Manchester City: Ein unvorstellbares Ausmaß von Manipulation

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Scheinverträge, Falschkonten und manipulierte Jahresabschlüsse bringen den englischen Fußballklub Manchester City in Bedrängnis. In 114 von 115 Punkten seitens der Premier League inkriminiert,...

Scheinverträge, Falschkonten und manipulierte Jahresabschlüsse bringen den englischen Fußballklub Manchester City in Bedrängnis. In 114 von 115 Punkten seitens der Premier League inkriminiert, droht sogar der Zwangsabstieg.

City-Fans beim Match gegen Chrystal Palace am Wochenende. Über dem Verein braut sich etwas zusammen: Er wurde wegen Finanzvergehen in 114 Punkten seitens der Premier League „schuldig“ gesprochen. London. Ein 40-seitiges PDF, in dem jahrelange Regelbrüche, Scheinverträge und -konten, manipulierte Ein- und Ausgaben sowie mangelnde Kooperation seitens des Fußballklubs Manchester City aufgelistet werden, erschüttert Englands Sport.

Seit Februar 2023 hatte eine unabhängige Expertenkommission im Auftrag der Premier League sukzessive alle Punkte aufgearbeitet und durchleuchtet. 7000 Seiten zu Einvernahmen werden genannt, zu 115 gelisteten Vorwürfen zeichnet in 114 Fällen – das in vielen Passagen geschwärzte PDF liegt der „Presse“ vor – ein erschreckendes Bild. Die „Citizens“, ein englischer Traditionsverein, der seit 2008 in Besitz der Abu Dhabi United Group und Scheich Mansour bin Zayid Al Nahyan ist, hätten „ein Jahrzehnt lang systematisch gegen die Regeln der Premier League verstoßen“, gab Liga-Chef Richard Masters zu Protokoll.

Der Verein, der diese Vorwürfe vehement bestreitet, wurde am Dienstag seitens der Liga offiziell für „schuldig“ befunden. Die Summe aus dem betrachteten Zeitraum beläuft sich auf 969 Millionen Euro. Das wahre Ausmaß des vermeintlich größten englischen Finanzskandals im Fußball ist schwer zu definieren. Manchester City , Leeds City oder Sunderland haben bereits in dieser Kategorie Gräben zwischen Moral, Finanzvorschriften, Buchhaltungen und Chuzpe gezogen.

Jetzt steht ein Großklub aus der besten Fußballliga am Pranger. Und, auch das steht in den Ausführungen deutlich, seine Vertreter sollen maßgeblich „versucht haben, es durch Kampagnen und Falschaussagen bei der Aufarbeitung zu vertuschen“. Dieses Dokument zu lesen, ist erschütternd. Was sind angesichts dessen all die Erfolge aus dieser Zeit, jetzt wert?

Aus welcher Sicht muss man das betrachten, wie sehen es Spieler, Fans, Geldgeber? Die Integrität eines Klubs oder der Abu Dhabi United Group, die scharenweise die besten Spieler aus der ganzen Welt nach Manchester holten, wird mit juristischer Rhetorik – dabei ist es keine strafrechtliche Aufarbeitung – sorgfältig zerpflückt. Es sind keine reinen Gehaltstäuschungen oder unbezahlte Steuern, sondern weitaus schwerwiegendere Feststellungen.

Manchester City wurde in 114 von 115 Punkten zu Verstößen gegen Finanzregeln in der Premier League im Zeitraum von 2009 bis 2018 durchleuchtet. Unklare Zahlungen an Spieler und Trainer; darunter fällt der „Doppelvertrag“ von Trainer Roberto Mancini, der Trainer bei City und zugleich „Berater“ in Abu Dhabi war. Sponsoring-Deals werden in den Ausführungen als „Scheingeschäfte“ bezeichnet, die rein dazu dienten, Investitionen in den Verein seitens der Eigentümer zu verschleiern.

Man tarnte es als „Einnahmen aus kommerziellen Partnerschaften“ oder formte ein Konstrukt , um Bildrechte an Spielen zu verkaufen, die nie stattfanden. Vermutliche Deckmantel, Hintertürfinanzierung des Etats oder dessen Absicherung, die dem Zweck folgten, „Verbindlichkeiten und Ausgaben zu verschleiern, um den Anschein zu erwecken, die finanzielle Abhängigkeit des Vereins zu senken.

“Falsche Jahresabschlüsse sollen darüber hinweggetäuscht haben, dass die Ausgabengrenzen der Liga und der Fußballunion Uefa „erheblich überschritten“ wurden. 2014 hatte die Uefa den kleineren, unpopuläreren Verein aus Manchester bereits für zwei Jahre aus der Champions League ausgeschlossen. Der Vorwurf: „Verdeckte Zuwendungen aus Abu Dhabi, weil Sponsorengelder deutlich über dem eigentlichen Werbewert verbucht wurden.

“ Der Internationale Sportgerichtshof verhängte als letzte Instanz nur eine Geldstrafe von zehn Millionen Euro. Trifft Erling Haaland, feiert die „hellblaue“ Seite von Manchester. Auf der „roten“ Hälfte sind die Skyblues verhasst – vor allem wegen des Einflusses und des Geldes aus Abu Dhabi. Der „Spiegel“ berichtete damals über die „Abu-Dhabi-Methode“.

Der Klub habe Sponsoring-Gelder der Fluggesellschaft Etihad und dem Telekommunikationsunternehmen Etisalat verwendet, indem Investments der Holding über die Konten dieser Unternehmen flossen. Damit soll schlagartig viel mehr Geld zu Verfügung gestanden sein, als jedem Konkurrenten lieb und laut Regelwerk recht war. Der Aufschrei war immens, City spielte weiter – doch die Skepsis wuchs.

Nachdem gegen den Verein 2024 Ermittlungen gestartet wurden, unternahm City „gezielte Anstrengungen, um die Untersuchung zu stoppen und zu behindern“ .

Ferner stellt die Kommission fest, dass „Aussagen einer Reihe wichtiger Zeugen, die im Namen des Vereins geladen waren, in mehreren wesentlichen Punkten falsch sind.

“Die Premier League, in dieser Form 1992 gegründet, setzt sich aus 20 Mitgliedsvereinen zusammen. Seit 2025 spült jede Saison 1,95 Milliarden Euro an TV-Geldern in die Kassen der Liga, die diese Summe anteilsmäßig aufteilt.

City gewann zehn Mal die englische Meisterschaft , acht Mal den FA-Cup , dazu thronen neun Liga-Cup-Siege oder sieben Community-Shield-Triumphe . Betrachtet man den aufgerollten Zeitraum, könnte City nun viele Trophäen verlieren, sofern sich die Liga zu Sanktionen entschließt. Gibt es dann aber sieben neue Meister?

United , Liverpool und Arsenal würden profitieren. Das Etihad Stadium ist beeindruckend, liegt mit Tram und Schnellbahn gut erreichbar in Manchester. Es bietet 62.000 Zuschauern Platz, daneben findet man Hotel und Merchandising-Shop. Ein Punkteabzug steht nun ebenso im Raum wie zuletzt bei Everton .

In der Saison 2008/09 wurden Luton Town in der zweiten Liga 30 Punkte abgezogen, als „illegale Zahlungen an Agenten“ durchgesickert waren. Eine Geldstrafe würde für Experten nur Sinn ergeben, würde sie gar im „drakonischen Bereich“ bemessen. Was nun Englands Fußball eher blüht, ist der Zwangsabstieg von Manchester City mit Saisonende.

Allerdings: Ziehen „EFL“ , League One und League Two mit, könnte City sogar bis in den Amateurbereich durchgereicht werden. Das ist auch der springende Punkt: 2014 wandte sich City noch an den Sportgerichtshof, um das Unheil abzumildern. Laut Premier-League-Regeln ist der Gang zum CAS „unzulässig“.

Man fragt sich, wie man den „Skyblues“ – unter den aktuellen Eigentümern – wieder trauen könne? Ob nicht eine starke Reaktion auf diesen Fall folgen müsse, um eigene Glaubwürdigkeit und Transparenz respektive die Einhaltung aller Regeln zu dokumentieren? In der Geschäftsstelle des Klubs am Etihad Campus rauchen die Köpfe. Man hat bis Freitag Zeit, Einspruch einzulegen.

Ein Statement wurde bereits verschickt: „Manchester City FC ist sowohl enttäuscht als auch überrascht über die veröffentlichte Stellungnahme der Premier-League-Kommission. Der Verein ist unschuldig bezüglich der Anschuldigungen der Premier League, und es liegen umfassende und unwiderlegbare Beweise vor, die seine Positionen in diesem Fall stützen. Der Verein wird daher in allen relevanten regulatorischen und rechtlichen Gremien unnachgiebig und, wo nötig, proaktiv vorgehen.

“ Kontoauszüge, Belege für Geldtransfers oder Zeugenaussagen würden „zweifelsfrei belegen, dass das Geld nicht vom Eigentümer stammte. “ Man werde alle Rechtsmittel ausschöpfen. Womit klar ist, dass diese Causa noch lange nicht abgeschlossen ist, sondern jetzt erst so richtig vor der Gerichtsbarkeit des Sports begonnen hat.

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