In Polen ist die Mehrheit der Bürger für Atomkraft. Das erste AKW des Landes soll nordwestlich von Danzig entstehen.
Anfang November hat Polens nationalkonservative PiS-Regierung dem US-Konzern Westinghouse den Zuschlag für den Bau des ersten AKW im Land gegeben. Die Baukosten sollen umgerechnet 18,6 Milliarden Euro betragen. Zum Standort sagte Klima- und Umweltschutzministerin Anna Moskwa etwas diffus, die Präferenz gelte „der Gegend von Kopalino-Lubiatowo“. Das ist der Nachbarort von Slajszewo.
Spätestens 2026 soll mit dem Bau des ersten Reaktorblocks begonnen werden, der 2033 ans Netz gehen soll, heißt es in dem 2021 vorgelegten Strategiepapier „Polens Energiepolitik bis 2040“, das nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs aktualisiert wurde. Alle zwei Jahre nach 2033 soll ein weiteres AKW seinen Dienst aufnehmen. Bis 2043 sollen es sechs AKW werden. Auch will Warschau den Bau sogenannter kleiner modularer Reaktoren durch private Investoren fördern.
Joanna Zwierzchowska lenkt ihren SUV über den Sandweg, der zum breiten Sandstrand von Slajszewo führt. In einem Kiefernwald hinter den Dünen ragen blaue Metallpoller aus dem Boden. Hier wurden Bodenproben für den möglichen AKW-Standort entnommen.„Das gesamte Ökosystem dieser Ostseeregion ist gefährdet“, sagt die Aktivistin, die in der Bürgerinitiative Ostsee-SOS gegen den geplanten Bau mobil macht.
Der Hinweis auf Deutschland kommt nicht von ungefähr: Die vier Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Berlin haben Polen aufgefordert, das Vorhaben zu stoppen. „Vor dem Hintergrund der verheerenden Atomunfälle in Tschernobyl und Fukushima sollte auf Pläne zur weiteren Nutzung der Kernenergie im Interesse der Bevölkerung und Umwelt aller Ostseeanrainer verzichtet werden“, heißt es in einer Mitte Dezember veröffentlichten Erklärung.
Es wäre nicht Polens erster Versuch, in Ostseenähe ein Atomkraftwerk zu bauen. Nur 23 Kilometer von Slajszewo entfernt liegt Zarnowiec. Dort sollte in kommunistischer Zeit Polens erstes AKW entstehen. Heute ragt eine riesige Bauruine mit verwitterten Betonklötzen und rostigen Stahlgittern in den Himmel. Das in den 1980er-Jahren begonnene Prestige-Projekt wurde 1990 aufgegeben. Denn nach der Katastrophe von Tschernobyl wuchs auch in Polen der Widerstand gegen die Atomkraft.
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