Harald Vodosek übernimmt das Amt des Generalstabschefs des Bundesheeres und sieht erheblichen Verbesserungsbedarf beim Umgang mit Grundwehrdienern. Er warnt vor hybriden Bedrohungen und betont die stabilisierende Wirkung der Streitkräfte vor dem Hintergrund der geopolitischen Lage.
Der bisherige Rüstungsdirektor des Bundesheer es, Harald Vodosek, übernimmt heute das Amt des Generalstabschef s. Er sieht beim Umgang mit Grundwehrdienern Verbesserungspotenzial. Streitkräfte könnten in diesen Zeiten eine „stabilisierende Wirkung“ haben.
Zu beobachten sei, dass immer mehr versucht werde, westliche Gesellschaftssysteme aus dem Gleichgewicht zu bringen, warnt der neue Generalstabschef Harald Vodosek.
„Wie stabil sind unsere Gesellschaftssysteme, bevor sie kippen? “ Diese Frage treibt Harald Vodosek an. Der bisherige Rüstungsdirektor des Bundesheeres wird heute, Dienstag, offiziell den Posten als neuer Generalstabschef übernehmen. Am Montag gab er zuvor bei einem Hintergrundgespräch seine Einschätzung zur sicherheitspolitischen Lage und zu den Reformplänen der Koalition ab.
„30 Jahre haben wir gedacht, es ist alles in Ordnung und es kann nichts mehr passieren“, sagte Vodosek mit Blick auf den Zerfall der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre. Mittlerweile gelange man in der Gesellschaft aber zunehmend zur Ansicht, dass „nicht alles friedlich ist“. Die größte Herausforderung für den General ist der Cyber-, Welt- und Informationsraum. In diesem Bereich sei Österreich von den Auswirkungen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine bereits betroffen: „Das ist ein Fakt.
“Österreich werde bereits, etwa im Cyberraum, angegriffen – und könne sich auch dagegen verteidigen, sagte der General. Regelmäßig werde der Luftraum europäischer Staaten verletzt, beispielsweise durch Drohnen, die in Rumänien oder Polen über die Grenzen fliegen. Dabei handle es sich nicht um Zufälle, sondern um Provokationen Russlands. Das gelte auch für russische Manöver in der Nord- und Ostsee.
Zu beobachten sei, dass immer mehr versucht werde, westliche Gesellschaftssysteme aus dem Gleichgewicht zu bringen, warnte Vodosek. Etwa, indem wichtige Transportrouten eingeschränkt oder gar blockiert werden. Dies wirke sich massiv auf die wirtschaftliche Lage auch in Österreich aus. Über starke und handlungsfähige Streitkräfte zu verfügen, könnte hier für ein Land „stabilisierende Wirkung“ haben.
In Österreich warten auf den General in den nächsten Monaten vor allem zwei große Brocken: die Reform der Wehrpflicht und die Verhandlungen über eine Sonderfinanzierung für Militärkäufe wie die Eurofighter-Nachbeschaffung. Zum neuen Wehrdienst laufen derzeit die Gespräche zwischen der Regierung und der Opposition. Zum Beschluss der geplanten Reform braucht es eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat, da es sich teilweise um Verfassungsmaterien handelt.
Fest steht, dass der Wehrdienst von sechs auf neun Monate verlängert werden soll: Auf den sechsmonatigen Grundwehrdienst sollen künftig drei Monate Truppen- und Milizübungen folgen. Für Vodosek handelt es sich um eine deutliche Verbesserung zum derzeitigen System. Das ist ein „ultimativer und maximaler Gewinn für die Sicherheit der Republik Österreich“. Im Bundesheer werde man personell und logistisch jedenfalls gefordert sein.
Der General zeigt sich aber optimistisch, dass sich weiterhin ausreichend junge Männer für den Wehrdienst melden werden. Die geplante Erhöhung des Soldes von derzeit 600 auf 1000 Euro sei hier sicherlich hilfreich, meinte Vodosek.
Allerdings müsse das Bundesheer auch an seinem Umgang mit Grundwehrdienern arbeiten. Diese sollten als „Mitarbeiter“ und nicht als „Weisungsunterworfene“ gesehen werden. Turbulenzen hatte es intern zuletzt um das Bundesheer-Budget gegeben. Der Aufbauplan des Militärs baut nämlich darauf auf, dass das Budget bis zum Jahr 2032 schrittweise auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts angehoben wird.
Davon ist man derzeit weit entfernt, einige Beschaffungen müssen daher verschoben oder in einer abgespeckten Variante umgesetzt werden. Vodosek sieht die Budgetentwicklungen sehr positiv, das Budget sei in den vergangenen Jahren stark angestiegen.
„Das Zwei-Prozent-Ziel wird von der Regierung auch nicht hinterfragt, es wird nach wie vor angestrebt“, sagte Vodosek. Er erwartet auch keine Probleme rund um die Sonderfinanzierung der Eurofighter-Nachfolge. Beim Kauf der bodengebundenen Luftabwehr mittlerer Reichweite rechnet er mit einer Typenentscheidung im ersten Quartal 2027, „vielleicht aber auch schon 2026“.
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