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Papst gedenkt ertrunkener Migranten: „Wir dürfen uns nicht daran...

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Leo XIV. erinnert in Arguineguín in Gran Canaria an die Migranten, die bei der Überfahrt im Meer sterben. Und er richtete eine Mahnung an Europas Regierungen.

Leo XIV. erinnert in Arguineguín in Gran Canaria an die Migranten, die bei der Überfahrt im Meer sterben. Und er richtete eine Mahnung an Europas Regierungen.

Der Hafen sieht heute fast harmlos aus. Fischerboote, Mole, Meer, Sonne. Wer nicht weiß, was hier geschah, könnte den kleinen Atlantikhafen von Arguineguín im Süden Gran Canarias für einen ganz gewöhnlichen Küstenort halten. Doch dieser Ort hat auf den Kanaren einen anderen Namen: „Muelle de la vergüenza“ – Kai der Schande.

Hier harrten auf dem Höhepunkt der kanarischen Migrationskrise 2020 Tausende Menschen unter elenden Bedingungen aus. Sie kamen erschöpft in Holzbooten aus Westafrika an. Sie schliefen auf Beton, zwischen Absperrgittern, in provisorischen Lagern, die nie für solche Menschenmengen gedacht waren. Arguineguín wurde Symbol einer europäischen Überforderung.

Der Hafen war eine der wichtigsten Stationen zum Abschluss der einwöchigen Spanienreise von Papst Leo XIV. Es ist die Etappe mit der wohl stärksten politischen Symbolik: eine Reise, die in Madrid mit Warnungen vor Populismus, Hassreden und Mauern begann, in Barcelona an der berühmten Gaudí-Basilika Sagrada Família einen Glanzpunkt hatte – und an Europas südwestlicher Grenze endet. In Arguineguín ging es um die Menschen, die die gefährliche Atlantikroute überlebt haben.

Der Besuch des Papstes verband ihre Geschichten mit einem Gedenken an die Toten: mit einem Blumenkranz im Meer und der Segnung eines Kreuzes, das aus Holzresten eines gestrandeten Migrantenbootes gefertigt wurde.

„Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, Tote zu zählen“, sagte Leo im Hafen von Arguineguín. Die Menschenwürde habe „keinen Pass“ und verliere ihren Wert nicht, wenn ein Mensch eine Grenze überschreite. Die Ankommenden seien Menschen mit Familien und Träumen, die niemand verachten dürfe. Zugleich warnte er davor, sich Schleusern anzuvertrauen: Falsche Versprechen von einem Paradies seien „Sirenenlieder“ und „Industrien des Todes“.

An die Regierungen gerichtet sagte er: Europa könne nicht die Menschenwürde beschwören und sich zugleich daran gewöhnen, „dass Mittelmeer und Atlantik zu Friedhöfen ohne Grabsteine werden“. Die Migranten seien „keine Zahlen und keine Akten“. Der Papst forderte legale und sichere Migrationswege, Rettung und Hilfe auf See, eine Zusammenarbeit gegen Schleuser sowie Schutz für die Opfer. Auf den Kanaren erhielt das katholische Kirchenoberhaupt ein besonderes Geschenk: ein Gemälde, geschaffen vom senegalesischen Migranten Mbaye Dieng und dem kanarischen Künstler Marcelo Mellino.

Dieng kam vor drei Jahren per Boot in Arguineguín an. Auf dem Bild sind Cayucos zu sehen, die Holzkähne, mit denen Tausende von Westafrika aus Richtung Kanaren aufbrechen. Auf einem der Boote steht: „Europa o morir“ – Europa oder sterben. Die Kanaren kennen dieses Drama seit Jahren.

Viele Boote starteten in Senegal, Gambia, Mauretanien oder Marokko. Die Überfahrt kann mehr als eine Woche dauern. Die Boote sind für den rauen Atlantik kaum geeignet. Motorpannen, Wassermangel und Wellen machen die Route zu einer der riskantesten Fluchtstrecken der Welt.

Inzwischen sind die Ankunftszahlen deutlich zurückgegangen – nicht nur in Spanien, sondern an vielen europäischen Außengrenzen. Laut Frontex sank die Zahl der irregulären Grenzübertritte in die EU seit Jahresbeginn um 40 Prozent. Auf der westafrikanischen Route Richtung Kanaren fiel der Rückgang besonders stark aus: Spaniens Innenministerium registrierte bis Ende Mai auf den Kanaren rund 3000 Bootsflüchtlinge – 70 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Doch von Entwarnung wollen die Helfer auf den Kanaren nicht reden.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Caminando Fronteras starben allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 1317 Menschen beim Versuch, Spanien über das Meer zu erreichen. Zu den Menschen, deren Geschichten beim Papstbesuch im Mittelpunkt stehen, gehört der 19-jährige Mohammed Sellow Jallow aus Gambia. Er erreichte 2023 als Minderjähriger Teneriffa. Doch die Unsicherheit endete nicht mit der Ankunft an Land.

Als er volljährig wurde, fiel er aus dem staatlichen Schutzsystem für Minderjährige.

„Mit 18 war ich plötzlich auf der Straße“, erzählt er. Schließlich fand er bei der kirchlichen Hilfsorganisation Caritas Obdach und lernt nun für seine Zukunft. Er wolle Schweißer oder Tischler werden, sagt er. Auch Ousseynou gehört zu den Stimmen von Arguineguín.

Der Fischer aus Senegal kam 2020. Heute arbeitet er als Koch in einem Hotel in Arguineguín – dort, wo er vor sechs Jahren mit seinem Boot antrieb. Wenn er den Hafen sieht, kommen Erinnerungen hoch: die überfüllte Hafenmole, die erste Nacht auf dem Boden. Das Schicksal seines Bruders, der nie ankam, weil er die Überfahrt nicht überlebte.

Spaniens Mitte-links-Regierung von Pedro Sánchez hat beschlossen, dass Hunderttausende der irregulär im Land lebenden Migranten Aufenthalts- und Arbeitspapiere erhalten. Die Wirtschaft – vor allem Tourismus, Bau und Pflege – brauche die ausländischen Arbeitskräfte, heißt es. Die Kirche unterstützt diesen Kurs. Die konservative Volkspartei PP und die Rechtsaußenpartei Vox lehnen ihn ab.

Helfer wollen Arguineguín nicht „Kai der Schande“ nennen. Es habe damals auch viel Solidarität gegeben, erinnert sich Tito Villarmea vom Seenotrettungsdienst.

„Das ganze Dorf hat geholfen. “ Nachbarn hätten Wasser, Essen und Kleidung gebracht, die Einsatzkräfte bis zum Umfallen gearbeitet. Für ihn sei Arguineguín ein „Kai des Stolzes“.

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