Vier Männer stehen in Wiener Neustadt wegen versuchten Mordes vor Gericht, nachdem zwei illegale Böller in das Haus einer 19-Jährigen geworfen wurden. Der Prozess wird am 8. Oktober fortgesetzt.
Am Landesgericht Wiener Neustadt müssen sich vier junge Männer wegen versuchten Mordes verantworten, nachdem in der Nacht auf den 8. Jänner zwei illegale Böller in das Haus einer 19-Jährige n in Perchtoldsdorf geworfen wurden. Der Prozess wurde vertagt und wird am 8. Oktober fortgesetzt.
Hintergrund: Streit unter Freunden
Ausgangspunkt des Falls war ein Streit mit der 19-Jährigen. Der junge Mann aus Perchtoldsdorf bezeichnete das spätere Opfer vor Gericht als frühere beste Freundin. Erst nachdem sie aus seiner Sicht Lügen verbreitet habe, sei die Freundschaft zerbrochen.
In der Tatnacht soll ein junger Mann aus Perchtoldsdorf die Terrassentür sowie ein Fenster des Hauses mit einem Hammer eingeschlagen haben. Sein 22-jähriger Freund aus Wien soll anschließend zwei Feuerwerkskörper in das Wohn- und Schlafzimmer geworfen haben.
Ein selbst aufgenommenes Video dokumentierte die Aktion. Die 19-Jährige erlitt einen Schock und einen Tinnitus. Laut technischem und medizinischem Sachverständigen hätte die Explosion jedoch wesentlich schwerwiegendere Folgen haben können. Die illegalen Böller hätten das Opfer demnach sogar töten können.
Anklage und Verteidigungsstrategie
Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden mutmaßlichen Haupttätern sowie zwei weiteren Angeklagten deshalb versuchten Mord vor. Nach Ansicht der Anklage war die Aktion nicht spontan, sondern vorbereitet.
Ein Mitangeklagter soll zur Tatzeit im Namen des Perchtoldsdorfers Bilder in sozialen Medien verschickt haben, um ihm ein Alibi zu verschaffen. Ein weiterer Mann soll ebenfalls in die Planung eingebunden gewesen sein.
Die beiden Hauptangeklagten bestreiten allerdings, den Tod der 19-Jährigen in Kauf genommen zu haben. Die beiden weiteren Angeklagten weisen laut Kurier überhaupt jede Beteiligung zurück.
Die Verteidiger stellen die Mordversuchsanklage entschieden infrage. Ein Verteidiger sagte laut Kurier, die Tat sei exzessiv bescheuert gewesen, aber die Anklage wegen Mordversuchs sei auch exzessiv. Ein weiterer Anwalt erklärte, hier sei etwas als Mord angeklagt, das mit einem Mord absolut nichts zu tun habe.
Details zur Tat und zum Prozess
Der junge Perchtoldsdorfer gab vor Gericht an, vor der Tat mit Freunden große Mengen Alkohol getrunken zu haben. Ein Sachverständiger errechnete für die Tatzeit rund 2,4 Promille.
Bei den verwendeten Feuerwerkskörpern handelte es sich um illegale Böller der besonders gefährlichen Kategorie F4, die der Angeklagte an der tschechischen Grenze gekauft hatte. Dass er sie eigens für die Tat besorgt habe, bestritt er. Laut Kurier sagte er vor Gericht, er habe sie nicht töten wollen und nie gedacht, dass das mit Knallern überhaupt möglich ist. Seine Begeisterung für Sprengkörper verschwieg er allerdings nicht: Er finde es halt lustig, wenn es einen Knall gibt, das gebe ihm einen Kick.
Ursprünglich hätten die Männer geglaubt, dass die 19-Jährige nicht zu Hause sei. Geplant sei demnach gewesen, die Böller an Sardinendosen zu befestigen und deren Inhalt als übelriechenden Denkzettel im Garten zu verteilen. Tatsächlich schlief die junge Frau jedoch im Haus.
Ihre Rechtsanwältin schilderte laut Kurier, sie sei aufgewacht und habe nur ein weißes Licht gesehen. Kurz dachte sie, blind zu sein. Die 19-Jährige leide bis heute unter psychischen Folgen. Zudem soll ein Sachschaden von rund 15.000 Euro entstanden sein.
Bei einer Hausdurchsuchung im Zimmer des Perchtoldsdorfers stellten Ermittler laut Kurier neben einer größeren Sammlung von Feuerwerkskörpern auch eine Machete sicher. Der Prozess am Landesgericht Wiener Neustadt wurde vertagt und wird am 8. Oktober fortgesetzt und ist bis in die Abendstunden angesetzt. Dann soll auch die 19-Jährige vor Gericht aussagen.
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