Papst Leo XIV. widmet den schwierigsten Tag seiner Frankreich-Reise dem Thema sexueller Missbrauch in der Kirche. In Lourdes traf er sieben Betroffene und mahnte die Bischöfe zur Wachsamkeit.
Papst Leo XIV. hat am Sonntag die schwierigste Etappe seines Frankreich -Besuchs absolviert. Nach dem Jubel der Massen auf den Champs-Élysées standen in Lourdes Momente der Besinnung im Zeichen der schmerzlichen Plage des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Der Tag begann mit einer Schweigeminute des Papstes am Denkmal für die Missbrauchsopfer.
Schweigeminute und Ansprache an die Bischöfe
Im Anschluss richtete Leo XIV. eine Ansprache an die rund 120 katholischen Bischöfe Frankreichs. Das Treffen fand unter Ausschluss der Medien statt, und die Rede wurde vom Vatikan anders als üblich nicht vorab an die Presse verteilt. Der Papst erinnerte an die schwärzesten Stunden, die Frankreichs Bischofskonferenz nach der Veröffentlichung einer Untersuchungskommission im Jahr 2021 erlebte.
Diese Kommission war durch Hochrechnungen auf unvorstellbar hohe Opferzahlen gekommen. Zugleich machte der Papst den Bischöfen Mut und würdigte ihren neuen Kurs. Dieser habe durch Zuhören, die Suche nach Wahrheit, durch Gerechtigkeit, Vergebung, Wiedergutmachung und ein entschlossenes Engagement für eine Kultur der Prävention und des Schutzes vor diesen Verbrechen eine Wende gebracht.
Er mahnte sie jedoch auch, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und dabei größte Wachsamkeit zu wahren. Die Worte des Papstes richteten sich ernst an seine Mitbrüder, wie es in Berichten heißt.
Messe unter freiem Himmel mit 150.000 Gläubigen
Noch härter waren die Worte, die Leo XIV. bei einer großen Messe unter freiem Himmel wählte. Er ging nicht explizit auf die im Hintergrund stehende Rosenkranz-Basilika ein, deren Fassade an einigen Stellen von Sichtschutzplatten verhüllt war. Diese Fassade hatte einst der mutmaßliche Missbrauchstäter Marko Rupnik mit Mosaiken verziert.
Stattdessen erinnerte der Papst an das Bibelzitat, dass alle umkommen würden, wenn sie nicht umkehrten. Zudem zitierte er den Maria bei ihrer Lourdes-Erscheinung zugeschriebenen Ausruf Buße, Buße, Buße. Insgesamt 150.000 Menschen lauschten in Stille.
Begegnung mit Betroffenen und Aufarbeitung
Anschließend traf der Pontifex mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche zusammen. Insgesamt waren sieben Frauen und Männer anwesend, die missbraucht wurden. Leo versprach nach Angaben des Vatikans, sich dafür einzusetzen, damit sich das erlittene Unrecht für andere nicht wiederholt.
Wie in anderen Ländern wurden auch in Frankreich über Jahrzehnte hinweg Missbrauchsfälle durch Priester unter den Teppich gekehrt. Einer unabhängigen Untersuchungskommission zufolge gab es seit 1950 mehr als 200.000 Opfer. In Lourdes ist Leo mit dem Fall eines früheren Jesuitenpaters und Künstlers konfrontiert.
Der Ex-Geistliche Rupnik aus Slowenien steht im Verdacht, über Jahrzehnte hinweg Ordensfrauen sexuell missbraucht zu haben. Der Besuch in Lourdes markiert damit einen zentralen Moment der Aufarbeitung innerhalb der katholischen Kirche Frankreichs.
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