MED-EL präsentiert unsichtbares Cochlea-Implantat

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MED-EL präsentiert unsichtbares Cochlea-Implantat
MED-El, Cochlea-Implantat, Medizintechnik

Das Unternehmen MED-El hat das erste vollständig unter der Haut implantierte Cochlea-Implantat vorgestellt, das durch ein integriertes Mikrofon und eine wiederaufladbare Batterie unsichtbar und pflegeleicht ist.

Die Firma MED-El hat das erste völlig unter der Haut liegende Cochlea-Implantat entwickelt. Es ist quasi unsichtbar – wie der Hörverlust selbst, sagt Gründerin Ingeborg Hochmair.

Ja, sehr. Wir wollten schon immer ein Cochlea-Implantat entwickeln, das man nicht sieht. Das für den Träger keinen Umstand bedeutet, mit dem man sich nicht tagtäglich befassen muss: Wo man Teile vergessen kann, immer auf Batterien achten muss usw. Das haben wir nun endlich geschafft, nach langer, langer Entwicklungszeit.

Ein richtiger Meilenstein. Welche Hürden gab es bei der Entwicklung des ersten kommerziell verfügbaren Cochlea-Implantats, das ganz unter der Haut liegt? Eine Herausforderung war, ein implantierbares Mikrofon zu entwickeln, das gleich gut funktioniert wie eines, das man am Ohr in einem Hörgerät trägt. Das hat Jahre gedauert, ist aber gut gelungen.

Man bemerkt keinen Unterschied zwischen den beiden Mikrofonen. Die andere Herausforderung war die implantierbare, wiederaufladbare Batterie: Wir mussten die Herstellungsprozesse anpassen und viel niedrigere Temperaturen verwenden. Ich hatte schon mit 13 Jahren den Traum, durch Technik Menschen zu helfen. Ich habe dann Elektrotechnik studiert an derJa.

Das war knapp vor meinem Diplomabschluss. Er hat mich gefragt, ob ich interessiert daran wäre, bei einem Entwicklungsprojekt über Cochlea-Implantate mitzumachen, bei dem man durch elektrische Stimulation Höreindrücke erwecken könnte. Da habe ich mir gedacht, das ist die Chance deines Lebens, deinen Traum zu verwirklichen. So hat alles begonnen. 1977 ist Ihnen ein Durchbruch gelungen mit dem weltweit ersten mikroelektronischen Mehrkanal-Cochlea-Implantat.

Ist das jetzt ein ähnlich großer Schritt? Damals war uns das nicht so bewusst. Wir waren jung, es war ein schöner Erfolg. Und es hat dann viele, viele Jahre Entwicklungsarbeit gebraucht, bis diese Systeme tatsächlich zur weltweiten Verbreitung einsatzbereit waren.

Das jetzt ist ein viel größerer Meilenstein, weil es zum allerersten Mal ein unsichtbares, zugelassenes Cochlea-Implantat gibt. Die ersten Nutzerinnen und Nutzer berichten uns von vielen Vorteilen ... Eine junge Mutter hat berichtet, wie wertvoll es für sie ist, ihre kleine Tochter mit dem neuen Implantat nun auch nachts zu hören. Meine eigene Tochter hat auch gerade ein ganz kleines Kind, man will sich natürlich rund um die Uhr darum kümmern können.

Die ursprüngliche Machbarkeitsstudie hat im Juni 2020 begonnen – wir haben also schon sechs Jahre Erfahrung mit einigen Patienten. Die erste Implantation fand in Lüttich statt, die nächste in München. Das erste zugelassene Cochlea-Implantat ist dann in Österreich implantiert worden: in Wien und gleich darauf in St. Pölten. Zunächst ja.

Und da es unter der Haut ein Mikrofon gibt, kann man es auch hören, wenn man mit den Fingern darüberstreicht. Aber es wird ein Teil des Menschen, weil es ja vollständig unter der Haut ist. Sehr ähnlich einem normalen Cochlea-Implant-Eingriff: Er dauert durch die zusätzliche Implantation des Mikrofons nur geringfügig länger – abhängig von der Anatomie und dem Setting zwischen einer halben Stunde und drei Stunden. Man muss schon sehr schwerhörig sein, um ein Kandidat für ein Cochlea-Implantat zu sein.

Das ist mit dem total implantierbaren System nicht anders. Dazu kommen einige Voraussetzungen – und natürlich das Interesse des Kandidaten. Nicht jeder wird ein voll implantierbares System wollen oder benötigen. Das ist Sache der Gespräche an den Kliniken und auch der Voruntersuchungen.

Das passt in das Bild der Cochlea-Implantation heutzutage, das ist individualisierte Präzisionsmedizin: Man wählt das System aus, das für den individuellen Kandidaten maßgeschneidert ist. Man macht vor der Operation eine chirurgische Planung, dazu gehört auch, dass man zum Beispiel die richtige Elektrodenlänge auswählt, die zur Anatomie des Innenohrs, der Schnecke, der Cochlea passt. Dadurch kann man von Anfang an ein möglichst richtiges Tonhöhenspektrum erzielen beim Einschalten des Gerätes und die Lernphase möglichst kurz halten.

Eignet es sich für angeborene Schwerhörigkeiten oder auch für solche, die durch Unfälle oder Traumata o. Ä. entstehen? Für all das. Auch das Alter liegt zwischen wenigen Monaten und ganz alten Menschen, die immer schwerhöriger geworden sind – eine sehr stark wachsende Kandidatengruppe.

»Gerade die, die mit der Zeit das Hören verlieren, finden sich damit ab – was für die Familien ein Problem ist, aber auch für sie selbst: Hörverlust kann kognitive Einschränkungen mit sich bringen.

«Ich hoffe, dass sich mit dieser großen Neuerung mehr Leute für eine Verbesserung ihres Hörens interessieren, denn viele Menschen ziehen sich zurück. Gerade die, die mit der Zeit das Hören verlieren, finden sich damit ab – was für die Familien ein Problem ist, aber auch für sie selbst: Hörverlust kann kognitive Einschränkungen mit sich bringen.

Und wenn man erfährt, jetzt gibt es eine Lösung, mit der man sich nicht beschäftigen muss, die ein Teil des Menschen wird, hoffe ich, dass sich mehr Leute dafür entschließen, Rat zu suchen, an die Kliniken zu gehen, und dann vielleicht so ein Implantat zu bekommen. Ganz unterschiedliche – diese Menschen kommen aus allen Bereichen der Gesellschaft.

Ein Teil sind taub geborene Kinder, die ab den 1980er-Jahren mit solchen Systemen versorgt wurden, und die Berufe aller Art, auch sehr anspruchsvolle, ergriffen haben. Es sind Leute dabei, die ihr Hören im Berufsleben unbedingt brauchen: Einsatzkräfte oder Leute im Nachtdienst in Kliniken usw. Cochlea-Implantate funktionieren in diesen Situationen seit einigen Jahren, auch bei aktivem Musizieren. Nicht für jeden im selben Ausmaß; doch nach vielen Jahrzehnten Weiterentwicklungsarbeit ist die Technologie alltagstauglich und viele Menschen profitieren davon.

Aber in aller Welt sind es immer noch zu wenig – und auch bei uns noch nicht genug. Taubheit und erhebliche Schwerhörigkeit sind sehr verbreitet, vor allem in ärmeren Ländern. Jedes taub geborene Kind sollte ein Cochlea-Implantat bekommen. Und wir sind weltweit etwa erst bei einem Drittel.

Ja, und es muss Infrastruktur aufgebaut werden. Wenn Sie an Afrika denken, da müssen auch Audiologen ausgebildet werden. Es muss für die Nachsorge gesorgt werden. Hörverlust ist eine unsichtbare Einschränkung und daher in der Gesellschaft nicht präsent genug.

Sie sind selbst einst aus der Wissenschaft gekommen. Welchen Stellenwert hat Forschung heute in Ihrem Unternehmen? Einen sehr großen. Wir investieren etwa 20 Prozent unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

Im Haus machen wir eher Entwicklung; Forschung machen wir mit etwa 200 Forschungskooperationspartnern. Und da es so viele weitere Themen gibt in unserem Gebiet, haben wir auch ein großes Team dafür: etwa 550 Leute. Das ist translationale Forschung: Sie beginnt bei der ersten Idee und geht dann über alle Stufen der präklinischen Forschung zur klinischen Forschung, eben durch die gesamte Entwicklung bis zur Zulassung und zur Rückerstattung in den Hauptmärkten. Es ist ein langer Prozess, ein neues System zu entwickeln.

Bei dem neuen, total implantierbaren Cochlea-Implantat hat die Entwicklung 15 Jahre gedauert und die Vorarbeiten noch viel länger. Ihre Mutter war Physikerin, der Vater Professor für Maschinenbau an der TU Wien. Wie sehr hat sie das geprägt? Schon sehr.

Es ist ja am Mittagstisch und abends immer über Technik und Physik gesprochen worden und dann begeistert man sich natürlich noch mehr dafür. Sie waren einst die erste Frau mit einem Doktor in Elektrotechnik an der TU Wien. Woher kommt Ihr Pioniergeist, was treibt Sie an? Ich möchte zu einer positiven Entwicklung der Gesellschaft beitragen.

Da ist dieses Thema – Lösungen finden für die schlimme Einschränkung der Kommunikation durch den Hörverlust – ein guter Weg.sitzen erstmals alle Komponenten unter der Haut, auch das Mikrofon. Es nimmt den Schall durch die Haut auf. Anschließend werden die Signale in elektrische Impulse umgewandelt und gehen an die Elektrode in der Cochlea. Diese stimuliert den Hörnerv, das Gehirn kann die Signale als Klang wahrnehmen.

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