Mögliche Verlängerung des Zivildienstes sorgt für Diskussionen

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Mögliche Verlängerung des Zivildienstes sorgt für Diskussionen
Zivildienst, Wehrdienstreform, Bundesheer

Die Bundesregierung plant, den Wehrdienst von sechs auf neun Monate zu verlängern. Bei einem deutlichen Rückgang der Anwärterzahl könnte auch der Zivildienst nach einem Jahr um zwei Monate auf insgesamt elf Monate ansteigen. Jüngere Zivildienstpflichtige und künftige Anwärter bewerten die Aussicht auf ein fast einjähriges Freiwilligendienstverhältnis unterschiedlich, sehen darin aber auch Chancen für Erfahrungen und persönliche Weiterentwicklung.

Ein knappes Jahr lang aushelfen bei der Rettung, im Altersheim oder im Kindergarten: Wie denken künftige und derzeitige Zivildiener über die mögliche Neuregelung denken. Fabio Wuff ist seit dem Sommer Zivildiener beim Wiener Roten Kreuz.

Der gelernte Koch hat für sich damit eine zweite Job-Option gefunden - und Einblicke ins echte Leben gewonnen.

„Ich mache mir keine großen Sorgen, ob sich durch einen längeren Zivildienst bei mir etwas nach hinten verschiebt. Ich habe ja noch genug Zeit im Leben“, sagt Clemens Kos. Der Grazer Schüler ist 16 Jahre alt und wird in ein paar Jahren wohl von einer möglichen Neuregelung des Zivildienstes betroffen sein. Denn dass er nicht zum Bundesheer will, da ist er sich relativ sicher.

„Ich würde gern zur Rettung, das finde ich interessant. Ich bin da eigentlich auch eher unerschrocken“, sagt Kos.

Außerdem würde das auch gut mit seinem Wunsch zusammenpassen, irgendwann einmal Physiotherapeut zu werden.

„Natürlich wäre es ohne Zivildienst oder Wehrdienst cooler, also ich reiß mich nicht darum“, sagt Clemens Kos. „Aber ich versteh auch völlig, warum der Staat das eingeführt hat. “ Nachdem sich die Bundesregierung schon im Juli auf eine Wehrdienstreform geeinigt hat, folgte im September die Einigung auf eine neue Zivildienstregelung.

Sollte die Zahl der Anwärter nach der Verlängerung des Wehrdienstes von sechs auf neun Monate zu stark sinken, soll nach einem Jahr auch der Zivildienst um zwei Monate auf insgesamt elf Monate verlängert werden. Noch ist die Reform allerdings nicht beschlossen. Gerade für junge Anwärter ist die Aussicht trotzdem nicht immer verlockend.

„Es ist halt schon fast ein ganzes Jahr, das man mit Zivildienst verbringt. Man lernt sicher viel und ich glaube auch nicht, dass es so anstrengend ist, aber ich finde es schon nicht so gut, dass ich das machen muss“, sagt der 16-jährige Georg Grasl aus Niederösterreich. Immerhin werde er dann auch knapp ein Jahr nicht besonders gut verdienen. Im Freundeskreis werde trotzdem kaum über die Neuerung diskutiert.

Wie sein Bruder würde er gern den Zivildienst bei der Rettung in seinem Dorf absolvieren. Danach würde er gern „etwas mit Computern“ machen. Für Ferdinand Mayer, den Leiter der Zivildienstserviceagentur, ist die Verlängerung sowohl vom Wehrdienst als auch in der Folge des Zivildienstes im Wesentlichen eine gute Nachricht. Die Agentur vermittelt Anwärter an Zivildienststellen im ganzen Land und listet freie Plätze auf ihrer Webseite.

Anwärter können sich entweder für Wunschstellen direkt bei den Anbietern bewerben – was rund 80 Prozent von ihnen auch tun –, oder sie lassen sich von der Agentur vermitteln.

„Wir kämpfen auch mit geburtenschwachen Jahrgängen und decken nur 90 Prozent des Bedarfs ab“, so Mayer. 2025 etwa waren 16.591 Stellen ausgeschrieben, 14.884 Zivildiener wurden zugewiesen. Am besten wird der Bedarf noch in Wien und Oberösterreich gedeckt, am schlechtesten in Kärnten und Salzburg . Er rechnet mit mehr Andrang auf Zivildienststellen, sobald der Wehrdienst verlängert wurde.

„Wir tun uns nicht schwer, die Burschen zu vermitteln, ganz im Gegenteil. Wenn dann auch die Zivildienstreform so kommt, wie sie kommuniziert wurde, wird sich für uns die schwerer abzudeckende Saison zwischen Februar und Juni verkürzen“, sagt Mayer. Am beliebtesten seien übrigens Stellen in der Kinderbetreuung, etwa in Kindergärten, im Umweltschutz und im Rettungswesen: „Ich glaube, weil es in dem Alter cool ist, mit dem Auto zu fahren und Gore-Tex-Jacken zu tragen“.

Hätte eine längere Dauer von elf Monaten bei derzeitigen Zivildienern etwas an ihrer Entscheidung geändert? Für Christoph Sövegjarto, der gerade seinen Zivildienst im „Haus St. Teresa“, einem Pflegewohnheim der Caritas Wien, leistet, war nach der Stellung klar, dass er nicht zum Heer möchte, sondern in einer Pflegeeinrichtung arbeiten will. Würde der Zivildienst aber elf Monate dauern, hätte er es sich vielleicht überlegt, meint er.

Da er darüber nachdenkt, danach zu studieren, wären elf Monate „vielleicht ein bisschen ein Problem“, damit sich Studienbeginn respektive die Vorbereitung auf Aufnahmeprüfungen für gewisse Studienfächer zeitlich ausgeht, ohne gleich ein Semester zu verlieren. Michael Huber, Haus- und Pflegedienstleiter im „Haus Teresa“, hofft, dass sich viele Jugendliche auch im Falle einer Verlängerung für den Zivildienst entscheiden.

Für zahlreiche Einrichtungen seien sie eine wertvolle Unterstützung, in der Caritas Wien, die immer zwischen 165 und 175 Zivildiener beschäftigt – die meisten davon in Pflegeeinrichtungen – seien sie „eine ganz, ganz wichtige Ressource. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ohne Zivildiener wäre“. Profitieren würden alle, so Huber: Das Personal, das durch die Unterstützung entlastet wird, die Seniorinnen und Senioren, die weitere – und immer wieder neue – soziale Kontakte haben.

Und natürlich die jungen Männer selbst: „Ich mache hier wirklich sehr viele gute Erfahrungen, natürlich teilweise auch traurige, weil man manche Menschen bis zum Sterben begleitet“, sagt der 19-jährige Sövegjarto. Pflegerische Tätigkeiten wie das Waschen der Bewohner übernehmen Zivildiener natürlich nicht, zu Sövegjartos Aufgaben gehören Frühstück und Mittagessen herrichten, Wäsche einschlichten, die Seniorinnen und Senioren zum Arzt oder anderen Terminen begleiten oder auch einfach Zeit für die Bewohner zu haben: Tratschen, Kartenspielen.

„Man merkt einfach“, sagt er, „dass man etwas Gutes tut und den Menschen hilft. Das ist echt was Schönes.

“ Auch wenn er an sich ein Studium plant, kann er sich auch vorstellen, in diesem Bereich tätig zu bleiben. Auch für den heute 22-jährigen Leon Preisinger war das Heer keine wirkliche Option, „ich wollte etwas Gutes tun“. Preisinger hat sich nicht selbst um einen Zivildienst-Platz bemüht und wurde dem „Haus St. Teresa“ zugeteilt, davor hatte er die Handelsschule abgebrochen, „ich war wirklich nicht sehr diszipliniert und die neun Monate Zivildienst haben mir gezeigt, dass ich mich ändern muss“.

Für ihn war der Zivildienst „das goldene Ticket“, wie er heute sagt, „es war von Tag eins an super. Ich war meistens der gleichen Wohngruppe zugeteilt, und da gab es Bewohner, mit denen ich mich besonders gut verstanden habe.

“ Schnell war für ihn klar, dass er hier „unbedingt bleiben will“ – tatsächlich konnte er nach dem Zivildienst eine Lehre als Bürokaufmann im selben Pflegeheim absolvieren und ist seit kurzem als Assistent des Heimleiters tätig. „Als Jugendlicher ist man immer am Handy, sieht immer nur andere Jugendliche. Man wird durch den Zivildienst aus dieser Blase gezogen, im guten Sinn“, sagt er. Hätte der Zivildienst damals schon elf Monate gedauert, Preisinger hätte sich trotzdem dafür entschieden, „ganz klar“.

Fabio Wuff, 19 Jahre alt, hat im Juli seinen Zivildienst beim Wiener Roten Kreuz begonnen.

„Eine Bekannte meiner Oma, eine Ärztin im Krankenhaus, meinte: Warum gehst du nicht zum Roten Kreuz? Da lernst du etwas fürs Leben und etwas, das du dein Leben lang brauchen kannst.

“ Zum Bundesheer zu gehen, das war für ihn nicht wirklich eine Option. „Man muss nur in die Politik schauen, was auf der Welt los ist. Ich habe mir gedacht: Willst du lernen, wie man Menschen rettet oder wie man sie umbringt?

“Seit der mehrwöchigen Ausbildung zum Rettungssanitäter ist Fabio Wuff nun im Krankentransport oder auch im Rettungswagen bei Blaulichteinsätzen dabei. Und schon nach den wenigen Wochen habe er etwas fürs Leben gelernt: „Wir haben die Reanimation so oft geübt, das sitzt wirklich. Und man lernt genau, wie man dem Notarzt assistiert.

“ Der Dienst beschere auch allgemein „Lebenserfahrung“: Wie leben die Leute, was erwartet einen im Alter? „Wenn ich sehe, wie es jemandem geht, der sein Leben lang schwerer Kettenraucher war, merke ich schon, dass es besser wäre, nicht so viel zu rauchen. “ Ob er auch nach seinem Zivildienst als Sanitäter im Einsatz sein will, das hält sich Wuff noch offen. „Ich bin eigentlich Koch, ich habe nach meiner Lehre den Zivildienst begonnen.

Das Kochen ist meine Leidenschaft, da möchte ich mich weiterbilden, noch andere Küchen kennenlernen. Aber die Gastro ist auch ein schwerer Job – wenn ich etwas anderes machen will, habe ich jetzt zwei Optionen in Bereichen, in denen Leute gesucht sind und die mir gefallen. Rettungssanitäter ist mein Plan B.“

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