Samir H. Köck ist Musikjournalist bei der „Presse”. Er hat alle Großen der Musikwelt interviewt – von Paul McCartney über Amy Winehouse bis Leonard Cohen. Seine Expertise in Pop und Jazz nutzt er auch als DJ und Plattensammler.
Als Kind schaffte es Mark Webber auf das Cover von „Bad Cover Version” von Pulp. Später gründete er einen Fanclub, heute ist er Gitarrist der Band.
Sein Faible ist der Avantgarde-Film, in Wien hat er nun zwei Programme kuratiert. Und er ist Gast bei der Premiere der neuen Pulp-Doku im Gartenbaukino. Das Cover von „Bad Cover Version“ von Pulp zeigt einen jungen, etwas pummeligen Burschen in hellblauer Jacke und schwarzer Hose. Mit einem Bein ahmt er eine Pose nach, die am Cover eines der größten Alben der Popgeschichte zu sehen ist.
„Das bin ich“, sagt Mark Webber: „Ich war da etwa zwölf Jahre alt und entdeckte gerade. Mein Vater wollte mir London zeigen. Buckingham Palace und so. Ich war nur daran interessiert, an jene Stelle zu kommen, wo das Cover von „The Rise And Fall Of Ziggy Stardust and The Spiders From Mars“ fotografiert worden ist.
“ Die Heddon Street, die mittlerweile grauenhaft gentrifiziert ist, verläuft parallel zur Regent Street, einem Paradeaufmarschgebiet der Touristenmassen. Das Seitengässchen interessiert wenige. Zu Zeiten Bowies war es ein auf interessante Weise tristes Gewerbegebiet. Das später gestohlene K.West-Schild ist auf Webbers Foto noch zu sehen.
„Das Bild hat mein Vater gemacht. Bad Cover Version ist einer meiner liebsten Pulp-Songs. Umso schöner ist es, dass ich am Cover bin.
“Mark Webbers Geschichte mit Pulp ist einzigartig. Mit 15 hörte er einen Song und war dahin. Dann spielten Pulp auch noch in seiner Heimatstadt Chesterfield.
„Ihre Musik war einerseits sehr abweisend, andererseits waren da diese wunderschönen Balladen. Die Geigerin schaute sehr gefährlich drein und Sänger Jarvis Cocker wurde im Rollstuhl auf die Bühne gefahren. Er sang das gesamte Konzert im Sitzen. Am Ende stand er auf und ging von der Bühne.
Da war ich wirklich baff. Diese Unberechenbarkeit zog mich an.
“Webber wurde bald zum Präsidenten des Fanclubs, später war er Tour-Manager und Reservemusikant. „Es war natürlich nicht intendiert. Ich war einfach dabei, als sie begannen, sich selbst ernst zu nehmen. Irgendwann wollte Jarvis nicht mehr Gitarre spielen beim Singen.
So hat er mich gebeten, seine Parts zu übernehmen.
“ Als sie begannen, gemeinsam Songs fürs Album „Different Class“ zu schreiben, „hat mich die Band offiziell gefragt, ob ich Bandmitglied werden wolle. Was natürlich großartig war, just in diesem Moment, wo die Band so populär wurde.
“ Das Album wurde Nummer eins in Großbritannien. Es hielt sich 76 Wochen in den Charts. Wenn man zur Popularität geschossen wird, mag es passieren, dass man das Obskure zu lieben beginnt. Im Falle Webbers ist es der Avantgardefilm.
Der fünfzehnminütige Film „Little Stabs At Happiness“ von Ken Jacobs stand am Beginn dieser Leidenschaft fürs Abseitige. In memoriam präsentierte er nun zwei Programme von Jacobs‘ Filmen im Wiener Filmmuseum. Zu Ehren des österreichischen Filmavantgardisten Peter Kubelka bereitet er nun ein Buch vor. Der Titel lautet „Tasting The Universe.
“ „Daran habe ich schon sehr lange gearbeitet. Aber jetzt, wo die Pulp-Tournee beendet ist, ist es das, was ich als nächstes finalisiere.
“ Kennengelernt haben die beiden einander bereits um die Jahrtausendwende. Obwohl der mittlerweile 92-jährige Kubelka seine berühmten „Lectures“ auch auf Englisch hält, wollte er nie ein englischsprachiges Buch darüber machen. Gemeinsam mit Webber passiert dies aber nun.
„Es wird eine Art Verschriftlichung seiner Vorlesungen sein. Wir haben viel über die Themen diskutiert, die er behandelt. Es wird eine Art „Ghostwriting“ werden, eines, das wir gemeinsam editieren.
“ Seine guten Kontakte zum Wiener Filmmuseum halfen ihm auch dabei, 2003 eine große Leistungsschau des österreichischen Avantgardefilms in London zu kuratieren, die die Zeitspanne von 1955 bis 2003 abdeckte. So zeigte er etwa Kubelkas „Mosaik im Vertrauen“ sowie dessen „metrische Filme“ namens „Adebar“, „Schwechater“ und „und Ernst Schmidt Jr. und vieles mehr.
„Ich habe es zu meiner Mission gemacht, Avantgardefilme bekannter und beliebter zu machen. “Zum Abschluss seines Wien-Aufenthalts wird Mark Webber noch der feierlichen Österreich-Premiere von „Pulp: What Do You Do For An Encore“ im Gartenbaukino beiwohnen. Mit dem rauschenden Comeback, das das letztjährige Album „More“ ausgelöst hat, hat er nicht gerechnet.
„Meine Tochter wurde unmittelbar nach der letzten Pulp-Tournee geboren. Sie wuchs auf, ohne zu wissen, dass ich in einer Band spiele. Sie verfolgt es nun mit einer gewissen Neugier. Aber ich glaube, dass sie sich eigentlich nur dafür interessiert, welche Snacks es backstage gibt.
“Als Kind schaffte es Mark Webber auf das Cover von „Bad Cover Version” von Pulp. Später gründete er einen Fanclub, heute ist er Gitarrist der Band. Am Samstag ist er Gast der
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