Musiktheatertage Wien: Uchronia und das Ende der Liebe

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Musiktheatertage Wien: Uchronia und das Ende der Liebe
Musiktheatertage, Stephansdom, Uchronia

Die Musiktheatertage Wien entführen das Publikum in eine mirakulöse Parallelwelt im Stephansdom und erzählen im MuTh die tragische Geschichte eines Segelmachers und seines magischen Kranichs.

Die Musiktheatertage Wien bieten gruseliges Musiktheater nachts im Stephansdom, eine musikalische Begehung des Wasserturms Favoriten und andere Leckerbissen. Wenn die Daseinsberechtigung von Festivals ist, Außergewöhnliches in den Alltag zu zaubern, dann erfüllen die Musiktheatertage ihren Zweck in dieser Saison fabelhaft.

Das Publikum, das am Donnerstag in der Nacht im Stephansdom der Premiere von "UCHRONIA - was wäre wann" beiwohnte, wurde zumindest in eine mirakulöse Parallelwelt sondergleichen entführt. Der Abend begann auf dem Altar, wo man in den seitlich angeordneten Holzsedilien Platz nahm. Allein das fühlte sich schon verboten an: Nachts in der grün ausgeleuchteten Kathedrale auf dem Altar zu sitzen.

Erst recht, als dann eine in waldorfartig gehäkelte Kleider gehüllte DJane mitten auf dem Altar mit zwei Turntables Naturgeräusche zu Sound-Art verwandelte. Im Programm wurde der Abend als eine "Performance zwischen dekolonialisierender Hypergregorianik, Solarpunk-Orgel und Elektronik" verkauft, konzipiert von Jorge Sánchez-Chiong. Die Hypergregorianik bekam man in der Mitte des Kirchenschiffs serviert, als ein kleiner Männerchor (Choralschola St. Stephan) zu bedrohlich wirkenden Orgelbässen in weißen Gewändern unisono singend auf das Publikum zulief.

Den Sängern fehlte nur der spitze Hut mit Augenlöchern, um völlig wie Mitglieder des Ku-Klux-Klans auszusehen; auch so war es eine etwas verstörende Erfahrung. Die Posaunistin Chloé Ryo wandelte dazu wie eine Todesgöttin durch das Publikum. Ganz sicher konnte man sich in diesem sonderbaren Moment nicht sein, ob sie bald den letzten Posaunenstoß der Apokalypse abgeben würde. Dazu kam es aber nicht, die Zuschauer verließen den Dom lebendig, wenn auch aufgewühlt.

Am gleichen Abend lief im MuTh mit "The Sailmaker's Wife" eine weitere erfolgreiche Premiere der MTTW über die Bühne. Komponistin Kristin Norderval und Librettist Julian Crouch verarbeiteten eine japanische Fabel zu einem berührenden Kammerdrama über Liebe, Gier und Kapitalismus. Es ging um einen armen Segelweber (Steven Scheschareg), der einen Kranich rettete (Kaoko Amano), der wiederum als Dank in Form einer Frau bei ihm einzog.

Sie webte ihm widerwillig drei magische Segel, die Reichtum, Überfischung und das Ende der Liebe zwischen den beiden Protagonisten bewirkten. Szenisch und dramaturgisch brachte Regisseurin Theresa Jarczyk das Stück mit minimalen Mitteln auf die Bühne. Sie begnügte sich mit ein paar Projektionen von Umweltverschmutzung und Schwerindustrie auf hängende Tücher, die auch die Segel verkörperten.

Die Schlichtheit der Bühne und der Handlung war eine der Stärken des Abends, die zweite war die Musik: Norderval hat keine Angst vor reinen Harmonien, das Stück wirkt trotzdem kein bisschen antiquiert. Fünf Musiker von Studio Dan spielten auf der Bühne auch schauspielerisch mit und interpretierten die fließende, oft rhythmisch pulsierende Musik Nordervals mit ansteckender Leidenschaft. Die Musiktheatertage bringen bis zum 27. September noch eine Reihe von Premieren, unter anderem eine "musikalisch bildnerische Forschungsreise durch den Wiener Wasserturm" in Favoriten. Wer das Außergewöhnliche sucht, wird hier fündig

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