Macht Putin „schleichend mobil“?

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Russland stockt seine Streitkräfte auf dem Papier auf. Nordkorea „schickt“ Soldaten. Und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht gar von einer „zusätzlichen“ Mobilmachung in...

Russland stockt seine Streitkräfte auf dem Papier auf. Nordkorea „schickt“ Soldaten. Und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht gar von einer „zusätzlichen“ Mobilmachung in Russland.

Was steckt dahinter?seine Unterschrift unter den Erlass Nummer 700. Damit vergrößerte er die Sollstärke der Streitkräfte. Am Abend desselben Tages warnte der ukrainische Präsidentvor einer neuen Mobilmachung in Russland. Die beiden Meldungen gingen um die Welt.

Und zuweilen klang es so, als stünden sie in einem direkten Zusammenhang. Aber ganz so einfach ist es nicht. Putin stockte seine Streitkräfte zwar auf. Aber zunächst nur auf dem Papier.

Der Erlass hebt die Sollstärke auf insgesamt 2.441.630 Stellen an, darunter 1.550.500 Militärangehörige. Das sind 15.500 Soldaten mehr als bisher . Bemerkenswert ist daher eher die Häufigkeit: Es ist bereits die vierte Anhebung der Sollstärke in diesem Jahr. Zeitgleich wurde bekannt, dass für 2027 Rekordausgaben fürs Militär geplant sind.

Aber eine Mobilmachung bedeutet auch das nicht. Selenskyj wiederum stützte sich in seiner allabendlichen Ansprache nach eigenen Angaben auf einen Bericht seines Militärgeheimdiensts. Wobei auch da der genaue Wortlaut wichtig ist. Der ukrainische Präsident sprach davon, dass eine „zusätzliche“ Mobilmachung „im Grunde“ schon begonnen habe.

Und zwar mit „verschiedenen Methoden“. Details nannte er nicht. Nur so viel: „Sie planen auch, verstärkt Ausländer einzubeziehen.

“Nordkorea war ebenfalls Thema. Die Kim-Diktatur schickt offiziell Soldaten nach Russland. Sie rühmt sogar ihre „Helden“, die an Gefechten im russischen Kursk beteiligt waren. Nach Angaben von Selenskyj bereite Nordkorea die Entsendung weiterer 10.000 Soldaten vor.

Zurzeit befänden sich bereits 8.000 Nordkoreaner dort. Es gibt keine Hinweise, dass Nordkoreaner in größerer Zahl in der Ukraine gekämpft haben. Ohne Zweifel ist der Personaldruck auch auf russischer Seite gewaltig. Wie groß er genau ist, hängt davon ab, wen man fragt.

Und welche Ziele man zugrunde legt. Und welche Zahlen. Frankreichs Präsidenthält es für ein „glaubwürdiges Szenario“, wonach Russland noch einmal „300.000 Soldaten“ einziehen könnte, um seinen Anspruch auf den gesamten Donbass zu untermauern. Putin selbst bezeichnete die Gerüchte übrigens als „völligen Unsinn“.

Eine spektakuläre Ankündigung wäre für eine Mobilmachung übrigens nicht einmal nötig. Wie berichtet, wurde der Erlass über die Teilmobilmachung vom September 2022 formal nie aufgehoben. Der Militäranalysthält daher eine „schleichende“ Mobilisierung für möglich. Die russische Führung könnte versuchen, eine Mobilisierung „so verdeckt wie möglich zu halten“ und zunächst „einfache Leute in der Peripherie“ ihre Einberufungsbefehle erhalten zu lassen, „ohne dass man großes Tamtam daraus macht“.

Ganz grundsätzlich könnte der Grad des Zwangs, den Russland bei der Rekrutierung einsetzt, „graduell steigen“. Ob Putin mobil macht, ist nicht klar. Aber sein Regime hat die Vorkehrungen dafür getroffen.

„The Insider“ berichtete zuletzt von Mobilmachungsübungen in mehreren Regionen und, noch wichtiger, vom abgeschlossenen Aufbau des elektronischen Militärregisters. Darüber können Militärdienstpflichtige ausgemacht und elektronische Vorladungen verschickt werden.

Außerdem lassen sich Daten für Ausreiseverbote an die zuständigen Stellen übermitteln. Dem Magazin zufolge rekrutiert Russland derzeit 20.000 bis 30.000 Vertragssoldaten pro Monat. Das reiche, um die Verluste einigermaßen zu decken. Aber nicht für neue Offensiven.

Während über Mobilmachungen spekuliert wird, setzt Russland seine Angriffe auf Kiew fort. Zu Wochenbeginn stand auch das historische Gebäude der Akademie für Wissenschaften in Flammen.

Außerdem nahm Russland gezielt Rechenzentren ins Visier, um die digitale Infrastruktur der Ukraine lahmzulegen.

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