„König Blaubarts Burg“: Mehr Feuer für die Hölle der Ehe

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„König Blaubarts Burg“: Mehr Feuer für die Hölle der Ehe
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Dass die Ehe eine besondere Form der Hölle sein kann, ist nicht erläuterungsbedürftig. An der Staatsoper steckt man jetzt zwei Klassiker der Moderne, „Eine florentinische Tragödie“ und „König Blaubarts Burg“ in ein Designerhaus zur Illustration dieser Misere. Zuerst kommt die Paartherapie, dann American Psycho mit ein bisschen Blut.

Dass die Ehe eine besondere Form der Hölle sein kann, ist nicht erläuterungsbedürftig. An der Staatsoper steckt man jetzt zwei Klassiker der Moderne, „Eine florentinische Tragödie“ und „König Blaubarts Burg“ in ein Designerhaus zur Illustration dieser Misere.

Zuerst kommt die Paartherapie, dann American Psycho mit ein bisschen Blut. Wie gut, dass da der Nebenbuhler im Bettkasten entsorgt werden kann. Zwei Stücke, zwei Mal „Szenen einer Ehe“. Statt Liv Ullmann und Erland Josephson wie bei Ingmar Bergmann sind es an der Wiener Staatsoper Asmik Grigorian und einmal Christopher Maltman und das andere Mal Grigorian und Florian Boesch.

Die zwei Klassiker der Moderne, Alexander Zemlinskys „Florentinische Tragödie“ und Bela Bartoks abgründiger Einakter „König Blaubarts Burg“ werden in der Hand des jungen Regisseurs Vasily Barkhatov zu Ehestücken in einem Gebäude der gesellschaftlichen Oberliga. In der Designer-Villa treffen diese beiden kurzen Einakter, die wohl zeitlich nah aneinander liegen, aufeinander und werden sogar in der Figur eines Toten aus der „Florentinischen Tragödie“, Dimitry Golovnyn, miteinander verknüpft.

Geht es bei Zemlinsky und dem von Oscar Wilde übernommenem Stück „Florentinische Tragödie“ um die Wiedergeburt der Anziehungskraft einer Beziehung, nachdem der Gatte den Nebenbuhler erdrosselt hat und endlich als viriler Mann vor seiner Frau steht, so führt „König Blaubarts Burg“ als rätselhaftes Märchen in die Geschichte einer Anziehung, die auch vor den berühmten sieben verschlossenen Türen des Blaubart nicht halt machen kann.

„Blaubart“ ist, wenn man es psychoanalytisch deuten mag, und dazu hat der Abend ja offenkundig Lust, ein Versprechen der Triebbefreiung bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung aller Mysterien und Rätsel, die nach dem Eintritt in eine abgründige Beziehung eine Rolle spielen. Zemlinskys „Florentinische Tragödie“ wiederum hatte kein überragendes Schicksal an der Wiener Staatsoper mit drei weiteren Aufführungen nach der Premiere.

Und wer die Stellung von Arnold Schönbergs Schwager in der Musikgeschichte kennt, weiß auch warum: Wo Richard Strauss zugreift, reflektiert Zemlinsky noch innerhalb der tonalen Möglichkeiten, samt Brahms und Wagner, die ihm immer noch über die Schultern schauen. Sein Interesse an der Psychologie ist eine von thematischen Psychogrammen und Motiven, jedoch nicht eine der Dramatik.

„Eine florentinische Tragödie“ als Psychotherapie. Dimitry Golovnyn will als Therapeut das Feuer zwischen Asmik Grigorian und Christopher Maltman entzüden. Will man dieses Stück so übersetzen, dass seine Qualitäten mitreißen, braucht es von der Regie viel Einfallsreichtum und Personenführung, sicher aber nicht ein motivationsloses Herumgetapse in einem Bungalow, in dem man eine entgleitende Psychotherapie miterlebt. Der Therapeut ist am Ende tot, die Ehe gerettet.

So weit, so gut, könnte man meinen, würde nicht das dunkle, großartige Märchen „Blaubart“ von Bartok und Bela Balas an diesem Abend genau dort weitergehen, wo das erste Stück aufgehört hat. Der tote Nebenbuhler liegt noch im Ehebett, doch jetzt haben es sich dort auch Judith und König Blaubart gemütlich gemacht. Fast meint man, sie hätten noch einen Leiner-Gutschein aus der Konkursmasse über, den sie hier an der Oper einlösen möchten.

In der Unterwäsche und im Hemd geht die Reise in diesen Einakter los, ein Umstand, der für Boesch weniger vorteilhaft ist als für Grigorian. Ein Abend der Bild-Text-Scheren Boesch, der nicht nur stimmlich, sondern auch gestimmt dunkel um Judith wirbt, wird die seelenlose Bude bald mit der Wucht seiner Erscheinung füllen, und man nimmt ihm den Blaubart ab, auch wenn er sich Ungarisch in dieser Inszenierung durch einen Abend der Bildtext-Scheren singt.

Alles, was im Text beschrieben wird, gibt es auf dieser Bühne nicht. Vor allem nicht die sieben Türen des Blaubart, die Judith ja Schritt für Schritt öffnet. Was sich hinter den Türen befindet, machen mitunter Lichtprojektionen deutlich. Als sich die erste Türe öffnet, leuchtet der Weinkühlschrank auf.

Man mag die als bissige Bemerkung zu einer seelenlosen Gegenwart betrachten, in der die Kenntnis von Weinetiketten die Kenntnis von Klassikern ersetzt hat. Dummerweise sitzen aber gerade an der Oper noch all jene, die lieber die Klassiker bewahren, und an diesem Abend aus dem Staunen nicht rauskommen.

„König Blaubarts Burg“ muss in den herbei geholten Abgründen nicht wie ein Fellini-Film inszeniert werden. Dass aber die ehemaligen Frauen Blaubarts in ‚Gestalt‘ zurück gelassener Kleiderfetzen auftauchen, war dann doch eine Spur episches Theater zu viel. Bald konnte der Vorhang gesenkt werden, konnten sich Judith zu Blaubart ins Kasten-Ehebett legen. Der Leiner-Gutschein inkludierte immerhin eine Entsorgung der Leiche des vorhergehenden Stücks unter dem Lattenrost.

Auch so kann man Geräumigkeit interpretieren. Sängerisch überzeugte Florian Boesch. Asmik Grigorian blieb hinter den Erwartungen zurück, was leider auch für den musikalischen Leiter des Abends Alin Altinoglu bei der Premiere am Samstag galt. Gerade bei Bartok wäre ein mehr an Farbe im Klang drinnen gewesen.

Doch immerhin machte die Musik das wett, was die Inszenierung an Erwartungen offen ließ. Als „Nachtstücke des Begehrens“ wurde die Verklammerung dieser an der Staatsoper gerade je einmal gespielten Einakter im Programmheft beworben. Für die Kategorie Nachtstück hätte irgend jemand den Dimmer finden müssen.

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