

Die teils neu formierte Mannschaft folgt dem Teamchef und dessen Ideen. Ralf Rangnick ist immer noch der Richtige. Österreich führt zur Halbzeit der Nations League seine Gruppe mit sieben Punkten ungeschlagen vor Kosovo , Irland und Israel an. Heute Abend beschließt die Rangnick-Elf mit dem Auswärtsspiel in Pristina den vorletzten Lehrgang in diesem Jahr.

Im November warten noch zwei Spiele: Gegen Irland in Linz und gegen Israel auf neutralem Boden in Debrecen .

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