Aloysius Widmann, Jahrgang 1990, hat Philosophie und Volkswirtschaftslehre in Wien und München studiert. Seit 2022 ist er Redakteur im Economist. Seine Themen sind Banken, Welthandel und der Standort Österreich. Manchmal verirrt er sich auch in die Wirtschaftsphilosophie.
Mit der Reform der betrieblichen Vorsorge wird die kapitalgedeckte Pension gestärkt. Für Österreichs Wirtschaft springt zumindest anfangs wenig raus. Aber langfristig würde sie von einer starken kapitalgedeckten Pension profitieren.betriebliche Vorsorge soll allen Beschäftigten offenstehen, nicht nur jenen 25 Prozent, deren Betriebe bereits freiwillig in eine Pensionskasse einzahlen.
Ein neues Modell neben der „Abfertigung neu“ soll zudem dafür sorgen, dass Beträge risikoreicher angelegt werden können. Der Vorsorgeverband spricht von der größten Reform der betrieblichen Altersvorsorge seit Einführung der Pensionskassen.
„Die Reform schafft die Voraussetzungen dafür, dass deutlich mehr Menschen in Österreich Zugang zu einer lebenslangen Zusatzpension erhalten“, so der Fachverband zur „Presse“. Doch selbst wenn künftig deutlich mehr Vorsorgekapital veranlagt wird, dürfte die heimische Wirtschaft davon kaum profitieren.der Österreichischen Nationalbank nahe. Demnach veranlagen heimische Pensionskassen 94 Prozent ihres Veranlagevolumens in Investmentfondsanteile, 72 Prozent davon sind inländische Investmentfonds – was die OeNB-Experten mit der betrieblichen Nähe von Pensionskassen zu Kapitalanlagegesellschaften erklären.
Diese Gesellschaften übernehmen die Veranlagung der Kassenbeitrage, wobei der größte Teil im Ausland veranlagt wird. Über alle Wertpapierveranlagungen der heimischen Pensionskassen hinweg ergibt sich laut OeNB ein sogenanntes „Auslandsexposure“ von 93 Prozent. Der größte Einzelposten sind US-Wertpapiere mit 14 Prozent aller Auslandsinvestments. Österreichs Vorsorgekassen sind zu 88 Prozent im Ausland investiert.
Und das ist auch im Interesse jener, die Ansprüche bei den Vorsorge- und Pensionskassen aufbauen sowie der Leistungsbezieher. Wer Risiken begrenzen will, sollte sein Vermögen möglichst breit streuen, also sprichwörtlich nicht alle Eier in einen Korb legen.
Zudem reagieren kleinere Kapitalmärkte wie der Österreichische tendenziell stärker auf internationale Schocks. Aufgabe der Pensionskassen ist es Risiken zu minimieren und hohe Performances zu erzielen, heißt es vonseiten des Vorsorgeverbands: „Deshalb wird international in verschiedenen Ländern, Kontinenten und Branchen veranlagt.
“ Und auch Carmen Treml von der wirtschaftsliberalen Agenda Austria erklärt: „Kapital geht dorthin, wo Rendite und Risiko im richtigen Verhältnis stehen. “ Dass der heimische Kapitalmarkt so klein ist und es hier wenige Anlagemöglichkeiten gibt, ist ein Befund über den Standort, nicht über die Anleger. Wobei: Damit die heimische Wirtschaft von der betrieblichen Vorsorge profitiert, ist es gar nicht notwendig, dass die Kassen einen größeren Teil des Kapitals nach Österreich lenken.
Es reicht schon, wenn der Kapitalstock in der betrieblichen Vorsorge wächst. Die Ansprüche der österreichischen Haushalte aus der betrieblichen Vorsorge entsprachen 2025 gerade einmal 14 Prozent der Wirtschaftsleistung . Damit lag Österreich gleichauf mit Bulgarien und hinter der Slowakei. In den Niederlanden beliefen sich die Ansprüche dagegen auf 131 Prozent des BIP, in Dänemark sogar auf knapp 210 Prozent.
Wenn nur ein paar Prozent vom Doppelten der Wirtschaftsleistung im Inland investiert werden, ist das immer noch sehr viel Geld, sagt Wifo-Ökonom Thomas Url zur „Presse“. Das wichtigste sei jedenfalls, so der Ökonom, dass die kapitalgedeckte Vorsorge einmal in die Gänge komme. Auch die Dänen, die vielen als Vorbild gelten, hätten klein angefangen und die betriebliche Vorsorge – also die sogenannte zweite Säule – dann sukzessive aufgebaut, sagt Url.
In Dänemark floss über Jahre hinweg immer wieder ein Teil der Lohnerhöhungen in die betriebliche Vorsorge. Einen ähnlichen Weg kann sich auch OeNB-Gouverneur Martin Kocher für Österreich vorstellen,Denn Experten sehen einen Zusammenhang zwischen der Tiefe des Kapitalmarkts und dem Ausbau der kapitalgedeckten Vorsorge. Ein großer Kapitalstock kann den heimischen Kapitalmarkt stärken. Ein tiefer, liquider Kapitalmarkt macht es umgekehrt leichter, Vorsorgegelder im eigenen Land anzulegen.
Und so überrascht es nicht, dass Dänemark mit seiner starken zweiten Säule auch einen Kapitalmarkt hat, der groß genug ist, um einen Weltkonzern Novo Nordisk hervorzubringen. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung aller im heimischen ATX gelisteten Unternehmen betrug zuletzt rund 195 Mrd. Euro, der dänische Pharmariese allein ist an der Börse rund 150 Mrd. Euro wert.
Letztlich werden heimische Kassen nur dann stärker im Inland investieren, wenn der heimische Kapitalmarkt attraktiver wird. Sie lassen sich auch kaum zu Inlandsinvestitionen zwingen: Eine gesetzliche Vorgabe, Pensionskassen gezielt zu mehr Investments in Österreich zu verpflichten, wäre mit dem unionsrechtlichen Rahmen nur schwer vereinbar, wie das Finanzministerium gegenüber der „Presse“ betont. Wobei es in Österreich schon einmal einen Versuch gab, betriebliches Vorsorgekapital in den heimischen Aktienmarkt zu lenken. Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser führte 2005 einst die sogenannte „prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge“ ein.
Ein bestimmter Prozentsatz des Vorsorgekapitals musste vorwiegend an kleinen Börsen veranlagt werden, in der Praxis war das meist der heimische ATX. Damit viele mitmachen, gab es eine staatliche Prämie. Anfangs war das Produkt ein Renner, doch dann kam die Finanzkrise und die Gewinne brachen weg. Ab 2012 wurde die staatliche Förderung sukzessive heruntergefahren, gleichzeitig performte die „prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge“ im Niedrigzinsumfeld schwach.
Und so sank die Nachfrage. Der Bestand an aufrechten PZV-Verträgen hat sichseit dem Rekordwert von mehr als 1,6 Millionen im Jahr 2012 auf rund 782.000 im Berichtsjahr 2024 mehr als halbiert. Die österreichischen Pensionskassen veranlagen mehr als 50 Milliarden Euro. Die langfristige Performance liegt seit 1991 bei 5,02 Prozent im Jahr.
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