David Freudenthaler berichtet seit 2020 für den Economist der „Presse“. Der gebürtige Oberösterreicher setzt seine Schwerpunkte auf Innovation, Industrie und Handel sowie volkswirtschaftliche Themen. Von 2024 bis 2025 war er für die „Presse“ als Deutschland-Korrespondent in Berlin tätig.
Das KI-Zeitalter bringt eine neue Gefahr im Internet. Sie kann jeden treffen. Doch man kann sich schützen – noch. Wien.
Zwei gekaperte Nutzerkonten und merkwürdig formatierte Dateien auf den Servern: Schon am 13. Mai suchten KI-Agenten bei Hugging-Face offenbar nach Einfallstoren. Sie stammten nicht von Cyberkriminellen, sondern aus dem Forschungslabor von OpenAI, wie Reuters berichtete. Die Agenten blieben vorerst aber in Lauerstellung.
Zwei Monate später drangen sie auf Dutzende Server vor. Eigentlich sollten sie bloß in abgeschotteten Tests Sicherheitsaufgaben lösen. Stattdessen fanden sie selbst einen Weg ins Internet und tauschten über ein improvisiertes Schwarzes Brett Angriffstipps aus. Das Bekanntwerden der autonomen Angriffe sollte die Sorge vor unkontrollierbaren Scharen an Agenten schüren, die das Internet eigenständig nach Schwachstellen durchforsten, um sie anschließend zu überfallen.
Wenn schon Sicherheitsprüfungen eines KI-Entwicklers zum Angriff führen: Was droht, wenn Kriminelle dieselben Werkzeuge einsetzen? Am Donnerstag meldete Spaniens Datenschutzaufsicht, dass sie erstmals einen Cyberangriff mithilfe von KI-Agenten erkannt haben will. Derlei Attacken werden künftig an der Tagesordnung stehen, warnen Fachleute.
„Die größte Veränderung ist die Industrialisierung der Angriffe“, sagt Cornelius Granig, der Unternehmen bei IT-Sicherheit berät: „Ein Täter kann jetzt nicht nur ein Dutzend Ziele gleichzeitig bearbeiten, sondern Hunderte. “ Agenten suchen Schwachstellen, testen Zugänge, passen Angriffe an. Menschliche Angreifer steigen meist erst ein, wenn ein Opfer – egal ob Institution, Firma oder Privatperson – vielversprechend erscheint. Über „Crime as a Service“ sind Angriffe auch für weniger versierte Täter einkaufbar.
Die Beute – wertvolle Daten oder erpresstes Lösegeld – wird dann zwischen Auftraggeber und Hackergruppe aufgeteilt. Die aktuelle Debatte um eine stärkere Regulierung von künstlicher Intelligenz werde an der Dynamik verstärkter agentischer Cyberattacken nichts ändern, ist Schrittwieser überzeugt: „Ein Angreifer wird nicht unbedingt ein Modell von OpenAI verwenden, sondern möglicherweise ein frei verfügbares Modell aus China. Es ist illusorisch zu glauben, dass man diese Technologie wieder aus der Welt schaffen kann.
“Die neue Gefahr kommt aber nicht nur von außen. Unternehmen lassen KI-Assistenten Mails lesen und Programme bedienen. Manipulierte Inhalte können sie zu folgenschweren Schritten verleiten. Sicherheitsexperte Granig empfiehlt Firmen deshalb klare Regeln dafür, auf welche Daten und Systeme die KI zugreifen darf.
Auch ein einstudiertes Krisenmanagement für den Fall eines Cyberangriffs empfiehlt er. Nicht nur IT-Abteilungen, auch das gesamte Management solle im Angriffsfall eingebunden werden. Die digitale Resilienz vieler heimischer Betriebe sei nicht auf dem Niveau, wie sie eigentlich gesetzlich vorgeschrieben ist, meint Granig. In Österreich tritt am 1.
Oktober das Gesetz zur Umsetzung derGrundlegende Sicherheitsmaßnahmen werden durch KI nicht obsolet, sagt Schrittwieser: „Ein KI-Agent kann nicht automatisch überall eindringen.
“ Rasche Software-Updates, Passwortmanager und Mehrfaktor-Authentifizierung bieten auch in Zukunft viel Schutz. Und die Verteidiger können ebenfalls aufrüsten: Künstliche Intelligenz kann Schwachstellen in eigener Software aufspüren, bevor Angreifer sie finden. Entscheidend sei, ob die Verteidiger mit dem Tempo automatisierter Angriffe mithalten können, sagt der Sicherheitsexperte.
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