Arad Dabiris zweites Stück Puls! behandelt die Weitergabe von Männlichkeitsbildern zwischen Vätern und Söhnen. Die Uraufführung zeigt expressive Sprache, aber auch inhaltliche Überfrachtung.
Das Theaterstück Puls! von Arad Dabiri feierte seine Uraufführung und untersucht die Beziehung zwischen Vätern und Söhnen sowie die Tradierung von Männlichkeitsvorstellungen. Der junge Wien er Autor präsentiert drei Söhne und ihre Väter auf einer Bühne mit archaischen Statuen. Die rhythmische Sprache steht im Mittelpunkt, doch die Inszenierung will zu viel auf einmal.
Handlung und Figurenkonstellation
Im Zentrum stehen drei Wiener Buben und ihre Väter: ein Bauarbeiter mit Rückenschmerzen, der seinen Sohn zum Boxer erziehen will, ein Taxifahrer, der den Krieg im ehemaligen Jugoslawien erlebt hat, und ein Künstler, der an seinem Werk verzweifelt und selbst von seinem Vater, der in der Otto-Mühl-Kommune war, geprägt ist. Die Söhne versuchen, die Geschichten ihrer Väter abzuschütteln, was in einem rauschhaften Geschehen mit häufigem Szenenwechsel und einem nächtlichen Furioso gipfelt.
Ein Lehrer tritt auf die Bühne und fragt: Wer hat Lust auf eine Geschichte? Die Erzählung folgt den drei jungen Männern, die beim Volksgarten-Clubbing nicht eingelassen werden, während ihre Väter am Türsteher des U4 scheitern, untermalt von Falcos Junge Römer. Diese Szene bricht jedoch schnell ab und mündet in ein Kontinuum, das als Textfläche bezeichnet werden kann.
Sprache und Inszenierung
Arad Dabiris Sprache ist rhythmisch knackig und grell expressiv. Die Raps als kommentierende Chorpassagen über linke Macker, rechte Spacken, liberale Atzen, konservative Fratzen und über Boys boys boys, die rotzen, kotzen, sniffen, ficken und so gar nichts wissen, funktionieren gut. Allerdings implodieren die Szenen dazwischen, ohne die Figuren wirklich nahe zu bringen. Dies liegt teils an der postdramatischen Eigenheit, dass die handelnden Personen sich selbst kommentieren und beschreiben, teils an der oft kabarettistisch überzeichneten Darstellung unter der Regie von Saliha Shagasi.
Die Szene im Boxring drückt die Männerklischees allzu geballt und grob aufs Auge. Luka Vlatković spielt den Künstler Gabriel als Rausschmeißer-Typen mit protziger Silberkette auf dem breit geschnittenen Anzug, was fragwürdig erscheint. Wenn er am Ende mit Flügeln als Engel erscheint, um die Bühne zu vernebeln, sieht das apart aus. Nach diesem semi-parodistischen himmlischen Finale rauchen die drei Jünglinge, ziemlich alterslos gespielt von Tim Werths, Jonas Hackmann und Séan McDonagh, ganz irdisch ein wenig Gras und verabreden sich für den nächsten Treffpunkt in einem Jahr auf der Kennedybrücke, den sie als unser kleines bisschen Amerika bezeichnen.
Hintergrund und Kontext
Arad Dabiri, ein junger Wiener Autor, hatte vor der Uraufführung in einem Interview mit der APA versprochen, den Diskurs auf gar keinen Fall als Textfläche zu erzählen, sondern für das Thema eine Geschichte zu finden und es mit Figuren zu erzählen. Sein zweites Stück Puls! setzt sich mit der Frage auseinander, wie Vorstellungen von Männlichkeit von einer Generation auf die nächste tradiert werden. Dabiri versteht sich auf einen rhythmisch pochenden Sprachduktus, der bereits im Prolog mit den Worten Ihr guten Boys, braven Boys, süßen Boys; ihr potenziellen Täter, potenziellen Verräter, potenziellen Väter erkennbar ist.
Die Inszenierung zeigt die Herausforderungen, denen sich die Söhne stellen, um die Vorgaben und Geschichten ihrer Väter zu verarbeiten. Trotz der starken sprachlichen Elemente bleibt der Eindruck, dass Autor und Regie zu viel auf einmal gewollt haben. Die Aufführung bietet dennoch einen intensiven Einblick in die Komplexität von Vaterschaft und Männlichkeitsbildern.
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