Die Bundesimmobiliengesellschaft hat Dutzende prominente Objekte auf ihre NS-Vergangenheit durchleuchten lassen. Federführend war ein Grazer ...
Barbara Stelzl-Marx und Mathias Egger vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung und der Uni Graz vor dem ehemaligen Sitz der Grazer Gestapo in der PaulustorgasseDie Bundesimmobiliengesellschaft hat Dutzende prominente Objekte auf ihre NS-Vergangenheit durchleuchten lassen.
Federführend war ein Grazer Historiker-Team, die interaktive Karte der geschichtsträchtigen Häuser ist nun online. Sie sind seit Jahrzehnten unhinterfragter Teil des Stadtbilds, spielen als Amtsgebäude wichtige Rollen im Alltag vieler Steirer: Objekte der Bundesimmobiliengesellschaft , in denen heute Polizei, Gerichte oder die Finanz untergebracht sind. In der NS-Zeit wurden sie teils von vergleichbaren Behörden genutzt – standen aber für Arisierung, Zwangsarbeit und Folter. Die Sicherheitsdirektion für Steiermark wurde 1938 unter anderem zum Sitz der Gestapo.
Fast 50.000 Menschen wurden hier bis 1945 inhaftiert, viele gefoltert und schikaniert. Diese Geschichte aufzuarbeiten, hat sich die BIG auf die Fahnen geschrieben. So beauftragte man das Grazer Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung mit einer großflächigen Untersuchung. 74 Objekte, hauptsächlich in Wien und der Steiermark, wurden den Forschern zur Durchleuchtung anvertraut – und für jedes einzelne wurden Quellen gefunden, sagt Leiterin Barbara Stelzl-Marx. 72 von ihnen weisen tatsächlich ein „kontaminiertes Erbe“ auf, wie das Projekt getauft wurde.
Sieben Mitarbeiter vom Boltzmann-Institut bzw. der Uni Graz waren über ein Jahr lang mit der Recherche beschäftigt. Die erste Projektphase, die wissenschaftliche Bearbeitung unter dem Titel „Geigerzähler der Geschichte“, wurde im Frühjahr abgeschlossen. Nun geht es in die zweite Phase, die den Forschern und Auftraggeberin BIG genauso am Herzen liegt: die Vermittlung der Erkenntnisse an die breite Öffentlichkeit, Stichwort „Science to Public“.
So wurde auf der Website der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft in Kooperation mit der Uni Graz BIG: „Verantwortung für Modernisierung genauso wie für Geschichte“ Stelzl-Marx unterstreicht die aktive Rolle, die die BIG von Anfang an gespielt hat: „Es ist nicht selbstverständlich, dass die Funktion öffentlicher Gebäude zum ersten Mal extern aufgearbeitet wird“, sagt sie. Die BIG-Geschäftsführer Christine Dornaus und Gerald Beck bestätigen: „Wir übernehmen umfassende Verantwortung für unsere Häuser.
Das betrifft bauliche Aspekte wie die gezielte Modernisierung und Dekarbonisierung genauso wie die große gesellschaftliche Verpflichtung, uns mit der Geschichte unserer Häuser auseinanderzusetzen.
“Mit der Online-Karte ist es nicht getan: An ausgewählten Objekten werden demnächst Info-Tafeln mit QR-Codes angebracht, auch Veranstaltungen für interessierte Anrainer und in den „kontaminierten“ Gemäuern Beschäftigte sind geplant. „Die Spuren sind auf den ersten Blick unsichtbar“, sagt Stelzl-Marx. „Aber subkutan sind sie vorhanden: eingebrannt in die Gebäude selbst. “User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia wieder.
In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder derwidersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch
BIG Bundesimmobiliengesellschaft Christine Dornaus Gerald Beck Ludwig Boltzmann Gesellschaft Markus Rieger-Roschitz Mathias Egger Steiermark Stelzl-Marx Uni Graz Wien
Österreich Neuesten Nachrichten, Österreich Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Als „Die Radiofamilie“ in die österreichischen Wohnzimmer einzog –...Hinter dem Humor der Serie „Die Radiofamilie“ steckte ein politischer Auftrag, und niemand sollte ihn bemerken. Das hat funktioniert: Die Florianis wurden zur Lieblingsfamilie der Nachkriegszeit.
Weiterlesen »
Die Geschichte der Raketentechnik von den Anfängen bis zu Conrad HaasLeo Ludick erklärt in seinem Podcast Stella die Entwicklung der Raketentechnik, beginnend mit ersten Einsätzen im Jahr 1232 in China, bis hin zu Österreichs Beitrag durch Conrad Haas und seine Visionen einer Raumstation im 16. Jahrhundert.
Weiterlesen »
„Kontaminiertes Erbe“: Folter, Zwangssterilisationen und...Das Team vom Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung untersuchte auch in der Steiermark im Auftrag der Bundesimmobiliengesellschaft BIG die NS-Vergangenheit öffentlicher Gebäude. Drei...
Weiterlesen »
Hotelvereinigung klagt Booking.com bei der EU-Kommission anDie Österreichische Hotelvereinigung wirft Booking.com vor, den Digital Markets Act zu verstoßen, indem die Plattform die Zimmerpreise ohne Genehmigung der Hotels senkt. Die Organisation kritisiert auch die intransparente Platzierung der Hotels und die hohe Stornoquote, die deutlich über denen der Direktbuchungen liegt. Die ÖHV hat die EU-Kommission um eine Überprüfung der Geschäftspraktiken von Booking.com gebeten.
Weiterlesen »
