Newjansk am Ural hat bereits einige tote und verletzte Soldaten zu beklagen. Immer weniger Menschen verstehen, wofür in der Ukraine gekämpft wird.
Spielzeugautos als letzter Gruß auf dem Friedhof von Newjansk: Auch hier hat ein getöteter Soldat seine letzte Ruhestätte gefunden Foto: Alexey Piskunov für Novaya Gazeta EuropeIsolda Drobina Aus newjansk, 20.1.2023, 19:07 Uhr
Es ist bereits das zweite Dossier mit Texten der Novaya Gazeta Europe in der taz. Das erste ist im Mai 2022 erschienen. Die Texte des ersten Dossiers finden sich hier. Iwan erinnert sich auch an einen anderen Verstorbenen – Igor Mochow, der im Dorf Serbischino in der Region Newjansk begraben wurde. Igor hatte Talent, er vertonte Kindergeschichten. Viele Newjansker kannten und liebten seine Werke.
Ein Mann macht sich Gedanken Mein Gesprächspartner ist davon überzeugt, dass für die Menschen aus Newjansk die „militärische Spezialoperation“, kurz MSO , etwas Patriotisches war. Einige konnten sich gar nicht schnell genug freiwillig zur Armee melden. Er denkt, dass diese patriotische Aufbruchsstimmung mittlerweile vorbei ist.
Am Tag vor dem 24. Februar bin ich mit dem Zug gefahren und habe gesehen, wie ein Güterzug nach dem anderen die Gleise entlangfuhr, alle mit Panzern beladen. Und ich habe noch gedacht: Warum so viele? Ein großes Militärmanöver? Es hat mich gestresst und eine unangenehme innere Kälte verursacht. Aber damals habe ich einfach nicht begriffen, was da passiert.“
„195.000 Rubel – das bekommt ein einberufener Soldat. Das ist meiner Meinung nach eine lächerliche Summe. Inzwischen hat man auf 200.000 aufgerundet, aber die Logik, nach der diese Beträge festgelegt werden, erschließt sich mir nicht“, schlussfolgert er. „Warum kann man den Leuten jetzt nicht normale Gehälter zahlen, wenn es im Staatshaushalt solche hohen Beträge gibt? Das ist doch alles eine undurchsichtige Sache.
„Die Polizei hat zunächst nur eine Anzeige gegen mich erstattet“, erinnert sich Konowalow. „Sie haben eine linguistische Expertise der Artikel vorgelegt. Die hatte eine Mitarbeiterin des Inlandsgeheimdiensts mit philologischer Ausbildung angefertigt. Das sollte alles vor Gericht vorgebracht werden. Am nächsten Tag rief die Frau vom Revier an und fragte, ob sie noch einmal vorbeikommen könne. Eine einzige Anzeige schien den „Linguisten“ nicht zu genügen.
Fragen nach dem Sinn des Krieges Einige standen unter Schock, aber warteten auf eine vernünftige Erklärung des Staats. Sie meinten, man sage uns wahrscheinlich einfach nicht alles, denn es müsse für diesen Krieg doch irgendeinen echten Grund geben. Ein Teil von ihnen wartet vermutlich heute noch. Also, seit einem dreiviertel Jahr haben sie noch nichts gehört, was sie als Grund hätte überzeugen können.
Jewgenis Beobachtungen zufolge hat sich die Stimmung in der Stadt seit Februar verändert. Noch vor der Ankündigung der Teilmobilmachung nahm die Zahl der Symbole der „Spezialoperation“ auf den Autos deutlich ab. Sein Nachbar, der Ende Februar „sein ganzes Auto dekoriert“ und einige Videos zur Unterstützung der Spezialoperation aufgenommen hatte, entfernte Ende September alle Aufkleber und löschte sogar die Filme von seinem YouTube-Kanal.
Weitere zwanzig Menschen gelten als vermisst. Die Mütter und Ehefrauen der Einberufenen haben eine Social-Media-Gruppe gegründet, um sich gegenseitig zu unterstützen „Es ist eine ziemlich schreckliche Situation. Nach dem Gesetz gelten wir als kinderreich, weil drei unserer Kinder noch minderjährig sind“, sagt Olga Utjomowa. „Und wenn Kinder nach dem allgemeinen Schulabschluss eine Berufsschule besuchen, ist man sogar kinderreich, bis das Kind 23 ist. Aber bei der Staatsanwaltschaft hat man mir gesagt, dass in Zeiten einer Mobilmachung unsere Familie nicht mehr als kinderreich gilt, sobald das älteste unserer drei minderjährigen Kinder das 16.
„Neulich kam zum ersten Mal das Gehalt meines Mannes, mehr als 200.000 Rubel“, sagt Olga, „aber trotzdem schreibe ich weiter Eingaben mit der Forderung, Wassili als kinderreichen Vater nach Hause zu entlassen. Ich selbst kann aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten, und alleine mit den Kindern ist es sehr schwierig.
Österreich Neuesten Nachrichten, Österreich Schlagzeilen
Similar News:Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
SPD-Außenpolitiker Ahmetovic: „Wir brauchen wieder mehr Nato-Soldaten im Kosovo“Der „ethno-nationalistische Kurs“ der serbischen Führung erinnert den SPD-Politiker Ahmetovic an die Linie Moskaus. Er warnt: Der Westen dürfe nicht „schlafwandeln“.
Weiterlesen »
„Wichtiger Bestandteil“ im Ukraine-Krieg: Britischer Geheimdienst schätzt Stärke der Wagner-Truppe auf 50.000 SoldatenPolen schließt Leopard-Lieferung ohne deutsche Zustimmung nicht aus + Selenskyj dankt USA für „kraftvolles Paket“ + Gaslieferungen nach Europa via Ukraine sinken laut Gazprom weiter + Der Newsblog.
Weiterlesen »
Lebenstraum von Krailinger Familie in Gefahr: Bauvorhaben könnte Kinderzimmer für immer verdunkelnEin Bauvorhaben an der Luitpoldstraße in Krailling droht einer jungen Familie das einzige Fenster in einem Kinderzimmer zu nehmen.
Weiterlesen »
: Grundsteuer: Es fehlen noch immer mehr als 40 Prozent der SteuererklärungenEnde Januar läuft die Frist für die Grundsteuererklärung ab. Trotzdem sind erst 57 Prozent bei den Finanzämtern eingegangen. Was Nachzüglern ab Februar droht.
Weiterlesen »