E-Zigaretten sind für jugendliche Anwender deutlich schädlicher als erwartet, sagen Mediziner. Was zu dieser Einschätzung führt.
Die Einschätzung der beiden Forscher klingt alarmierend: „Extrem beunruhigend“, lautet das Urteil der britischen Pädiater Will Carroll und Francis Gilchrist, das „Ausmaß der schädlichen Effekte ist größer als erwartet“.
Die Formulierungen stammen aus einem Artikel, der soeben auf dem Online-Portal des Fachjournals „Nature“ erschien, und beziehen sich auf Accessoires, die sich seit geraumer Zeit großer Beliebtheit erfreuen: auf E-Zigaretten, deren Nutzen oder Schaden immer wieder in Studien erörtert und kontrovers debattiert wird. Die Wissenschafter beleuchteten nun als Koautoren einer großen Übersichtsarbeit speziell die Folgen des Dampfens für jugendliche Anwender – und gelangten zum Schluss, dass die gesundheitlichen Konsequenzen durchaus verheerend sein können.
„Wir identifizierten eine bedenkliche Bandbreite möglicher Risiken von Vaping in jungem Alter“, so die Konklusio in „Nature“. Dabei hatten E-Zigaretten, die nikotinhaltige Flüssigkeiten, sogenannte Liquids, verdampfen, zunächst vor allem Vorteile versprochen – besonders für Menschen, die hofften, damit dem Konsum konventioneller Zigaretten entsagen zu können. Und für diese Personen, so „Nature“, könne Vaping auch tatsächlich sinnvoll sein. Denn keine Methode, um mit dem Rauchen aufzuhören, sei erfolgversprechender als der Weg über elektronische Zigaretten.
Allerdings: Für junge Menschen, die bisher nicht geraucht haben, sieht die Sachlage wohl anders aus. Die Forschenden verweisen dabei auf den Mechanismus der Nikotinzufuhr: Liquids beruhen häufig auf sogenannten Nikotinsalzen, die gewissermaßen Fluch und Segen sind. Dank ihrer Chemie erbringen sie zwei Effekte zugleich: eine vergleichsweise bekömmliche Inhalation ohne Kratzen im Hals sowie einen sehr schnellen Anstieg des Nikotinpegels im Blut – und im Gehirn.
Ein angenehmes Dampfgefühl, häufig verstärkt durch Aromen, tritt somit in Kombination mit einer Art Nikotin-Flash auf. Außerdem seien in vielen der verdampfenden Flüssigkeiten noch weitere Substanzen enthalten, darunter Schwermetalle und Nanopartikel. Wie sich der Cocktail in Summe auswirke, sei im Moment noch schwer absehbar – doch viel deute auf ernsthafte Gesundheitsrisiken für Jugendliche hin. Dazu zählen den Autoren zufolge unter anderem: entzündliche, immunschädliche, krebs- und suchtfördernde Wirkungen sowie Beeinträchtigungen der Mund- und Zahngesundheit.
Weiters berichten die Forschenden von Augenirritationen wie Jucken, Rötungen und verschwommener Sicht. Und schließlich streichen sie hervor, dass Vaping offenbar auch ein Problem für die mentale Gesundheit sei, bedingt vermutlich dadurch, dass die rasche Nikotinzufuhr auf das zentrale Nervensystem einwirke. Und was sagen die Mediziner dazu, dass der traditionellen Annahme zufolge E-Zigaretten um mehr als 90 Prozent weniger Schaden anrichten als herkömmliche Tabakwaren? Für diese häufig genannte Zahl, so „Nature“, sei eine faktische Grundlage nicht wirklich zu ermitteln.
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