Passwörter sind ein Schutzschild im Internet. Sie sichern Konten, Plattformen und E-Mails. Doch je schwächer die Buchstaben-Zahlen-Kombination, umso leichter macht man sich angreifbar. Besonders...
Die Warnungen vor schwachen Passwörtern ist so alt wie das Internet selbst. Doch unabhängig davon, wie sehr Sicherheitsforscher mahnen und Plattformen die Anforderungen nach mehr Zahlen, Sonderzeichen und zufälligen Buchstabenkombinationen in die Höhe schreiben, bleiben „Passwort“, „123456“, „admin“ die beliebtesten Kombinationen.
Damit öffnet man aber Angreifern Tür und Tor. Das kann teuer werden, auch für Unternehmen. IT-Abteilungen in Firmen sollten einen genaueren Blick darauf werfen, welche Passwörter ihre Mitarbeiter verwenden. Das legt eine aktuellenahelegt, die sich auf der Webseite „Have I been pawned“ genauer umgesehen hat.
Die Webseite wird seit 2013 vom australischen Sicherheitsforscher Troy Hunt kostenlos betrieben und ermöglicht Nutzern zu kontrollieren, ob ihre E-Mail-Adressen und Passwörter in bekannten Datenleaks auftauchen, welche von Hackern meist im Darknet zum Verkauf angeboten werden. Analysen von Passwörtern sind nicht neu. Tatsächlich erschreckend ist, dass sich an den Ranglisten seit Jahren kaum etwas ändert: Besonders häufig finden sich einfache Zahlenfolgen, Namen, Jahreszahlen sowie Begriffe aus Sport und Popkultur. Doch das Problem betrifft nicht nur Unternehmen.
Auch private Nutzer können sich einem Risiko aussetzen, wenn sie ähnliche Passwörter für E-Mail-Konten, Online-Banking, Shopping oder soziale Netzwerke verwenden. Für die Untersuchung wertete die britische Versicherungsgesellschaft Alan Boswell Group Passwortdaten von „Have I Been Pwned“ aus. Die Datenbank enthält hunderte Millionen Passwörter, die im Zusammenhang mit früheren Datenlecks veröffentlicht wurden. Untersucht wurde, welche Passwörter in verschiedenen Kategorien besonders häufig vorkommen.
Das mit Abstand häufigste Passwort der Untersuchung ist „123456“. Die Kombination taucht laut Analyse 209.972.844-mal in den ausgewerteten Daten auf. Auf den Plätzen zwei und drei folgen „123456789“ mit 80.942.123 Vorkommen und „12345678“ mit 70.382.347. Ebenfalls weit verbreitet sind die Klassiker „password“, „admin“ und „qwerty“.
Bei persönlichen Namen führt „Daniel“ die Liste mit 2.533.375 Vorkommen an. Danach folgen „Michael“ und „Jessica“. Auch „Thomas“, „Michelle“, „Ashley“ und „Jennifer“ finden sich unter den häufigsten Passwörtern. Bei Jahreszahlen steht 2020 mit 1.441.965 Vorkommen an erster Stelle.
Es folgen 1990 und 2021. Die Verwendung von Geburtsjahren oder wichtigen persönlichen Daten kann ein Sicherheitsrisiko darstellen, insbesondere wenn solche Informationen leicht öffentlich auffindbar sind. Auch Fußballfans greifen offenbar gerne zu ihrem Lieblingsverein, wenn es um Passwörter geht.
„Liverpool“ ist in der Untersuchung mit 1.789.470 Vorkommen der am häufigsten verwendete Fußballklub. Dahinter folgen Barcelona, Juventus, Chelsea und Arsenal. Auch Sportarten selbst werden häufig als Passwort verwendet.
„Football“ kommt 2.603.807-mal vor, „Baseball“ 1.937.815-mal und „Soccer“ 1.769.491-mal. Die Liste der populärkulturellen Begriffe zeigt ebenfalls bekannte Namen. Unter den berühmten Persönlichkeiten und Popkultur-Begriffen liegt „Blink-182“ mit 1.654.660 Vorkommen vorne, gefolgt von „Metallica“, „Eminem“, „Ronaldo“ und „Nirvana“. Bei fiktiven Figuren führt Superman mit 2.134.813 Vorkommen vor „Naruto“ und „Batman“.
Auch „Tigger“, „Snoopy“ und „Spider-Man“ gehören zu den häufig verwendeten Begriffen. Bei Tieren steht „Monkey“ besonders weit oben: Das Wort wurde 3.963.423-mal als exaktes Passwort gefunden. Es folgen „Butterfly“ und „Chicken“.
„Tiger“ landet dagegen erst auf Platz zehn. Auch Pflanzen, Früchte und Alltagsgegenstände tauchen häufig in Passwörtern auf.
„Orange“, „Banana“ und „Flower“ führen die Pflanzen- und Früchte-Kategorie an. Bei Gegenständen steht „Computer“ mit 2.422.759 Vorkommen an erster Stelle, gefolgt von „Diamond“ und „Silver“. Heath Alexander-Bew, Personal Lines Director bei der Alan Boswell Group, warnt davor, die Gefahr schwacher Passwörter zu unterschätzen. Problematisch sei insbesondere, dass viele der häufig verwendeten Passwörter bereits in Listen geleakter Zugangsdaten auftauchten.
Kriminelle könnten solche Listen mit automatisierten Verfahren nutzen, um dieselben Zugangsdaten bei unterschiedlichen Internetdiensten auszuprobieren. Besonders riskant sei deshalb die Wiederverwendung eines Passworts für mehrere Konten. Die möglichen Folgen reichen von einem kompromittierten E-Mail- oder Social-Media-Konto bis zum Zugriff auf Online-Shops, Bankkonten oder Unternehmenssysteme. Bei Unternehmen könnten Angreifer unter Umständen auch auf Kundendaten, interne Dateien oder Funktionen zum Zurücksetzen von Passwörtern zugreifen.
Auch die finanziellen Folgen von Cybervorfällen können erheblich sein. Nach Angaben der britischen Regierung identifizierten in der zugrunde liegenden Cyber Security Breaches Survey 43 Prozent der Unternehmen im vergangenen Jahr einen Cyberangriff oder eine Sicherheitsverletzung. Das entspricht laut der Analyse rund 612.000 britischen Unternehmen. Für die schwerwiegendsten Fälle wurden deutlich höhere Kosten ausgewiesen: Bei den fünf Prozent der Unternehmen mit den höchsten angegebenen Kosten lagen diese für den jeweils störendsten Vorfall bei mindestens 4.000 Pfund.
Bei mittleren und großen Unternehmen lag die entsprechende Schwelle bei mindestens 10.000 Pfund. Unternehmen sollten laut Alexander-Bew häufig verwendete und bereits geleakte Passwörter blockieren. Zusätzlich seien eine Mehrfaktor-Authentifizierung und Passwortmanager sinnvoll. Auch Privatpersonen sollten auf starke, für jeden Dienst unterschiedliche Passwörter setzen.
Besonders wichtig sei dies bei E-Mail-, Banking- und Shopping-Konten. Nach einer Passwortänderung empfiehlt sich außerdem ein Blick auf die hinterlegten Wiederherstellungsdaten und Weiterleitungsregeln. Wurde ein Konto bereits kompromittiert, kann das bloße Ändern des Passworts unter Umständen nicht ausreichen.
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